YouTube in der Krise? Instagram macht Druck

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YouTube in der Krise? Instagram macht Druck

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YouTube hat schon bessere Zeiten gesehen, wage ich zu behaupten. Es gab Zeiten, da wollten junge Leute “YouTuber” werden – was auch immer das genau sein soll. Aber wohl irgendwie berühmt, bekannt und wenn es geht ganz schnell reich. Heute hört man eher, dass jemand “Influencer” werden will. Also auch irgendwie berühmt, bekannt und ganz schnell reich. Aber eben nicht mehr zwingend auf YouTube, sondern eher auf Instagram.

YouTube hat schon bessere Zeiten gesehen; Rechte: Pixabay

YouTube hat schon bessere Zeiten gesehen

Öffentliches Interesse an YouTube geht zurück

Es gibt halt keine Markentreue. Es gibt allerdings Trends. Zwar hat YouTube die Herzen der Massen im Sturm erobert – sich dann aber irgendwie schlafen gelegt. Allzu viel ist in den letzten Monaten und Jahren nicht mehr passiert. Gut: Nicht-mehr-weg-klickbare Werbeeinblendungen. Aber das wird wohl eher nicht auf der Haben-Seite verbucht. Man hört kaum noch etwas von YouTubern, die etwas Bemerkenswertes produzieren, sagen, tun, zeigen. Ich habe fast den Eindruck: Das Angela-Merkel-Interview durch LeFloid war der Höhepunkt. Seitdem geht es talwärts.

Die Lethargie hat Folgen: Die Videodays – jahrelang das Ereignis in der YouTube-Welt – findet dieses Jahr gar nicht mehr statt. Zwei Mal war geplant – beide Termine wurden gestrichen. Nicht genügend Tickets verkauft. Zu wenig Sponsoren, beklagt der Betreiber. Auf gut Deutsch: Keinen juckt’s.

YouTube muss derzeit eine Menge Federn lassen. Netflix bedient den Highend-Bereich: Kostenpflichtige Video-On-Demand-Inhalte gibt es hier. Kleinere Videoschnipsel, vor allem privater Natur, landen heute eher in den Stories von Instagram, Facebook, Snapchat und Co. Doch Instagram scheint das größte Probem für YouTube zu sein. Hier tummeln sich immer mehr “Influencer”. Einige kommen sogar von YouTube, die meisten sind völlig neu.

https://vimeo.com/279444675

Wie Influencer die Preise für ihre Schleichwerbung ausmachen

Instagram nimmt an Bedeutung zu

Instagram ist eigentlich für Fotos gemacht – aber man kann eben auch Videos abspielen. Easy in der Handhabung, cleane Optik, keine öffentlichen Pöbeleien. Das zieht die Leute an. Eigentlich sollte sie es abstoßen, wie unverblümt Nobodies auf der Plattform Schleichwerbung und echte Werbung machen und praktisch für alles die Hand aufhalten. Mit Authentizität hat das nun wirklich zu tun. Aber: Die User/innen stört es offensichtlich nicht. Traurig, aber wahr.

Das vergleichsweise neue IGTV macht die Sache für YouTube nicht besser. Zwar ist IGTV noch nicht wirklich abgehoben, könnte aber kommen. Und dann gibt es auch noch Facebook Watch: Hochwertige Inhalte von Facebook, nicht nur auf dem Mobilgerät, sondern auch auf dem Fernseher. Soll demnächst auch nach Europa und Deutschland kommen. Auch nicht gerade gut für YouTube.

Eine Menge Alternativen also. Kein Wunder, dass sich YouTube immer schwerer tut, eine bedeutende Rolle zu spielen.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

2 Kommentare

  1. Auf youtube darf sich ja auch niemand mehr kritisch zu irgendetwas äußern. Alles ist super familienfreundlich (also indirekte Zensur), da man keine Werbung mehr geschaltet bekommt, wenn man kontroverse Inhalte hat. Alles ist gleichgeschaltet und oberflächlich. Teilweise findet man bestimmte Videos und Kanäle auch nicht mehr. Obsohl die nie gelöscht wurden. Gefühlt sind da nur noch make-up Tutorials und sonstiger oberflächlicher Kram.

  2. Ich nutze nach wie vor Youtube, insbesondere für die Suche nach Testberichten oder generell Videos zu Produkten. Die Vielfalt ist beeindruckend. Ich bin mit meinen 32 Jahren in der Digitalwelt aber auch schon ein alter Sack :-)
    Ob eine Plattform wirklich besser ist, ich weiß es nicht. Youtube gehört zu Alphabet (wie auch Google), Instagram zu Facebook. Es liegt eh alles in den Händen der amerikanisch dominierten Datenkraken-Internetwelt…

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