Lindners “Wutrede” und die Folgen

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Lindners “Wutrede” und die Folgen

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Vier Tage nach seinem Zwischenruf im Landtag spielt der SPD-Abgeordnete Volker Münchow den Vorfall runter. “Das ist eigentlich eine Lappalie”, sagt Münchow am Montag laut “Rheinische Post”. So einen Zwischenruf habe er bei FDP-Chef Christian Lindner “schon 25 Mal gemacht”. Nach Selbstkritik hört sich das nicht an. Andere Sozialdemokraten in NRW dürften nicht gerade amüsiert darüber sein, dass fast gar keiner mehr über die in einer Regierungserklärung vorgestellte neue Digital-Strategie von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft spricht. Dafür ist der spöttische Zwischenruf Münchows (“Da haben Sie ja Erfahrung!”) über den einstigen Misserfolg von FDP-Chef Christian Lindner als Unternehmer und dessen Replik im Landtag bundesweit Thema.

Mit ein paar Tagen Verzögerung wurde Lindners Rede, über die der Kollege Klaus Scheffer hier in diesem Blog bereits am Donnerstag berichtet hatte, zu einem viralen Hit. Zehntausende klickten das Video. Berliner Hauptstadt-Journalisten analysieren die Rede und spekulieren, dass der Vorfall der Krisenpartei FDP im Hamburger Bürgerschafts-Wahlkampf nützen könnte. Einige Twitter-User sprechen bereits von einem “Hype”.

Tatsächlich kam der Vorfall dem FDP-Bundeschef wohl alles andere als ungelegen. Lindner muss angesichts der dauernden Wahlpleiten bald einen Erfolg vorweisen. Bei der Hamburg-Wahl Mitte Februar kämpfen die Freidemokraten wieder einmal um das Überwinden der Fünf-Prozent-Hürde. Münchows Zwischenruf aus der letzten Reihe nahm der Fraktionschef im Düsseldorfer Landtag beinahe genüsslich auf (“Das hat Spaß gemacht”), um eine kleine Wahlkampfrede im Parlament zu halten. Lindner wetterte mit großer Freude – eine echte “Wutrede” war es also nicht – gegen “sozialdemokratische Umverteiler”, gegen “Sozialdemokraten, die das ganze Leben im Staat gearbeitet oder vom Staat gelebt” hätten. Dieses Klischee stimmt allerdings im Fall Münchow nicht. Laut seinem Lebenslauf war der SPD-Mann aus Velbert jahrelang in der freien Wirtschaft tätig. Er habe nie im öffentlichen Dienst gearbeitet, betont er gegenüber der “Rheinischen Post”.

Wahlentscheidend dürfte der Münchow-Lindner-Eklat am Ende in Hamburg wohl kaum sein. Dennoch vermutet ein anderer SPD-Abgeordneter am Montag hinter vorgehaltener Hand: “Kann schon sein, dass Kollege Münchow von Hannelore Kraft noch einen Einlauf bekommt.”

About Author

Jahrgang 1974. Geboren im westlichen Münsterland. Ich berichte seit 2002 über Politik und News aus Nordrhein-Westfalen. Bis 2007 für die taz, danach knapp fünf Jahre als Korrespondent der Nachrichtenagentur ddp/dapd. Seit 2012 arbeite ich für den WDR.

5 Comments

  1. Ich denke nicht, daß es hier einen ministerpräsidialen Einlauf geben wird. Frau Kraft hat weißgott besseres zu tun, als sich mit solchen “Lappalien” abzugeben. Zudem wird das Gezetere hier in NRW in Hamburg bestimmt keinerlei Ausschlag geben, dazu hat sich die FDP in den letzten Jahren allzu sehr selbst zerfleddert. Der bescheuerte Wahlslogan in Hamburg wird sein übriges tun. Da werden 5 % schon der Glücksfall sein. Parteichef Lindner muß dringendst mal an seiner Öffentlichkeitsarbeit arbeiten, vor allem aber endlich mal eigene und glaubhafte Ziele entwickeln.

  2. Den Einzug in die Hamburger Bürgerschaft gönne ich der FDP. Wenn Lindners “Wutrede” zum Erfolg beiträgt, umso besser. Lindner hat aus Zitronen Limonade gemacht.

  3. Bertram in Mainz on

    Letztlich kommt es auf die politischen Positionen an. Da hat die FDP die liberalen Wähler im Stich gelassen. Warum sollte der Liberale FDP wählen? Gerade bei der Hamburg-Wahl gibt es zwei Alternativen: Piraten und Neue Liberale. Schade, dass die beiden keine Listenverbindung eingehen. (Geht das überhaupt?) So kommen beide nicht über die 5-%-Hürde. Schade. Ich weiß nicht, ob ich mir für die FDP einen Einzug ins Parlament wünschen soll. Als Liberaler, der früher FDP gewählt hat, würde ich Piraten oder Neue Liberale wählen und dann traurig nach Hause gehen. Nicht wählen ist keine Option!

  4. Lindner: “Scheitern könne auch eine nützliche Erfahrung sein.” Hat er recht gehabt!!!! Es ging um den Gründergeist. Wenn man Ideen entwickelt und Marktlücken entdeckt hat, dann fangen die Probleme richtig an. Herr Lindner hätte sich nicht aufregen brauchen. Leute wie Münchows gehören zu den Leuten, die sich’s gemütlich vorm Kamin machen, Mozart genüsslich lauschen und anderen (die nicht wissen, wie sie die finanzielle Hürden schaffen ohne ihre Existenz aufs Spiel setzen) sagen: “Mach mal.” Also ganz ausgeschöpft sind Ideen nicht. Die Frage: Wie setze ich um sind massive Probleme geworden. Melitta Bentz, lebte sie heute, sie hätte es heute sehr schwer gehabt. Ideen im 21. Jahrhundert sind Malaisen! Salonfähig das Scheitern! Die Eu ist ein Europa für Konzerne. Sie können Ideen umsetzen. Der kreative Mensch kann davon träumen. Das ist die Realität.

  5. Weisheit und Klugheit * * Willst du, Freund, die erhabensten Höhn der Weisheit erfliegen, * Wag es auf die Gefahr, daß dich die Klugheit verlacht. * Die kurzsichtige sieht nur das Ufer, das dir zurückflieht, * Jenes nicht, wo dereinst
    landet dein mutiger Flug. * * Friedrich Schiller (45) * * http://www.friedrich-schiller-archiv.de/gedichte-schillers/vierzeiler/weisheit-und-klugheit/ * * Die gut Versorgten, gute Versorgung Vorgaukelnde, gut versorgt sein Glaubende,
    Hoffende und Wünschende, sind doch diejenigen, die wirklich und wahrhaftig gescheitert sind – im und am Leben. Weder kann man erkennen, dass die FDP noch die SPD oder die Politik insgesamt etwas sinnig und langfristig Gutes für die Menschen geschaffen hat oder schafft. Sie üben sich in Schaumschlägerei – potemkinsche Dörfer, reinste Trugbilder und Augenwischerei – ist ihr Handwerk. Aber ganz wichtig für sie: ‘Sagen, wo’s lang geht und ihre gute Versorgung’. – Olaf Walter (54), Tuttlingen

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