Über gutes Benehmen im Landtag

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Über gutes Benehmen im Landtag

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Den CDU-Abgeordneten Lohn trieb es im Landtag zu einer Wortmeldung in Sachen Personalmisere bei der Kripo. Der Abgeordnete aus Langeneicke bei Geseke war selbst Polizist, er wusste also, wovon er redet. Er stürmte ans Rednerpult, ließ seinem Rededrang freien Lauf – und vergaß dabei das hohe Haus samt Präsidenten.

Der amtierende Landtagsvize-Präsidenten Eckhard Uhlenberg, ebenfalls von der CDU, stoppte Lohn sofort – mit Amtswürde und Ernsthaftigkeit: “Herr Kollege, Sie haben vergessen, den Präsidenten zu begrüßen!” Lohn irritiert: “Bitte??” (Das Protokoll dürfte hier “Gelächter” vermerken) “Hab ich das wirklich nicht? Na gut, dann sage ich jetzt, Frau Präsidentin, Sie haben einen so guten Stellvertreter – haha, ich begrüße auch den stellvertretenden Präsidenten sehr herzlich (erneut Gelächter).”

Die präsidiale Geduld war überstrapaziert – erneute Mahnung: “Herr Lohn, jetzt ist es gut. Auch ein Vizepräsident ist in Ausübung des Landtagspräsidentenamtes ein amtierender Präsident und wird mit ‘Herr Präsident’ angesprochen, nicht Vize usw.” Soweit die zweite Belehrung. Die dann vom CDU-Kollegen Lohn endlich begriffen wurde.

Die präsidialen Unterweisungen hielten gerade mal bis zum nächsten Tagesordnungspunkt. Da stolperte der CDU-Abgeordnete Robert Stein in die parlamentarische Etikettenfalle und begrüßte Uhlenberg mit “Herr amtierender Präsident”. Die Erläuterungen hatten zu hörbaren Verwirrungen bei den Abgeordneten geführt. Uhlenberg ließ Stein ausreden und korrigierte stoisch: “Die Anrede heißt ‘Herr Präsident’, nicht ‘amtierender’…” Siehe oben.

Die Sache mit der Anrede ist jetzt klar, Herr Präsident. Aber, ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ging es hier allein um die Etikette? Oder verbindet die Parteifreunde mehr als eine Freundschaft?

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Mittlerweile darf ich mit Armin Laschet den sechsten Ministerpräsidenten erleben. Das ermöglicht Überblick und Vergleiche. Seit Johannes Rau konnte ich alle Regierungschefs- und Chefinnen aus der Nähe beobachten: Wolfgang Clement, Peer Steinbrück, Jürgen Rüttgers und Hannelore Kraft. Ein Kommen und Gehen. Als Korrespondent für Landespolitik nah dran zu sein ist spannend. In der Landeshauptstadt läuft Politik auf Tuchfühlung. Und es gibt Blicke in die Kulisse, auch dahin, wo die vermeintlich Mächtigen schwächeln oder doch nur mit Wasser kochen. Aufstieg und Fall liegen manchmal dicht beieinander. Zuständig bin ich für die Schul- und Familienpolitik, für Arbeit, Gesundheit und Soziales und die Grünen als Partei.

3 Comments

  1. Frank Gladisch on

    Die Sache ist für alle Beteiligten peinlich. Der Präsident unterbricht den Redner, weil er nicht begrüßt wurde. Es ist zu Beginn einer Rede vor einem Auditorium so Usus, die Anwesenden zu begrüßen, aber es hätte sicherlich für weniger Firlefanz gesorgt, wenn der Präsident nach der Rede darauf hingewiesen hätte, dass es schön gewesen wäre, begrüßt zu werden, und er darum bitte, dass das beachtet werde. Der Redner Herr Lohn hätte seinerseits ganz sachlich die Begrüßung nachholen können, ohne gleich eine dümmliche Show auf Kosten des Präsidenten daraus zu machen. Der nächste Redner Herr Stein hätte es auch ganz sachlich erledigen können, muss dann aber auch wieder dümmlich loslegen. Und so stehen alle irgendwie blöd da. Überrascht mich nicht. Ich empfehle Roger Willemsen, Das Hohe Haus. Herr Willemsen war ein Jahr lang im Bundestag. Seine Beobachtungen sind sehr peinlich für die Volksvertreter.
    https://www.youtube.com/watch?v=bW8rbQRYjXY

  2. Olaf Walter on

    In Sachen Anrede: ‘Herr Präsident’, sind in NRW doch die Knollendorfer vom Hänneschen-Theater in Knollendorf, ups, Köln tonangebend. Hier im
    Besonderen der unverwechselbare ‘Speimanes’ mit seinem Ausspruch: „Herr P-P-Präsident, de Woosch“. Fehlt nur noch die ‘Flönz’, besagte Wurst.
    So als Landtagsabgeordneter ist man also, kommt man in so eine Verlegenheit, treppenwitzfrei vorbereitet eine Blutwurst in der Jackentasche dabei zu haben. Und am Eisenmarkt, kommt dieses Schauspiel bei den Zuschauern immer bestens an. – Olaf Walter (54), Tuttlingen
    http://www.haenneschen.de/dieknollendorferfijore.html

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