Die Ministerin und der Fehlerteufel

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Die Ministerin und der Fehlerteufel

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Familienministerin Christina Kampmann (SPD) ist noch keine 100 Tage im Amt. Sie genießt noch “Welpenschutz”, soll Hannelore Kraft gesagt haben. Aber da bei der jungen Ministerin bislang immer alles sehr schnell gegangen ist (und sie sich selbst kopfüber ins mediale Geschäft gestürzt hat), halten wir uns nicht an die Schonfrist. Keine Bange, ein großer Skandal kommt jetzt nicht. Aber immerhin eine kleine Posse.

Voll schön das du da bist!

Es geht um den Fehlerteufel. Der scheint sich bei Frau Kampmann offenbar bevorzugt einzuschleichen. Bei Twitter zum Beispiel. Da postete sie Ende Oktober ein Selfie mit einem Flüchtlingsjungen und schrieb dazu: “Herzlich Willkommen Mohammed aus Syrien! Voll schön das du da bist!”

Naja, vermutlich war das schnell hingetippt, und wer kann von sich behaupten, noch nie einen Schreibfehler gemacht zu haben? Gelästert wurde trotzdem ordentlich im Landtag. Angeblich schließen seither einige Landtagsmitarbeiter ihre Mails bevorzugt mit dem lässigen “Voll schön”.

Mitglieder und Mitgliedinnen

Es geht aber noch weiter. Diese Woche verschickte Kampmann eine Einladung zum Abendessen “an die Mitglieder/innen” der Ausschüsse. Mitgliederinnen? Ganz recht, das Wort gibt es gar nicht. Das fiel natürlich auf. Der CDU-Abgeordnete Holger Müller schrieb eine süffisant-belehrende Mail zurück: “Nach meiner Kenntnis der deutschen Sprache ist das Wort Mitglied sächlich.” Wenn man überhaupt eine weibliche Form ableiten wolle, müsste es “die Mitgliedin” heißen, in der Mehrzahl also “Mitgliedinnen”.

Christina Kampmann hat es dann auch schnell eingesehen und korrigiert. “Der Fehlerteufel hat sich eingeschlichen”, schrieb sie an die “Mitglieder der Ausschüsse”.

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Online-Reporter sind im Düsseldorfer Politik-Betrieb immer noch eine Seltenheit. Das hat sich seit 2011, als ich in Düsseldorf angefangen habe, nicht verändert. Ich schreibe, blogge und twittere über alles, was mit Landespolitik zu tun hat. Egal, ob Jagdgesetz, Haushaltsdebatte oder Funkloch-Affäre. Nachzulesen - unter anderem - bei WDR.de.

7 Comments

  1. Alexander Schwalb on

    Was mich bei dem ersten Beitrag von Frau Kampmann viel mehr erschreckt, ist der mangelnde Umgang mit einem Komma, der inzwischen in den Schulen als gegeben hingenommen wird und die offensichtliche Unkenntnis, wann “das” bzw. “dass” verwendet wird.

  2. Gerhard Reckart on

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    gibt es in Deutschland keine anderen Probleme, als sich über die nicht
    korrekte Formulierung oder Zeichensetzung aufzuregen ?

    Gruss G.Reckart

  3. Heinzb aus nrw on

    Was ist denn schon zu erwarten in Regierungseben Deutschland, aber vielleicht kann sie es nicht einfach besser. Dadurch ist sie aber auch nur dadurch tragbar. Schlaue Menschen in Berlin sind nicht erwünscht, wie Steuererklärung auf dem Bierdeckel usw. werden nicht erwünscht. Ein Zeichen für mehr als notwendigen Regierungswechsel.

  4. Bei Twitterbotschaften spielt Interpunktion und Grammatik nun wirklich keine Rolle. Die Ausdrucksweise “voll schön” finde in in dem Umfeld auch angemessen. Klingt authentisch.
    Mitglieder innen sind natürlich Quatsch, aber wer ist schon fehlerlos.:-)

    • Winfried Schramm on

      Voll witzig ?!
      Ja, die deutsche Sprache stellt inzwischen selbst für unsere politische Elite eine nicht leicht zu meisternde Hürde dar. Davon einmal abgesehen: “Voll …” ist m.E. nur eine unangemessene und – in diesem Falle – anbiedernde Form der Kommunikation. Sitzen, Frau Kampmann! Sechs?!

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