Ein Eigentor von Jäger

https://blog.wdr.de/landtagsblog/jager_und_der_fussball/

Ein Eigentor von Jäger

Kommentare zum Artikel: 1

Champions-League-Qualifikation vor zwei Jahren: Schalke 04 trifft auf das griechische Team von PAOK Saloniki. Die Stimmung ist aufgeheizt, eine Einsatzhundertschaft der Polizei geht in den Schalker Fanblock, es gibt Verletzte.

Wie gesagt, das Spiel ist zwei Jahre her, für die aktuelle Debatte ist es aber wieder wichtig. Denn: Es war ein Hochrisikospiel, die griechischen Fans waren als gewaltbereit bekannt. Es galt ein Alkoholverbot wie bei allen Europapokalspielen, und: Die Gästekarten waren kontingentiert, fünf Prozent der Tickets gingen an Griechen. Und trotzdem war die Eskalation auf den Rängen nicht zu verhindern.

NRW-Innenminister Ralf Jäger kennt die damaligen Vorfälle ganz genau, entbrannte danach doch ein heftiger Streit zwischen ihm und dem FC Schalke um die Verhältnismäßigkeit des Polizeieinsatzes. Insofern ist es mehr als verwunderlich, wenn Jäger jetzt in seinem Brief an die Vereine genau das einfordert, was damals praktiziert wurde und eben nicht geholfen hat. Das ist – mit Verlaub – völliger Unsinn, Herr Minister. Wieso soll das, was bei Schalke – Saloniki nicht funktioniert hat, bei Schalke – Dortmund oder Gladbach – Köln besser laufen?

Völlig absurd wird das Jäger’fragtsche Ansinnen aber, wenn man weiß, dass all die Maßnahmen, die er den Vereinen jetzt vorschlägt, längst praktiziert werden können. Im Vorfeld eines jeden Spiels diskutieren der Heim- und der Gastverein mit Polizei und auch Fanbeauftragen die Sicherheitslage. Und dabei kann der Alkoholausschank untersagt werden, auch das Kontingent für Gäste-Tickets – normalerweise zehn Prozent – kann eingeschränkt werden. Alles das steht in den Liga-Statuten, das weiß auch Herr Jäger.

Was also bezweckt der Minister mit seinem Schreiben? Will er womöglich, angesichts der Kritik an seinem Vorgehen in Sachen Flüchtlinge, mit einem populären Thema Punkte in der Öffentlichkeit sammeln? Hartes Vorgehen gegen gewaltbereite Fußballrowdys kommt immer gut an, ist das Jägers Kalkül? Ich weiß es nicht, ich wundere mich nur.

Übrigens: Vor genau einem Jahr verfügte derselbe Innenminister, die Polizeipräsenz bei Nicht-Risikospielen zu verringern, um so das Vertrauen in die Fans zu stärken. Das hat mir besser gefallen …

About Author

Drei Jahre als Korrespondent in Düsseldorf und jetzt schon meine zweite Landtagswahl. So hatte ich mir das nicht gedacht, als ich 2009 von WDR 2 in Köln in die Landeshauptstadt gewechselt bin. Aber spannend ist es schon. Wahlkampf, Koalitionsverhandlungen, dann das Experiment Minderheitsregierung, jetzt also wieder Wahlkampf. Und wir als Journalisten immer mittendrin. Das ist das Schöne an der Landespolitik, man bekommt vieles hautnah mit. Meine Schwerpunktthemen sind Haushalt und Finanzen, die Hochschulpolitik, und bei den Parteien FDP und Linke. Und wenn es mal keine Politik ist, hält mich die Familie auf Trab. Drei Kinder machen mindestens so viel Trubel wie fünf Parteien.

1 Comment

  1. Guter Kommentar. Ergänzung: Es gab im Schalker Fanblock 87 verletzte Fans, die Verletzungen wurden ausschließlich von den eingesetzten Polizisten hervorgerufen. Es gab keine Eskalation im Schalker Fanblock VOR dem Einsatz der Polizei. Ob im Gästeblock die Lage außer Kontrolle geriet, da hat der Herr Innenminister eine Meinung. Schalke 04, die Schalker Fanbeauftragten (die am Gästeblock standen), führende Mitglieder des PAOK Fanclubs, zahlreiche Schalke und PAOK Fans vor Ort haben ein andere. Es gab nach dem Spiel keine -sonst bei Risikospielen übliche- Blocksperre für die Gästefans; offenbar war die Risikolage dafür nicht ausreichend. Insofern ist es nicht ausgeschlossen, dass die Maßnahmen gegriffen haben, die positiven Ergebnisse nur durch einen katastrophalen Polizeieinsatz verwischt wurden. Dass Jäger längst mögliche Maßnahmen als “seinen” Beitrag zur Sicherheit verkauft, ist lächerlich.

Leave A Reply

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Rechenaufgabe: 14 − 1 =


Top