Die Kunst des Osterferien-Interviews

https://blog.wdr.de/landtagsblog/die-kunst-des-osterferien-interviews/

Die Kunst des Osterferien-Interviews

Kommentare zum Artikel: 0

Ostern ist vorbei. Eier, Schokohäschen und anderer Hasen-Kram sind für dieses Jahr Geschichte. Aber es gibt noch ein paar Oster-Überbleibsel. Dazu gehören zum Beispiel Politiker-Interviews zu Ostern oder in den Osterferien. Wir Journalisten müssen schließlich auch in parlamentarischen Urlaubszeiten (der Landtag hat noch bis zum 4. April Pause) Sendezeit und (Zeitungs-/Internet-)Seiten füllen.

Spöttische Journalisten sagen: Politiker-Interviews rund um Ostern sind eher Osterhasen-Interviews. Das komme daher, dass man in diesen Interviews Aussagen mit echtem Nachrichtenwert ganz genau suchen muss. Hier ein paar aktuelle Beispiele.

Interview 1: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sagte einer Nachrichtenagentur Sätze wie: „Mit Sigmar Gabriel arbeiten wir sehr geschlossen in der Spitze“ oder „Rot-Grün arbeitet in NRW gut zusammen“. Puh. Trotz mehrmaliger Lektüre des Interviews fand sich leider kein verspätetes „News-Osterei“ – außer man sieht es als Nachricht an, dass die übrige SPD-Spitze weiterhin mit Parteichef Gabriel zusammenarbeiten will. Immerhin, das Interview hat es auf die Internetseite des SPD-Parteivorstands geschafft.

Interview 2: FDP-Chef Christian Lindner stand einer Zeitung Rede und Antwort. Man liest Sätze wie: „Wir bemühen uns darum, dass die FDP kein einseitiges Profil hat, sondern im Liberalismus sowohl sein gesellschafts-, als auch sein wirtschaftspolitischer Anspruch sichtbar ist.“ Aha. Zur Verstärkung hat Lindner im Interview Ex-NRW-Innenminister Burkhard Hirsch an der Seite. Der Alt-Liberale lässt sich zitieren mit Sätzen wie: „Man merkt doch an den jüngsten Wahlergebnissen, welch‘ große Rolle es spielt, dass jemand gut rüberkommt. Dass die Leute merken, dass er meint, was er sagt. Und da ist Herr Lindner ein hervorragendes Beispiel.“ Wieder kein Osterei, aber immerhin die Gewissheit, dass die FDP nachösterliche Harmonie pflegt.

Ach ja, ein Interview fehlt noch: Viel wird ja in diesen Zeiten über die AfD geschrieben. Viel wurde auch gelästert über die bunte, vorösterliche Story über das Paar Frauke Petry/Marcus Pretzell in einem Klatschmagazin. Eins muss man AfD-Landeschef Pretzell aber lassen. Er hat in dem „Bunte“-Interview einen Satz über Petry gesagt, den man auch nach Ostern nicht so leicht vergisst: „Sie hat so etwas dämonenhaft Schönes.“

Über den Autor

Jahrgang 1974. Geboren im westlichen Münsterland. Ich berichte seit 2002 über Politik und News aus Nordrhein-Westfalen. Bis 2007 für die taz, danach knapp fünf Jahre als Korrespondent der Nachrichtenagentur ddp/dapd. Seit 2012 arbeite ich für den WDR.

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage: *

Top