Doppelmoral bei den Grünen?

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Doppelmoral bei den Grünen?

Kommentare zum Artikel: 23

Erwischt! Das dachte sich CDU-Mitglied Thomas Eusterfeldhaus, als er von seinem Bürofenster in Düsseldorf aus fotografierte, wie die Schulministerin und grüne Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann einen vermeintlichen Wählerbetrug begeht. Zu sehen ist, wie Löhrmann von ihrer Ministerkarosse, einem dicken Audi A8, in ihr Wahlkampfauto umsteigt – den deutlich bescheideneren Toyota Prius mit Hybridantrieb.

“Doppelmoral”, twittert Eusterfeldhaus – und schon haben die Grünen eine unangenehme Diskussion am Bein. Der Beitrag wird in den sozialen Medien fleißig geteilt und diskutiert. Löhrmann als Wählertäuscherin?

Konsequent, das Ministerauto stehen zu lassen

So pauschal ist der Vorwurf falsch: Denn in ihrer Minister-Funktion darf Löhrmann keinen Wahlkampf machen. Da ist es nur konsequent, vor einem Wahlkampf-Termin das Dienstauto stehen zu lassen und in ein anderes Auto umzusteigen.

Warum fährt Löhrmann keinen klimafreundlichen Dienstwagen?

Allerdings: Warum hat Löhrmann nicht auch einen klimafreundlichen Dienstwagen? Im vergangenen Jahr fuhr sie noch einen Hybriden von Mercedes. Im Juni 2016 ist sie auf den Benziner von Audi umgestiegen. Warum eigentlich?

Nach Angaben der Grünen habe der Hybrid auf langen Strecken mehr Benzin verbraucht als ein normaler Benziner. Und weil Löhrmann häufig lange Strecken fahre, sei die Ökobilanz des Hybriden schlechter gewesen. “Die deutsche Autoindustrie ist leider noch nicht so weit”, twittert Löhrmann.

Was ich mich dann allerdings frage: Wieso im Wahlkampf doch wieder auf einen Hybriden setzen? Auch da dürfte Löhrmann viele lange Strecken fahren. Konsequent wäre ein normaler Benziner – ganz im Sinne der Ökobilanz. Kommt wohl nicht so gut an im Wahlkampf.

Update I: Die Grünen habe meine Frage beantwortet: Für den Wahlkampf habe man sich für einen Mittelklassewagen mit deutlich niedrigerem Benzinverbrauch entschieden. Alleine um den Verbrauch geht es aber offenbar auch nicht. Denn: Der Hybride diene auch als Werbeträger.

Update II: Mittlerweile machen sich viele Grüne einen Spaß aus der “Affäre”. Unter dem Hashtag #loehrmannsteigtum finden sich etliche Fotomontagen wie diese hier:

About Author

Online-Reporter sind im Düsseldorfer Politik-Betrieb immer noch eine Seltenheit. Das hat sich seit 2011, als ich in Düsseldorf angefangen habe, nicht verändert. Ich schreibe, blogge und twittere über alles, was mit Landespolitik zu tun hat. Egal, ob Jagdgesetz, Haushaltsdebatte oder Funkloch-Affäre. Nachzulesen - unter anderem - bei WDR.de.

23 Comments

  1. “Wieso im Wahlkampf doch wieder auf einen Hybriden setzen? Auch da dürfte Löhrmann viele lange Strecken fahren. Konsequent wäre ein normaler Benziner – ganz im Sinne der Ökobilanz.”

    Zu diesem Absatz: Hat der Autor des Artikels den Benzinverbrauch der einzelnen PKW aus dem Artikel recherchiert? Wie kommt er ansonsten zu der oben zitierten Aussage, die impliziert, dass Hybriden generell mehr verbrauchen als ein Benziner?

    Die vorher zitierte Aussage der Grünen bezog sich offenbar auf den Mercedes-Hybriden. Ich kenne die einzelnen Verbrauchswerte auch nicht, aber es wäre doch durchaus möglich, dass der Toyota Prius Hybrid weniger verbraucht als der Mercedes Hybrid oder ein vergleichbarer Benziner in der Größe und PS-Stärke des Toyota Prius.

    • Max Mustermann on

      Hybridautos verbrauchen im reinen Verbrennungsbetrieb immer mehr Benzin als ein Vergleichbarer konventioneller Benziner weil diese ein anderes Getriebe haben

  2. Das ist Wahlkampf!
    Hat die NRW-CDU nichts besseres als so ein ausgeleiertes Thema?
    Herr Gabriel, damals Bundesumweltminister hat mal gesagt; man könne Deutschland nicht mit dem Fahrrad regieren, auf die Frage eines Journalisten warum er Kurzstrecken nicht mit dem Linienflug stattdessen mit einem BW-Jet fliegt. Warum sollten die Grünen anders handeln als der Rest unserer Etablierten? Jede große Partei ob in Deutschland oder in Brüssel macht das so wie sie will, nur der kleine doofe Bürger hat sich an Gesetze und Moral zu halten.

  3. Was hat der Author an „Die deutsche Autoindustrie ist leider noch nicht so weit“ nicht verstanden, oder ist Toyota jetzt ein deutscher Autobauer?

  4. rolf drewes on

    Spannend finde ich, dass das CDU-Mitglied Thomas Eusterfeldhaus das schwarze Auto im Bild als “dicken…” umschreibt. Ich freue mich schon auf den Regierungswechsel und die Umstellung der Fahrzeugfollte auf kleine wendige Mittelklassemodelle mit E-Antrieb durch massives Mitwirken der CDU. Bitte liebe Leser, nicht totlachen jetzt.

    • Rainer Kellers on

      Liebe Nutzer, bitte achten Sie die Blogregeln. Beleidigungen werden gelöscht – wie in diesem Fall auch.

  5. rolf drewes on

    Hallo Paula! Bitte nennen Sie mir doch bitte mal ein im Netz einsehbares Foto von Ihnen. Ich würde das dann auch gerne mal kommentieren.

  6. Nun, Herr Drewes: Wenn der Kommentar von “Paula” ein NO GO ist, warum kommentieren Sie diesen dann auch noch? 😉 (Und auch noch in so einem “Ton”)

  7. Auch, wenn ich mich nicht über einen Regierungswechsel freuen würde… Darauf, dass Herr Eusterfeldhaus ganz bestimmt Hybrid-technisch als gutes Beispiel vorangehen wird, freue ich mich auch.

  8. Karl Nickel on

    Wer glaubt denn was die Politiker uns erzählen, alles was sie uns verbieten wollen oder uns empfehlen wollen, gilt für sie selber aber nicht. Drum geht mir ihr Gerede völlig am Hintern vorbei. Die sind leider aauch nicht ehrlich und wollen uns doch nur beeindrucken.

  9. @M.Muster – geht anders 😉 -> “halt du sie dumm, ich halt sie arm”….Sprach der König zum Priester.

  10. Franjo Schiller on

    da unser Online Redakteur ja bestätigt, daß der Vorwurf “Doppelmoral” nicht stimmt, hätte ich an Stelle von Herr Kellers diese Meldung des Herrn Eusterfeldhaus gar nicht erst als topic in diesen blog reingenommen.

    • Rainer Kellers on

      Lieber Franjo Schiller, ich bin anderer Meinung. Journalisten müssen auch berichten und klarstellen, wenn Vorwürfe Raum stehen, die falsch sind.

      • Franjo Schiller on

        lieber Herr Kellers, die Überschrift machts: Doppelmoral bei den Grünen? Ich schätze, das 90 % der wdr online Leser einfach aus Zeitgründen nur die Titel oder headings von Artikeln überfliegen. Da wird das FRAGEZEICHEN am Ende Ihrer Überschrift übersehen. Ich hätte an Ihrer Stelle geschrieben….ach was….Sie sind der Profi…ändern Sie es einfach. Dann informiere ich mich gerne wieder in Ihrem Landtagsblog, den ich mir übrigens täglich wünsche, bitte.

  11. Karl Sasserath on

    Also, wo sind wir denn angelangt. Da bespitzelt ein CDU Mann eine grüne Ministerin beim korrekten Umstieg vom Dienstfahrzeug in das Wahlkampffahrzeug der Grünen. Dann macht er daraus via Twitter ein Fehlverhalten einer grünen Spitzenkandidatin im Landtagswahlkampf. Und ein öffentlich rechtlicher Sender steigt auch noch darauf ein und macht daraus ein Homestory über political correctness. Es wäre doch mal ein gutes Gelegenheit gewesen, sich dem fragwürdigen Traditionsbestand in der Geschichte der CDU zu widmen. Nämlich wie es die CDU mit der Bespitzelung politischer Gegner*innen von Adenauer bis heute hält. Das hielte ich für eine angemessene politische Antwort auf diesen Vorgang.

    • Rainer Kellers on

      Lieber Karl Sasserath, wir schreiben deutlich, dass die Vorwürfe des CDU-Mannes falsch sind.

  12. “Im vergangenen Jahr fuhr sie noch einen Hybriden von Mercedes”

    Wenn man dem Link dann einmal folgt und sich durch die Galerie klickt erfährt man, dass Frau Kellers einen “Mercedes-Benz S500 Plug-In Hybrid” fuhr.

    Ein kurzer Blick auf die Mercedes Benz homepage verrät, dass es sich hierbei um die Langversion der S-Klasse mit einer Systemleistung von 440 PS und einem Leergewicht von 2,2 t handelt.

    Angesichts von solchen Eckdaten eines Fahrzeugs finde ich den Vergleich der “Umweltfreundlichkeit” mit anderen Fahrzeugen aus dem selben Segment, die ähnliche Leistungs- und Gewichtsdaten haben dürften, lächerlich.

    Ob ein Bernhardiner durch teil-vegane Zufütterung kleinere Haufen scheißt, als der Mastiff von nebenan ist relativ egal. Man tritt auf dem Bürgersteig immer noch leichter rein, als in die Chihuahua-Hinterlassenschaften.

    Achso, übrigens ist Toyota kein deutscher Autohersteller, Herr Kellers. Wenn also die Aussage kommt, dass die deutsche Autoindustrie “noch nicht so weit ist” bedeutet das nicht, dass Toyota auch noch nicht so weit ist.

  13. Manche haben halt mehrere “Dienstwagen”.
    Viele Bürger können sich noch nicht mal einen “dicken” Pkw leisten.
    Vielleicht wachen einige mal auf und revanchieren sich bei der nächsten Wahl.
    Armes Deutschland.

    • Nur mal so, diese Fahrzeuge werden vom Land geleast und sind nicht Eigentum “der Politiker”, sondern werden den Ministern für dienstliche Zwecke zur Verfügung gestellt. Nach Ausscheiden aus dem Amt, darf der jeweilige Minister a.D. die Limousine nicht mit nach Hause nehmen.
      Die Politiker, die Sie aus Protest wählen wollen, werden übrigens mit den gleichen Fahrzeugen unterwegs sein, sollten sie es als Minister in eine zukünftige Regierung schaffen.

  14. Viel interessanter: Wurde der Hybrid für den Wahlkampf extra gekauft, um danach verschrottet zu werden?

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