Guerilla-Marketing gegen die CDU

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Guerilla-Marketing gegen die CDU

Kommentare zum Artikel: 7

Im Rahmen einer Landtagswahl gibt es ja immer wieder Kampagnen, die aus dem Rahmen fallen. So wird im Moment diskutiert, wer die geheimen AfD-Unterstützer sind, die mit einer scheinbaren Gratiszeitung und großen Plakaten zur Wahl der Partei aufrufen. Die Recherchen nach den Geldgebern verlaufen zäh, Spuren führen ins Ausland, die Partei weiß offiziell von nichts.

Ein ähnliches Fragezeichen dürfte eine Plakatkampagne auslösen, die jetzt rund um den Düsseldorfer Landtag aufgetaucht ist. In sämtlichen Bus- und Straßenbahnhaltestellen prangt an diesem Mittwoch (03.05.2017) der Spruch „Tierschutz á la CDU“, gepaart mit ein paar unschönen Bildern schlecht gehaltener Schweine.

„Tierschutz á la CDU“

Der Mastbetrieb, aus dem die Bilder stammen sollen, gehört offenbar Johannes Röring, der ist Bundestagsabgeordneter für die CDU und Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. Im vergangenen Jahr geriet er wegen eines Beitrags über die Qualität seiner Tierhaltung in die Kritik. Das Politmagazin „Panorama“ hatte Bildmaterial über die Zustände in dem Betrieb gezeigt, der CDU-Mann wies Vorwürfe zurück, eine Strafanzeige gegen ihn lief ins Leere.

Was haben der Fall und die Plakate mit der Landtagswahl zu tun? Einer der Links unter dem Plakat gibt Aufschluss. Er führt zu einer Petition, in der die SPD aufgefordert wird, sich noch vor der Wahl deutlich zu dem bestehenden Verbandsklagerecht zu bekennen. Die CDU will dieses Recht nämlich – laut Wahlprogramm – einschränken. Und da eine CDU-Regierungsbeteiligung möglich ist, ist auch die Umsetzung dieser Pläne zumindest nicht ausgeschlossen. Für Tierschutzorganisationen hieße dies somit, dass es schwieriger werden könnte, gegen vermeintliche Misstände zu klagen.

Keine regulär gebuchte Werbung

Der Ärger ist auf den ersten Blick verständlich: In Nordrhein-Westfalen besitzen neun Tierschutzverbände dieses spezielle Klagerecht. Insofern würde der Verlust schwer wiegen. Allerdings benennt die CDU auch Argumente, hier Einschränkungen vorzunehmen. Laut Programm könnten so Genehmigungsverfahren schneller abgewickelt werden. Es wäre ein Beitrag zum Abbau der Bürokratie – sagt die Partei. Einer, bei dem der aktuelle Verkehrsminister Groschek an manchen Stellen zustimmend nicken würde.

Soweit zum politischen Hintergrund. Die ganze Aktion hat nämlich einen Haken – sie ist komplett illegal. Der Vermieter der meisten Anzeigeflächen – die Firma Wall – erklärte auf WDR-Nachfrage, dass es sich um eine „nicht regulär gebuchte“ Aktion handelt. Also: Die Werbekästen wurden aufgeschraubt und die eigentlichen Plakate ersetzt. Einen Vorfall, denn es bereits in Berlin und in Münster gegeben hat. Und jetzt auch in Düsseldorf. Es gibt in den Werberkreisen dafür sogar einen Fachbegriff. Er nennt sich Ad-Busting. Was jedoch nach urbaner Guerilla-Aktion klingt, hat allerdings eine Strafanzeige zur Folge und ist eigentlich kein besonders kreatives Element zu Belebung des Wahlkampfes.

Über den Autor

Geboren 1980, aufgewachsen am linken Niederrhein, im WDR seit 2006 als Nachrichtenmann und politischer Berichterstatter unterwegs. Aktuelle Schwerpunkte bei der AfD und der Sportpolitik im Land. Was mir in der Landespolitik fehlt? Einfache Antwort: „Das Dröje“. Aus der landtagsnahen Kneipe mit politischem Stammpublikum ist eine Kaffebar geworden. Statt Laumann heißt es da jetzt Kampmann. Zeiten ändern sich…

7 Kommentare

    • Christoph Ullrich am

      Klären Sie mich auf…
      …was an der Aktion „keine Überraschung mit geringen Mitteln“ ist?

  1. Sie stellen Guerilla Marketing in einen rechtsfreien Kontext. So etwas wird von keiner Marketing-Disziplin weder intendiert noch toleriert. Woher Sie die Definition „Überraschung mit geringen Mitteln“ nehmen, entzieht sich meiner Kenntnis, lässt aber erahnen, weshalb Sie Guerilla Marketing so falsch verstehen und darstellen. Hätte Guerilla Marketing tatsächlich den Ansatz, den Kommunikationspartner, in diesem Fall, die Wähler, bewusst zu täuschen, wäre seine Glaubwürdigkeit und damit seine Dialog-Tauglichkeit bald dahin. Wer, Parteien, Verbände, Unternehmen, sollte das wollen?
    Ihr Eintrag hatte „Futter“ genug, da hätten Sie die falsche Begriffsverwendung im Titel nicht nötig gehabt.

  2. Peter Täuber am

    Ich finde das Wortspiel in der Überschriftt – gerade wegen der Zweideutigkeit – sehr gelungen. Glückwunsch! Das war der Grund, warum ich neugierig wurde und weiter gelesen habe. Hier geht es ja nicht um einen Lehrbucheintrag für Marketing im 1. Semester.

  3. Schlecht gehaltene Schweine? Das drücken Sie niedlich aus. Es sind gequälte Tiere, erkennen Sie das nicht?

    • Christoph Ullrich am

      Ich erkenne schlecht gehaltene und – ja – auch behandelte Tiere in einem Stall. Die weitere Bewertung überlass ich Ihnen als Leser. Das ist ja gerade das Tolle an dem Verhältnis zwischen Leser und Autor. 🙂

  4. Wenn die „Werbetreibenden“ eine derartige Aktion vollkommen anonym und illegal durchführen, dann gewinne ich nicht den Eindruck, sie würden wirklich ein legitimes Ziel verfolgen. Eher, dass sie den gesellschaftlich respektierten Zweck nutzen, um irgendwelche Partikularinteressen zu kaschieren.

    So, mal off-topic gefragt:
    Wenn der CDU-Mann, als MdB doch ein respektabler Politiker, die Vorwürfe bezüglich schlechter Tierhaltung zurückgewiesen hat, müssen das dann nicht Fake-News sein?

    Grüße

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