Muss Portigon ihre Kunst höchstbietend verkaufen?

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Muss Portigon ihre Kunst höchstbietend verkaufen?

Kommentare zum Artikel: 5

Was für eine Aufregung um Bilder und Skulpturen. Seit zwei Wochen ereifert sich die Kulturszene nicht nur in NRW über den angekündigten Verkauf des Kunstschatzes der ehemaligen WestLB. National wertvoller Kulturbesitz drohe verloren zu gehen. Demnächst ziehen wahrscheinlich Patrioten Europas gegen den Ausverkauf von Kunst ins Ausland (Pegaka) auf die Straßen…

Und wir Medien ziehen natürlich mit. Verkünden erst, dass WestLB-Nachfolger Portigon die Werke verkaufen möchte. Dann leihen wir jedem Kritiker unser Ohr – von der Staatsministerin für Kultur im Bund bis zum Museumsdirektor in Münster. Garniert wird das Ganze mit politischen Stimmen von Befürwortern und Gegnern – und dann – so wie gerade geschehen – fragen wir auch noch mal nach bei der EU-Kommission, ob die das eigentlich so gemeint hat, damals 2011, bei ihrem Beschluss zur Aufspaltung und Zerschlagung der WestLB. Ob wirklich die ganze schöne Kunst zum teuersten möglichen Preis verkauft werden muss.

Und was sagt die Kommission: Wissen wir jetzt auch nicht so genau. Die Entscheidung über den Verkauf liege zunächst bei der Bank. Was dann zur Überschrift führt: “EU widerspricht Portigon” – der Verkauf könnte platzen…

So weit, so schlecht. Natürlich steht in den Beschlüssen, die EU-Kommission und Bundesregierung vor dreieinhalb Jahren zur Auflösung der WestLB unterschrieben haben, kein einziges Wort über die Kunstwerke. Genauso wenig wie über Dienstwagen, Computer, Papierkörbe oder Büroklammern. Und dennoch ist der Beschluss eindeutig. Es steht nämlich darin, dass die Abwicklung der Landesbank nach den gültigen Regeln der EU zu erfolgen hat. Und diese Regeln sehen vor, dass eine Bank, die vom Markt genommen wird, dies so teuer wie möglich tun muss. Und das bedeutet im Klartext: Alles muss raus, zum höchsten auf dem Markt erzielbaren Preis.

Aber es geht doch um Kunst, da kann doch nicht der nackte Marktliberalismus herrschen… Genau! Und eben darum gibt es ja auch eine Möglichkeit. Die Landesregierung kann nämlich in Person von Kulturministerin Ute Schäfer prüfen – das tut sie bereits – und entscheiden – das wird sie nach der Prüfung tun – ob Kunstwerke aus dem WestLB-Bestand so wertvoll für die deutsche Kulturlandschaft sind, dass sie auf die Liste schützenswerter Kulturgüter kommen. Dann ist ein Verkauf ins Ausland nicht mehr ohne Sondergenehmigung möglich. Wohl aber ein Verkauf innerhalb Deutschlands. Wenn dabei nicht derselbe Preis erzielt wird, wie bei einer Versteigerung in New York oder London, haben das aber nicht mehr die Portigon-Manager zu verantworten. Und die EU-Kommission hätte wohl auch nichts dagegen.

Ob und wie dieser Weg gegangen werden kann, wird der Runde Tisch besprechen, der am 5. Februar erstmals zusammenkommt. Und danach ist noch sehr viel Zeit, zu prüfen, zu diskutieren und zu entscheiden. Denn ein unmittelbarer Kunstverkauf ist wohl nicht zu befürchten. Portigon selbst geht von zwei bis drei Jahren aus, bis es soweit sein könnte. Es könnte auch viel später werden. Im EU-Beschluss zur WestLB-Abwicklung steht als spätestes Enddatum das Jahr 2028. Und viele Kunstwerke werden ja immer wertvoller, je älter sie werden…

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Drei Jahre als Korrespondent in Düsseldorf und jetzt schon meine zweite Landtagswahl. So hatte ich mir das nicht gedacht, als ich 2009 von WDR 2 in Köln in die Landeshauptstadt gewechselt bin. Aber spannend ist es schon. Wahlkampf, Koalitionsverhandlungen, dann das Experiment Minderheitsregierung, jetzt also wieder Wahlkampf. Und wir als Journalisten immer mittendrin. Das ist das Schöne an der Landespolitik, man bekommt vieles hautnah mit. Meine Schwerpunktthemen sind Haushalt und Finanzen, die Hochschulpolitik, und bei den Parteien FDP und Linke. Und wenn es mal keine Politik ist, hält mich die Familie auf Trab. Drei Kinder machen mindestens so viel Trubel wie fünf Parteien.

5 Comments

  1. Guten Tag,
    so eine ganz einfahe Bank war die WestLB gar nicht.
    Da waren doch alle so stolz drauf, eine Bank im Eigentum des Landes eigentlich.
    Und wer hat die Kunst bezahlt? Genau, der blöde Bürger!
    Und wer geht jetzt leer aus, nach einem Verkauf? Genau, der blöde Bürger.
    Kam ich aber nur drauf, weil hier von Pegaka geschreibselt wurde.

  2. Bertram in Mainz on

    Solche Kunstwerke sind kein wertvolles Erbe der Menschheitsgeschichte. Ein solches wäre der älteste von Menschen angefertigte Gegenstand, die älteste Höhlenmalerei, der Mechanismus von Antikythera, die Originalapparatur von Heinrich Hertz oder etwas ähnlich Grundlegendes.
    Solche normalen Kunstwerke sollen einfach nur Freude machen. (Falls sie das überhaupt tun.) Wenn sie gefallen, kann man sie problemlos durch Kopien ersetzen, die zudem keinen Aufwand gegen Beschädigung erfordern. Wenn Sammler einen guten Preis für die Originale bezahlen, raus damit. Sie werden ja nicht zerstört, sondern bestimmt pfleglich behandelt.
    Wir ertrinken in Schulden! Was verkauft man da als Erstes? Teure Dinge, die man nicht wirklich braucht. Hau wech, das Zeuch!

  3. Reinhard Lerche on

    Es ist doch etwas irritierend, wenn eine Bank vom Deutschen Steuerzahler vor der sofortigen Insolvenz errettet wird und es dann heißt: Es ist vollkommen egal wieviel das Land in die Bank gesteckt hat, alles muss raus.
    Wenn also den Banken Geld für das Überleben gegeben wird, braucht das also nicht zurück gezahlt werden? Wenn also, wie bei der Commerzbank, der “Laden” 200 Millionen Wert hat und mil Milliarden Steuern gestützt wird, hat der Geldgeber nichts zu sagen. Wenn also, wie bei der HRE der “Laden” Milliarden an Minus “Wert” hat, hat der Geldgeber nichts zu sagen. Wenn dementsprechend die WestLB ebenfalls faktisch Pleite war, hat der Geldgeber gar nichts an dem Unternehmen erworben, obwohl er faktisch der Eigentümer war?
    Das ist wie der Versuch aus der Pleite der HRE und der Schuldenübernahme durch den Bund jetzt Millionen oder Milliarden an “entgangenen Gewinnen” einzuklagen. Weder Formal noch Sturzbesoffen ist das möglich, aber irgend Jemand wird da etwas dran richtig finden!

  4. Von Schlesiern habe ich bestätigt bekommen: Erst muss einem das Wasser bis zum Halse stehen, dann verkauft man Grund und Boden. Unser Prinzip war stets Ideen und Innovationen suchen und finden eh es einem dürstet. Ich war verblüfft, dass Chinesen diese Weisheit lehrten. Man muss nach dem Wasser graben eh es einem dürstet. Tja, wer stagniert liest viel. Scheitern ist kein Hindernis sich weiter zu bilden. Bildung ist wichtig, damit Manieren nicht abdrifften. Das Problem, was wir haben: wer Ideen entwickelt, der läuft gnadenlos gegen Wände an. Wirklich schade um die Kunst. Schade, dass wir als Land der Ideen so wählerisch sind, wer kreativ sein darf. Ich erinnere mich sooo gerne an diesem einen Satz den Politiker vor Jahren ausgerufen haben: Wir brauchen ideen, wir brauchen Innovationen, wir brauchen Gründergeist! Ja wo san’s die Ideen? Wo bleibt der Gründergeist? Wie fragte Gerhard Poll: Wo san’s die Gedanken? Humor ist wenn man trotzdem lacht, so hält man vieles aus. Blockaden.

  5. Da findet wieder eine Debatte ohne den statt der das alles bezahlen muss.
    Wenn sich ein Banker, ein Minister oder ein Reporter Kunst kaufen will dann soll der/die das tun… vom eigenen Geld!
    Vielen geht es doch überhaupt nicht um die Kunst, es geht doch nur noch darum politischen Gewinn daraus zu erhaschen.
    Ist das Kunst oder kann das weg?
    Verkaufen und dem Steuerzahler weitere Kosten ersparen!

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