Kraft, Laschet und ein jecker Bäcker

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Kraft, Laschet und ein jecker Bäcker

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Josef Hinkel ist nur den wenigsten landespolitisch interessierten Menschen ein Begriff. Aber in der lokalen Szene der Landeshauptstadt Düsseldorf kennt man ihn wie einen bunten Hund. Das liegt zunächst an seinem Engagement für den Düsseldorfer Karneval. In der Session 2008 war er Karnevalsprinz. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dass es seitdem keinen besseren Prinzen gegeben hat. Zumindest muss man Hinkel lassen, ein Prinz für jeden gewesen zu sein. Wer damals in der Stadt lebte, kam nicht an ihm vorbei. Er war omnipräsent, so wie der Poltergeist Beetlejuice, dessen Namen man laut Geschichte nur drei Mal rufen muss, damit er auftaucht. Ähnlich verhielt es sich mit Hinkel.

Hinkel, der Beetlejuice der Düsseldorfer Karnevalisten

Der Autor dieser Zeilen gehörte damals zu den von der Dauerhinkel-Show Genervten, die Karnevalisten der Stadt dagegen nicht und so machten sie den Mann später zum Vorsitzenden des höchsten Gremiums (der Stadt): Er wurde Chef des Comitee Carnevals in Düsseldorf, zumindest solange, bis er 2015 hinwarf. In der Gerüchteküche munkelte man von Streit hinter den Kulissen. Über Wochen, gar Monate lieferten die Boulevardkollegen von Rheinischer Post bis hin zum Express Geschichten vermeintlicher Hintergründe.

Warum ich das hier alles Beschreibe? Ich wollte einfach mal ein bisschen über die schöne Stadt Düsseldorf und ihre feinere Gesellschaft schreiben sowie in einem Text den Namen Beetlejuice unterbringen. Jetzt aber mal zur Landespolitik: Hinkel ist Bäcker, und ohne Übertreibung einer der Besten in NRW. In seinem Laden,  unweit des schicken Carlsplatzes, ist es immer voll. Hinkel legt wert auf Qualität, ist dadurch zwar etwas teurer, aber trotzdem gut im Geschäft. Er bildet viel aus, schafft Arbeitsplätze im Handwerk und gilt als vorbildlicher Arbeitgeber. Und er ist in der CDU aktiv.

Perfekte Kulisse für die Spots zur Landtagswahl

Das ist wiederum ist Armin Laschet nicht verborgen geblieben. So wundert es nicht, dass eine Szene seines Wahlwerbespots in Hinkels Laden spielt. Zwei Kundinnen klagen über ausgefallenen Unterricht ihrer Kinder. Laschet, der gerade bei Hinkel bestellen will, hört das, dreht sich um und schaltet sich in die Unterhaltung ein, um für seine Bildungspolitik zu werben und die von Rot-Grün zu kritisieren. Bei der Bild-Zeitung hier in Düsseldorf erregte das scheinbar größere Aufmerksamkeit (Wie fast alles, was die CDU macht): Ein Wahlwerbespot beim Hinkel in der Bäckerei? Das hat es doch schon einmal gegeben. Und tatsächlich – auch die SPD hatte in der Filiale am Carlsplatz gedreht. Zwar hinten in der Brotproduktion, aber egal, die Irritation war perfekt. Der CDU-nahe Bäcker hilft dem politischen Gegner? Darf der das? Muss Hinkel jetzt gar vor den eigenen Leuten von der CDU kleine Brötchen backen?

Wohl eher nicht. Trotz seiner Affinität zur CDU ist Hinkel als Mann des politischen Ausgleichs bekannt. Örtlichen SPD-Landtagskandidaten spendet er zu deren Parteifesten die Brötchen. Als die FDP im Stau stehenden Autofahrern Croissants brachte, kamen diese – Ehrensache – aus Hinkels Bäckerei. Bei der Union hier in Düsseldorf hat mit soviel Ausgleich keiner ein Problem. Stellt sich also nur die Frage, ob Hinkel seine Bäckerei jetzt auch für weitere Parteikampagnen zur Verfügung stellt? Zumindest wollten das die Kollegen von der Lokalzeit Düsseldorf von ihm wissen und baten um ein Interview. Das klappte allerdings nicht direkt – der Beitrag über den Bäcker und seine politischen Backhilfen musste um einen Tag verschoben werden. Hinkel weilte nämlich nicht in Düsseldorf sondern in Berlin. Was er dort machte? Er war für einen Bäckereiverband bei den Grünen…

Über den Autor

Geboren 1980, aufgewachsen am linken Niederrhein, im WDR seit 2006 als Nachrichtenmann und politischer Berichterstatter unterwegs. Aktuelle Schwerpunkte bei der AfD und der Sportpolitik im Land. Was mir in der Landespolitik fehlt? Einfache Antwort: „Das Dröje“. Aus der landtagsnahen Kneipe mit politischem Stammpublikum ist eine Kaffebar geworden. Statt Laumann heißt es da jetzt Kampmann. Zeiten ändern sich…

2 Kommentare

  1. Dieter Abstrus am

    Nun, böse Menschen würden jetzt von einer Profilneurose sprechen. Aber das ist natürlich völlig daneben. Bäcker Hinkel weilt halt gerne unter Menschen, sonst nichts!

  2. Warum sind die Parteien nur vor einer Wah ansprechbar und nicht nach einer Wahl. Die Bürger möchten mehr wissen als nur das was nicht geschied. Zum Beispiel: In Duisburg soll ein Einkaufcenter gebaut werden. Keiner möchte es haben, da in der Nähe ausreichet solche Center vorhanden sind. Aber der Rat der Stadt beschlißt eine solche Maßnahme ohne auf das Volk zu hören. Das würde nicht greifen wenn die Parteien ansprechbar sein würdem.

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