Entdeckungsreise im Abgeordnetenbüro

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Entdeckungsreise im Abgeordnetenbüro

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An diesem Nachmittag stand die Sonne tief vor dem Fenster. Ein kurzes Interview fürs Radio stand an. Im Gespräch mit einem Abgeordneten fiel mein Blick auf ein leicht angestaubtes Glas mit etwa 20 Salzstangen. Sie mussten ihre Farbe von rostbraun auf strohgelb schon vor langer Zeit gewechselt haben. Das einfallende Sonnenlicht hatte sie ausgebleicht. Die Sonne bringt es an den Tag, dachte ich und fragte meinen Gesprächspartner, ob wir mal eine probieren sollten. Er winkte ab. Verständlich: Die Salzstangen wirkten leicht mumifiziert.

Salzstangen im Glas, Rechte:Flamm

Das Büro wirkte vollkommen leer

Mein Gesprächspartner war nicht der Bewohner des Büros. Es wird, sagte er, auch gern als Besprechungszimmer genutzt, so wie jetzt. Der echte Bewohner sei fast nie da. Das Büro war bis auf die Möbel nahezu leer. Auf dem Schreibtisch keine Papiere, auch, wie oft üblich, keine Aktenberge im Regal. Das Büro wirkte, als warte es auf einen neuen Benutzer. Dass es nur als Besprechungszimmer dient, schien selbst dem Büroraum zu wenig, so kahl war er. Nur ein Foto an der Wand zeigte den Büroeigentümer. Es soll wohl sagen: Es gibt mich noch.

Ich fragte, was mit dem Abgeordneten passiert sei, der hier eigentlich arbeiten sollte. Vielleicht erkrankt? Der Gesprächspartner verneinte. Nein, der sei schon manchmal da. Aber er arbeite auch viel im Wahlkreis, er sei eben ein Meister des Zeitmanagements. Aha, aber ich hatte den Eindruck, dass mein Gesprächspartner dass auch nicht wirklich verstand.

Im Hintergrund brummte ein Kühlschrank. Ich dürfe ruhig reinschauen, sagt mein Gesprächspartner. Er war gut gefüllt, hauptsächlich Sekt, aber auch Bier. Und ein paar Lebensmittel. Der gehört der ganzen Abteilung, erklärte der Abgeordnete. Ja, dachte ich, so erfüllt der Raum wenigstens einen zweiten Zweck.

Schon interessant, was man in den Büros der Landtagsabgeordneten entdecken kann. Jetzt habe ich mir vorgenommen, häufiger Politiker in ihren Büros aufzusuchen.

Über den Autor

Mittlerweile darf ich mit Armin Laschet den sechsten Ministerpräsidenten erleben. Das ermöglicht Überblick und Vergleiche. Seit Johannes Rau konnte ich alle Regierungschefs- und Chefinnen aus der Nähe beobachten: Wolfgang Clement, Peer Steinbrück, Jürgen Rüttgers und Hannelore Kraft. Ein Kommen und Gehen. Als Korrespondent für Landespolitik nah dran zu sein ist spannend. In der Landeshauptstadt läuft Politik auf Tuchfühlung. Und es gibt Blicke in die Kulisse, auch dahin, wo die vermeintlich Mächtigen schwächeln oder doch nur mit Wasser kochen. Aufstieg und Fall liegen manchmal dicht beieinander. Zuständig bin ich für die Schul- und Familienpolitik, für Arbeit, Gesundheit und Soziales und die Grünen als Partei.

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