Geschönte Zahlen

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Geschönte Zahlen

Kommentare zum Artikel: 6

Das war doch mal ein guter Tag für die Beamten in NRW! Sie bekommen mehr Geld. Das auch noch rückwirkend. Und sogar die gut bezahlten Lehrer, Richter und Staatsanwälte dürfen sich jetzt über ein Mehr im Portemonnaie freuen. Wie immer man dazu stehen mag, dass das Land dafür jetzt jedes Jahr knapp 500 Millionen mehr ausgeben muss: Die Beamten haben es sich erstritten, das Verfassungsgericht hat ihnen Recht gegeben, es sei ihnen also gegönnt.

Aber: Wieviel bekommen sie denn nun mehr? Von Regierung, Gewerkschaft und Beamtenbund gab es nach der langen Nacht der Einigung viele Zahlen, Tabellen und Prozentangaben dazu. Aber bei den meisten davon wird man das Gefühl nicht los: Irgendwie wirken sie mächtig geschönt.

Ein Beispiel: Laut Regierungstabelle bekommen die A13-Beamten – je nach Dienstjahren – jetzt also zwischen 4,6 und 5,2 Prozent mehr Geld; betrachtet auf zwei Jahre. Wir haben mal nachgerechnet: Tatsächlich sind es für 2013 und 2014 zusammen nur zwischen 3,0 und 3,3 Prozent!

Wieso das? Ganz einfach: Das Land hat in den Verhandlungen durchgesetzt, dass bei den A13ern die Erhöhung erst mit acht Monaten Verzögerung greift. Anders ausgedrückt: Sowohl in 2013, als auch in 2014 arbeiten die Beamten die ersten zwei Drittel des Jahres noch zum alten Tarif, erst dann gibt es tatsächlich mehr Geld.

In den schönen Regierungstabellen tauchen solche Feinheiten natürlich nicht auf. Und auch Gewerkschaften und Beamtenbund hatten erkennbar kein Interesse daran, öffentlich einzugestehen, das ihr Verhandlungsergebnis in Wahrheit doch um einiges mickriger ausgefallen ist, als es auf den ersten Blick aussieht.

Für unseren A13-Beispiel-Beamten übrigens macht die Erhöhung, aufs ganze Jahr betrachtet, gerade mal 32 Euro im Monat aus. Na immerhin: Einmal Pizza-Taxi für die ganze Familie zusätzlich sitzt da schon drin.

Über den Autor

Alles, was recht ist, aber langweilig wird es in der Landespolitik nie! Flüchtlinge, Haushalt, Energiepolitik, Umwelt: Ständig tun sich neue politische Baustellen auf, und es gibt immer viel zu berichten. Ich begleite die Landespolitik als Berichterstatter schon seit 1998. Meine wichtigsten Themen sind Umwelt, Energie, Wirtschaft und Verkehr.

6 Kommentare

  1. Danke Herr Lauscher am

    Danke, Herr Lauscher, für diesen Kommentar! Mögen ihn viele der Stammtischfreunde lesen, die sich über die faule, überbezahlte und unfähige Beamtenschaft aufregen.

  2. Hugo Schillings am

    Sehr geehrter Herr Lauscher,
    Sie sind doch noch in der Lage, sauber zu analysieren und journalistisch anspruchsvoll zu berichten. Daran hatte ich nach Ihrem unsäglich “Klartext” vom 02.07. stark gezweifelt.

  3. Hallo Herr Lauscher,
    vielen Dank für diesen neutralen Kommentar. So was ist man eigentlich vom “Rotfunk” nicht gewöhnt. 😉
    Gruß
    WN

  4. Danke für die kritische Darstellung!
    Leider wird dies in der Berichterstattung häufig übersehen.
    Als Ergänzung sollte noch auf die Steuer hingewiesen werden: Da der Nachzahlungsbetrag nun in einem Jahr ausgezahlt wird, erhöht sich dadurch die Steuer aufgrund der progressiven Berechnung. Bei einer unmittelbaren Zahlung hätte es netto mehr gegeben. So holt sich NRW durch die Hintertür einen Teil der Erhöhung zurück.
    Können Sie vielleicht die Frage klären, ob alle Beamte die Erhöhung bekommen oder nur die Beamten, die Widerspruch eingelegt haben. Obwohl das Gesetz verfassungswidrig ist, ist das individuelle Besoldungsverfahren des einzelnen für 2013 bestandskräftig, wenn kein Widerspruch eingelegt wurde und es besteht grds. kein Anspruch auf Anpassung mehr. Zahlungen der Landesregierung wären freiwillig möglich. Der Petitionsausschuss hat mir dies ausdrücklich bestätigt und wollte keine Vorläufigkeit in die Bescheide der mit Doppelnullrunde aufnehmen.
    MfG
    Martin

  5. Stefan Lauscher am

    Lieber Martin,
    die Besoldungserhöhung gilt natürlich für alle Beamte in NRW und nicht nur für die, die Widerspruch eingelegt haben.
    Mit freundlichen Grüße,
    Stefan Lauscher, WDR-Landespolitik

  6. Sehr geehrter Herr Lauscher,
    Lore sei dank, muss SPD-NRW diese ungeliebten und völlig überbezahlten Beamten nur noch wenige Jahre ertragen, bis endlich alle in Pension gegangen sind. Bei der demographischen Entwicklung und DIESEN Zukunftsaussichten, die Frau Ministerpräsidentin den Beamten bereits sehr deutlich auch für die nächsten Besoldungsrunden angedroht hat, werden sich nur noch solche Anwärter finden, die in Wirtschaft und Industrie keine Chance haben oder einige blauäugige Idealisten. Übrigens: Das Durchschnittsalter der Beamten/-innen meiner Dienststelle liegt bei 56,3 Jahren!
    Viel Spaß noch, NRW!

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