Kraft will nicht so oft mit Journalisten reden

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Kraft will nicht so oft mit Journalisten reden

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Hannelore Kraft hat ein (Luxus)-Problem. Ihr laufen die Journalisten nach. Sie wollen mit ihr sprechen und Fragen stellen. Und zwar häufiger, als es der Ministerpräsidentin lieb ist. Der Terminkalender sei voll, heißt es. Die Journalisten der Landespressekonferenz wollen Kraft zu einer monatlichen Pressekonferenz einladen. Der Regierungssprecher stellte vier bis fünf Termine fürs nächste Jahr in Aussicht. Die Journalisten fühlten sich hingehalten. Die Diskussion um die Pressekonferenzen geht fast schon ein Jahr.

Wie viele Pressekonferenzen muss eine Landeschefin abhalten? Jeden Monat eine, wie gewünscht? Oder reichen auch zwei pro Jahr, wann immer es der Ministerpräsidentin beliebt? Es gibt keine Regeln für sowas. Der grüne Ministerpräsident Kretschmann macht es in Stuttgart einmal die Woche. Öffentlichkeit und Politik, Journalisten und Politiker, müssen den Umgang miteinander aushandeln. Man kann das politische Informations-Kultur nennen.

Eigentlich müsste sich Kraft glücklich schätzen: Die Ministerpräsidentin ist gefragt für Pressekonferenzen. Das gibt Gelegenheit, ihr öffentliches Bild zu prägen. Kraft zählt nicht ohne Grund zu den bekanntesten deutschen Politikern. Aber in Presskonferenzen drohen auch Gefahren: Wer regelmäßig, auch zu beliebigen und unerwarteten Themen, Rede und Antwort stehen soll, vergaloppiert sich schon mal, gibt sich Blößen – öffentliche Kritik als Reaktion ist eingeschlossen und natürlich unangenehm.

Deswegen sind die sogenannten Hintergrundgespräche oft beliebter als Pressekonferenzen. Die NRW-Ministerpräsidentin lädt die Journalisten der Landespressekonferenz gern zum “Kraftraum” ein. Da kann dann, (“unter drei”, wie der Jargon für “nicht öffentlich” heißt), auch über Interna gesprochen werden – unveröffentlicht. Das hat mal seine Berechtigung, mal auch nicht, manchmal sind Themen öffentlich, manchmal erst später. Es ist geübter Brauch, nicht nur von Politikern, so den Informationsfluss zu steuern. Und in der Regel profitieren davon beide Seiten. Eine offene Pressekonferenz dagegen funktioniert ganz anders: Gesagt ist gesagt, berichtet wird aktuell und sofort.

Journalisten und Politiker bewegen sich in einem Spannungsfeld – die Interessen sind grundsätzlich gegensätzlich. Polit-Propaganda gefällt sich meist im erfolgreichen Auftritt. Journalisten versuchen, die politischen Handlungen kritisch zu hinterfragen und auszuleuchten. Beide Seiten wissen, dass dieser Interessenkonflikt gewollt ist. Die Rollenverteilung gehört zum demokratischen Alltag.
Ich meine, Hannelore Kraft darf sich geschmeichelt fühlen, dass die Landeskorrespondenten öffentlich mehr Pressekonferenzen zu aktuellen Themen mit ihr wollen. Sie sollte diesen Wunsch als Chance begreifen, nicht als Bedrohung. Sie würde damit ein Zeichen setzen. Für eine offene Informations-Kultur im Land.

Über den Autor

Mittlerweile darf ich mit Armin Laschet den sechsten Ministerpräsidenten erleben. Das ermöglicht Überblick und Vergleiche. Seit Johannes Rau konnte ich alle Regierungschefs- und Chefinnen aus der Nähe beobachten: Wolfgang Clement, Peer Steinbrück, Jürgen Rüttgers und Hannelore Kraft. Ein Kommen und Gehen. Als Korrespondent für Landespolitik nah dran zu sein ist spannend. In der Landeshauptstadt läuft Politik auf Tuchfühlung. Und es gibt Blicke in die Kulisse, auch dahin, wo die vermeintlich Mächtigen schwächeln oder doch nur mit Wasser kochen. Aufstieg und Fall liegen manchmal dicht beieinander. Zuständig bin ich für die Schul- und Familienpolitik, für Arbeit, Gesundheit und Soziales und die Grünen als Partei.

4 Kommentare

  1. Weniger ist mehr am

    Die Bundeskanzlerin ist doch auch recht zurückhaltend mit Interviews. Frau Merkel läßt sich auch von niemandem vor sich her treiben. Sie läßt von ihrem Sprecher bekannt geben. Ich denke, Spitzenpolitker/innen sollten die Bedingungen setzen. Auch Frau Kraft hat auch in dieser Angelegenheit das rechte Maß. Die Wähler/innen können die Dinge schon ganz gut einschätzen und in Zeiten von Internet kann man eh fast alles nachlesen.

  2. Frau Kraft überarbeitet sich nicht gerade. Das ist ganz gut so, denn sonst wäre es unerträglich für die Mitarbeiter. Das Image von Frau Kraft würde gewaltig ins Wackeln kommen, würde sie sich diesen öffentlichen Pressekonferenzen aussetzen.

  3. Peter Müller am

    Die Frau ist sowieso fehl am Platze. Eigentlich hätte sie auch mit der Merkel durch Duisburg gehen müssen aber sie trifft sich lieber mit einem König ! als mit Problem- Menschen, die sich hier selbstherrlich aufführen und die NRW-Regierung schaut weg.

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