Laschet und die Kanzler-Urwahl

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Laschet und die Kanzler-Urwahl

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Na, das ist doch mal eine steile These:
Die Urwahl eines Kanzlerkandidaten durch die Mitglieder einer Partei sei schlicht “nicht repräsentativ”. Armin Laschet hat das gesagt, NRW-Ministerpräsident, stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender und selbst als Kanzlerkandidat der Union im Gespräch. Nachzulesen im Handelsblatt. Am Ende – sagt er weiter – würden 400.000 Mitglieder mit dem Altersdurchschnitt 61 abstimmen und gewählt würde schlussendlich das bekannteste Gesicht. Das alles sei “nicht ermutigend”.

Die überaltete CDU ist das Problem der CDU

In der Sache ist das natürlich Blödsinn. Was bitteschön soll repräsentativer sein als eine Urwahl? Selbstverständlich ist es Ur-Demokratie schlechthin, wenn alle Mitglieder eines Vereins ihren neuen Vorsitzenden bestimmen. Bei großen Volksparteien mit hunderttausenden Mitgliedern mag das organisatorisch schwierig sein. Es muss deshalb keine Urwahl sein wie jetzt bei der SPD. Aber von allen denkbaren Möglichkeiten ist die Urwahl natürlich die repräsentativste. Repräsentativer als ein Delegierten-Parteitag oder eine Hinterzimmer-Absprache jedenfalls allemal. Und wenn der Altersdurchschnitt in der CDU bei 61 liegt, dann ist das ein Problem der CDU, aber nicht eines des Wahlsystems.

Was also ist “nicht ermutigend” an der Urwahl?
Armin Laschet hat da sehr persönliche Erfahrungen gemacht. Ende 2010 war das. Da wurde – nach aufwändigem Wahlkampf mit Regionalkonferenzen und Tingeltouren – per Urwahl nicht Laschet, sondern Norbert Röttgen zum CDU-Parteichef in NRW und damit zum Ministerpräsidenten-Kandidaten gewählt. Das bekanntere Gesicht eben. Die Sache ist damals nicht gut ausgegangen für Röttgen, der verlor die nächste Landtagswahl krachend. Am Ende triumphierte dann doch Laschet, der ist heute Ministerpräsident. Aber wenn es um die Kanzlerkandidatur geht, dann gibt es eine solche zweite Chance möglicherweise nicht.

Eigentlich gute Chancen für Laschet

Also, darum geht’s bei Laschets Äußerung. Er traut offenbar seinen eigenen Parteimitgliedern nicht. Zu alt, zu mutlos, zu fixiert auf gewohnte Berlin-Gesichter. Dabei sind Laschets Chancen, Kanzler zu werden, doch gar nicht schlecht. Kramp-Karrenbauer tappst weiter von einer Ungeschicklichkeit zur nächsten, Spahn ist für eine christlich-konservative Partei (noch) zu schwul und Söder … nein, der bitte wirklich nicht.

“Mehr Mut” möchte man Laschet zurufen. Noch günstiger werden die Bedingungen nicht. Wenn er Kanzler werden will, dann muss er jetzt springen. Und sich notfalls auch… einer Urwahl stellen.

Über den Autor

Alles, was recht ist, aber langweilig wird es in der Landespolitik nie! Flüchtlinge, Haushalt, Energiepolitik, Umwelt: Ständig tun sich neue politische Baustellen auf, und es gibt immer viel zu berichten. Ich begleite die Landespolitik als Berichterstatter schon seit 1998. Meine wichtigsten Themen sind Umwelt, Energie, Wirtschaft und Verkehr.

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