Der Journalist als Einflüsterer

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Der Journalist als Einflüsterer

Kommentare zum Artikel: 5

Gestern im Innenausschuss: Innenminister Ralf Jäger hat seine Verteidigungslinie in Sachen Kölner Silvesternacht sorgfältig vorbereitet. Der bereits zweite detaillierte Bericht seines Hauses ist schon früh an die Medien gegangen. Viele Fragen sind darin beantwortet. Es sieht so aus, als ob Jäger allmählich den Skandal in den Griff bekommt. Dann plötzlich redet sein Abteilungsleiter Polizei, und die ganze schöne Strategie wird hinfällig. Offenbar gibt es doch einen hohen Beamten im Innenministerium, der bereits am 1. Januar geahnt hat, dass die Vorgänge in Köln “bemerkenswert” sind.

Per Twitter zum Handeln auffordern

Bei den Journalisten im Innenausschuss fängt das Getuschel an. Die zuerst nur mäßig interessante Sitzung hat mit einem Mal Nachrichtenwert. Und die Abgeordneten? Die scheinen nicht zu reagieren. Vorbereitete Wortbeiträge werden vorgetragen, aber niemand fragt nach, was der Abteilungsleiter mit seiner überraschenden Aussage eigentlich sagen will.

Was dann passiert, ist interessant. Einige Kollegen zücken ihr Smartphone und tippen bei Twitter kurze persönliche Statements ein. Einige beschweren sich regelrecht, dass die Opposition nicht fähig ist, die Situation auszunutzen. Wohl wissend, dass viele der Abgeordneten ihnen bei Twitter folgen. Prompt twittert einer zurück: “Nachfrage kommt doch gleich.” Und so ist es dann auch.

Lobbyist der eigenen Agenda

Der ganze Vorgang ist nicht einzigartig. Twitter wird seit Jahren intensiv von Journalisten und Abgeordneten genutzt. Und selbstverständlich lassen sich die Volksvertreter von der unmittelbar veröffentlichten Meinung beeinflussen. Vor Twitter gab es andere Methoden, SMS zum Beispiel oder auch einfach nur ein sehr laut geflüsterter Kommentar. Aber dieser direkte Austausch, die Aufforderung, doch endlich die richtigen Fragen zu stellen, das hat eine andere Qualität.

Der Journalist wird – für jeden öffentlich sichtbar – zum handelnden Akteur, zum Einflüsterer, der Debatten in bestimmte Richtungen lenken kann. Er wird gewissermaßen zum Lobbyisten seiner eigenen Agenda. Bei aller Begeisterung für neue Medien – das ist problematisch.

About Author

Online-Reporter sind im Düsseldorfer Politik-Betrieb immer noch eine Seltenheit. Das hat sich seit 2011, als ich in Düsseldorf angefangen habe, nicht verändert. Ich schreibe, blogge und twittere über alles, was mit Landespolitik zu tun hat. Egal, ob Jagdgesetz, Haushaltsdebatte oder Funkloch-Affäre. Nachzulesen - unter anderem - bei WDR.de.

5 Comments

  1. Sie werfen Nebelkerzen!
    Brisant ist doch vor allem, daß es sich um einen offenbar organisierten FlashMob gehandelt hat, was bei einer Größe von angeblich 1000 Männern und der Schwere der Taten, sowie des Umstandes, daß Köln in einem traditionell SPD geführten Bundesland liegt, Ähnlichkeiten mit der SA aufweist! Das wird öffentlich aber geflissentlich ignoriert.

  2. Vorsicht! Sie denken zuviel über die Niederungen Ihrer Arbeit als Journalist nach, das ist einer lupenreinen Karriere in ÖRR gar nicht förderlich. Denken Sie an Claudia Zimmermann, die gute wird bald Hartz 4 beantragen, nur weil sie zuviel nachdachte!
    Also, Kopf abschalten und im Gleichschritt marschieren, klar?

  3. Viel kritischer ist es Dinge jahrelang nicht beim Namen zu nennen, kritischen Journalismus nur solange zu fördern, wie es den politischen Gremien genehm ist. Zu kritisch zu sein, könnte ja Karrierenachteile zur Folge haben. Gerade wer nach den Silvesterübergriffen nicht berichtet hat, obwohl Tausende in Köln davon wussten und darunter sicher auch der ein oder andere Mitarbeiter des WDR war, der am Dom vorbei kam.

    Gerade eben geistert ein Schreiben an die freien Mitarbeiter durchs Netz, in dem sie allen Ernstes unterschreiben sollen, dass es keine Beeinflussung gäbe. Nur noch peinlich!

  4. rieder jsoef on

    an den selbigen Journalisten -man hat das Gefühl – diese Berufsruppe ist total überflüssig – die bande lebt nur von öffentlichen geldern – ein richtiges Arbeiten gi bts bei denen nicht – Schule – – und nochmals Schule – ein Hoch auf den Steinbruch – do gibts Muskeln –

    MFG – Rieder Sepp aus Dorfen

  5. Marek Kowalski on

    Passt auf euch alle!

    “Ein marxistisches System erkennt man daran, dass es die Kriminellen verschont und den politischen Gegner kriminalisiert”

    (Alexander Issajewitsch Solschenizyn, Nobelpreisträger Literatur)

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