Die Schweiz und unsere Steuersünder

https://blog.wdr.de/landtagsblog/die_schweiz_und_unsere_steuers/

Die Schweiz und unsere Steuersünder

Kommentare zum Artikel: 0

Schon gehört? Borussia Dortmund ist deutscher Fußballmeister. Okay, das ist schon drei Jahre her, aber ist doch trotzdem noch mal 'ne Nachricht wert.
Absurd? Stimmt. Genau so hat es aber auch die Schweiz gemacht. Seit mehr als drei Jahren stellt unser Nachbarland schon die Namen von möglichen Steuersündern ins Internet. Dann nämlich, wenn Steuerbehörden eines anderen Staates ein sogenanntes Amtshilfeersuchen an die Schweiz richten. Nach dortigem Recht müssen die Verdächtigen darüber informiert werden, und wenn das auf dem regulären Postweg nicht möglich ist, läuft es über das Internet.

Wie gesagt, seit mehr als drei Jahren. Nun berichtete aber am Wochenende eine Schweizer Zeitung, “neuerdings” gebe es dieses Verfahren. Damit zitiert sie einen hochrangigen Mitarbeiter der Schweizer Steuerverwaltung. Man kann sich über die Bedeutung des kleinen Wörtchens “neuerdings” sicher streiten, ein Zeitraum von drei Jahren und mehr, finde ich, wird von “neuerdings” aber nicht mehr gedeckt. Auch wenn die Dinge in der Schweiz gerne mal etwas länger dauern.

Warum aber kommt eine solche Information gerade jetzt auf den Markt? Das ist das eigentlich Interessante an der Geschichte. Schlechterdings hat die Schweiz ein großes Interesse daran, wegzukommen vom Image des allzeit bereiten Steuerhinterzieher-Helferstaats. Und da kann man eine langjährig geübte, im Ausland aber nicht so bekannte Praxis doch gut mal als Neuigkeit verkaufen. Seht her, wir scheuen uns nicht, Ross und Reiter zu nennen.

Angenehmer Nebeneffekt: Die Meldung dürfte den einen oder anderen Steuerhinterzieher aufschrecken. Meine Prognose: In den nächsten Monaten gibt es wieder mal viele Selbstanzeigen…

About Author

Drei Jahre als Korrespondent in Düsseldorf und jetzt schon meine zweite Landtagswahl. So hatte ich mir das nicht gedacht, als ich 2009 von WDR 2 in Köln in die Landeshauptstadt gewechselt bin. Aber spannend ist es schon. Wahlkampf, Koalitionsverhandlungen, dann das Experiment Minderheitsregierung, jetzt also wieder Wahlkampf. Und wir als Journalisten immer mittendrin. Das ist das Schöne an der Landespolitik, man bekommt vieles hautnah mit. Meine Schwerpunktthemen sind Haushalt und Finanzen, die Hochschulpolitik, und bei den Parteien FDP und Linke. Und wenn es mal keine Politik ist, hält mich die Familie auf Trab. Drei Kinder machen mindestens so viel Trubel wie fünf Parteien.

Leave A Reply

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Rechenaufgabe: 6 ⁄ 2 =


Top