Wo war ich? Das Fotoalbum verrät’s

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Wo war ich? Das Fotoalbum verrät’s

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Knips. Wenn wir den virtuellen Auslöser auf unserem Smartphone drücken, landet nicht einfach nur ein zusätzliches Foto im Album, sondern es entsteht auch ein weiterer digitaler Fußabdruck. Denn bei jedem Foto, das wir machen, fallen unbemerkt Metadaten an, die zusammen mit dem Foto gespeichert werden. Daten wie: Wann wurde das Foto gemacht (Datum/Uhrzeit), welche technischen Rahmenbedingungen gab es (Kameratyp, Blende, Belichtungszeit etc.) sowie – ganz wichtig! – wo wurde das Bild aufgenommen. Selbst, wie schnell man während der Aufnahme unterwegs war, wird ermittelt und festgehalten. Eine Menge Daten, die eine neue iPhone-App namens DetectLocation sichtbar macht. Die App zeigt, was sich damit alles anstellen lässt:

Wo war ich? Das Fotoablum verrät's; Rechte: DetectLocations

Wo war ich? Das Fotoablum verrät’s

Genaue Ortsangaben versteckt im Foto

Wenn eine App Zugriff auf die Daten hat, lässt sich ohne Weiteres ein Bewegungsprofil erstellen – bis weit in die Vergangenheit hinein. Da moderne Smartphones dank GPS und WLAN ziemlich präzise ermitteln, wo wir uns gerade aufhalten, sind die in den Fotos gespeicherten Ortsangaben ebenfalls ziemlich präzise, auf wenige Meter genau. Diese Ortsangaben können helfen, Hunderte oder Tausende von Aufnahmen zu ordnen. Welche Bilder sind beim Konzertbesuch entstanden, welche im Mallorca-Urlaub? Benutzer können sich im Smartphone eine Onlinekarte zeigen lassen, in der jedes Foto exakt verortet ist.

Allerdings gibt es ein Problem: Wenn eine iOS-App Zugriff auf die Fotos bekommt, dann sind gleich alle Fotos für die App sichtbar – Metadaten inklusive. Wir bemerken es gar nicht, wenn diese Daten ausgelesen und ausgewertet werden. Darin sieht App-Entwickler Felix Krause eine Datenschutzlücke – und hat deshalb die App DetectLocation entwickelt, um zu zeigen, wie einfach es für eine iOS-App ist, die Daten zu lesen.

So eine App, die Zugriff auf die Metadaten aller Fotos hat, erfährt eine ganze Menge. Da die meisten von uns heute ziemlich viele Aufnahmen machen, entsteht ein Bewegungsprofil: Die App muss lediglich analysieren, wann der Benutzer wo gewesen ist. Die Metadaten der Fotos liefern die entsprechenden Daten. Die App braucht also keinen Zugriff auf die (aktuellen) GPS-Daten.

Ortsangaben wegschneiden

Das Datenschutzproblem wird gerade in diversen Foren diskutiert – ist allerdings keineswegs neu. Jeder, der viele Fotos macht und diese an Fotodienste wie flickr oder Google Fotos schickt, muss sich im Klaren darüber sein, dass die Onlinedienste eben solche Bewegungsprofile anfertigen können – und zwar mühelos. Für Apple, Google und Microsoft, die Herrscher über die im Smartphone gespeicherten Fotos, gilt das natürlich sowieso und erst recht.

Gut zu wissen: Einige Soziale Netzwerke löschen die Metadaten in Fotos, damit nicht auch noch die User an Informationen kommen, die sie nichts angehen, darunter Facebook, Twitter und Instagram. Diese Dienste entfernen die versteckten Daten aus den Fotos. Unsere Freunde können also nicht in die Metadaten schauen. Nicht gelöscht werden die Metadaten von Google+, Google Fotos, flickr und tumblr. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann die Metadaten in seinen Fotos auch selbst löschen. Mit geeigneten Hilfsprogrammen – oder hier in diesem Onlinedienst.

 

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

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