Der eiserne Hans macht Schluss

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Der eiserne Hans macht Schluss

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Der letzte Tag. Kommen Sie ruhig vorbei, genug Rotwein ist noch da – die Reste von der Abschiedsfeier. Nein, wir haben uns nicht gemeinsam betrunken an diesen Morgen. Es gab Kaffee. Das Büro voller Container mit Altlasten aus 26 Jahren. Und Abschiedsgeschenke: ein großes Plakat mit einem Konterfei von Dr.Z und vielen Unterschriften. Hans Zinnkann war 26 Jahre lang Pressesprecher des Landtags.

Bei den Journalisten hieß Dr. Hans Zinnkann nur „der eiserne Hans“. Warum eigentlich? Der eiserne Hans sagt, er habe keine Ahnung, das hätten die Journalisten erfunden. Wir? Wirklich? Ein Kollege sagt, dass könne den beinharten Kicker beim FC-Landtag charakterisieren. Möglicherweise steht der Spitzname auch für die eiserne Disziplin, mit der Zinnkann von morgens bis abends für Presseleute und ihre Fragen erreichbar war. Krankheiten gab es nicht.

Was ist ein Hammelsprung?

Dafür aber präzise und kenntnisreiche Antworten. Und Gelassenheit, egal wie schief der Fragesteller gewickelt war. Wie funktioniert ein Hammelsprung? Hans Zinnkann formulierte die Antworten oft schneller, als man sie verstanden hatte. („Bei unklaren Mehrheiten müssen die Abgeordneten zur Abstimmung durch „Ja-Nein-Enthaltungs-Türen“ gehen.“)

Ein Chronistengedächtnis: Regierungswechsel, Wahldaten, Koalitionen, Minister, Rechtsfragen: Aus dem Stehgreif half Zinnkann der Journalistenerinnerung auf die Sprünge. Und verstand sich gut mit den Presseleuten auf der ironischen, augenzwinkernden Ebene.

Hochdramatische Tage im Parlament

Die meisten Hammelsprünge hat Zinnkann zu Zeiten der Minderheitsregierung erlebt: Die erste rot-grüne Landesregierung unter Hannelore Kraft, 2010 – 2012, gegen CDU, FDP und Linke. Für Zinnkann die spannendste Zeit, weil mit wechselnden Mehrheiten regiert wurde. Das Parlament hatte in dieser Zeit mehr Gewicht, sagt er. Hochdramatisch die Parlamentstage, als der Landtag aufgelöst wurde, weil die FDP dem Haushalt nicht zustimmte.

Der Pressesprecher trinkt nicht nur gern Rotwein – er ist auch ein Roter, kommt aus einer alten SPD-Familie. Der Großvater war erster hessischer Innenminister 1946, der Vater Abgeordneter in Wiesbaden. Folgerichtig begann Zinnkann-Junior als Redenschreiber in der Wiesbadener Staatskanzlei und SPD-Sprecher. Später wechselte er zum Düsseldorfer Landtag, als Johannes Rau Ministerpräsident war.

Dem roten Hans vertrauten auch die Schwarzen

Aber dem roten Zinnkann vertrauten auch die Schwarzen. 2005 kam Jürgen Rüttgers als CDU-Ministerpräsident, die Landtagspräsidentin wurde von der CDU-gestellt, der eiserne Hans blieb in der Pressestelle – was für ihn spricht.

Der letzte Tag, wie fühlt er sich an? Er habe keine besonderen Empfindungen, sagt der eiserne Hans. Typisch. Bei der morgendlichen Joggingrunde sei ihm nur aufgegangen, dass das wohl das letzte Mal um 6 Uhr vor einem Arbeitstag sei. In Zukunft geht’s erst zwischen sieben und acht los: Dann wird gejoggt, wenn Hund Raki ihn weckt.

Über den Autor

Mittlerweile darf ich mit Armin Laschet den sechsten Ministerpräsidenten erleben. Das ermöglicht Überblick und Vergleiche. Seit Johannes Rau konnte ich alle Regierungschefs- und Chefinnen aus der Nähe beobachten: Wolfgang Clement, Peer Steinbrück, Jürgen Rüttgers und Hannelore Kraft. Ein Kommen und Gehen. Als Korrespondent für Landespolitik nah dran zu sein ist spannend. In der Landeshauptstadt läuft Politik auf Tuchfühlung. Und es gibt Blicke in die Kulisse, auch dahin, wo die vermeintlich Mächtigen schwächeln oder doch nur mit Wasser kochen. Aufstieg und Fall liegen manchmal dicht beieinander. Zuständig bin ich für die Schul- und Familienpolitik, für Arbeit, Gesundheit und Soziales und die Grünen als Partei.

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