Laschet und seine Parteifreunde

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Laschet und seine Parteifreunde

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Es ist eine merkwürdige Mail, die mitten in der Nacht bei mir ins Postfach flattert: Ein nicht zuzuordnender Absender und eine Adresse, die schon ahnen lässt, worum es geht: Kniffel-Armin_2.0. Es geht um Armin Laschet und seine Affäre um verschwundene Klausuren und rekonstruierte – manche sagen gewürfelte – Noten an der RWTH Aachen. Es ist eine peinliche Sache, in die sich der Partei- und Fraktionschef der NRW-CDU hineinmanövriert hat. Und sie bestätigt all seine Kritiker, von der es in der CDU Nordrhein-Westfalen etliche gibt.

Angehängt an die Mail ist eine Art Protokoll der Vorstandssitzung des mächtigen CDU-Bezirks Bergisches Land. Der Vorstand hat am Montag (08.06.2015) getagt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit, im Romantikhotel Langenfeld. Romantisch aber soll es nicht zugegangen sein. Es soll heftige, teils harsche und grundsätzliche Kritik an Laschet gegeben haben. Das jedenfalls behauptet der anonyme Versender. Diejenigen, die dabei waren, bestätigen gegenüber dem WDR zwar, dass die Sitzung stattgefunden hat. Es sei aber keine Grundsatz-Kritik am Landesvorsitzenden aufgekommen.

“Wir haben den Vorgang diskutiert, er ist ärgerlich. Aber der CDU-Bezirk Bergisches Land steht in Loyalität zu Armin Laschet.” Das sagt der Bezirksvorsitzende und Europaabgeordnete Herbert Reul dem WDR. In dem angeblichen Protokoll finden sich andere Zitate. So soll Peter Biesenbach, einer von Laschets Stellvertretern in der Landtagsfraktion, gesagt haben: Wenn Laschet gelogen habe, “ist er kaum noch zu halten”. Biesenbach dementiert das gegenüber dem WDR ausdrücklich: “Das ist Quatsch, das habe ich nie gesagt.”

Die Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel soll Laschet sogar die Eignung für eine NRW-Spitzenkandidatur komplett abgesprochen haben. Gegenüber dem WDR wollte die als Laschet-Kritikerin bekannte Abgeordnete nichts dazu sagen.

Die Aussagen und das ganze angebliche Protokoll bleiben zunächst also Behauptungen. Interessant ist der Vorgang aber trotzdem. Und zwar erstens: Weil er zeigt, dass Laschet viele Feinde in den eigenen Reihen hat, die nun versuchen, seinen Fehler auszuschlachten. Zweitens: Weil deutlich ist, wie sehr eine vermeintliche Petitesse wie die Noten-Affäre der Reputation schaden kann. Und drittens: Weil es sehr an 2010 erinnert, als anonyme Tippgeber aus der CDU gegen den wahlkämpfenden Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers zu Felde zogen – und mit dafür sorgten, dass die Wahl verloren ging.

Über den Autor

Online-Reporter sind im Düsseldorfer Politik-Betrieb immer noch eine Seltenheit. Das hat sich seit 2011, als ich in Düsseldorf angefangen habe, nicht verändert. Ich schreibe, blogge und twittere über alles, was mit Landespolitik zu tun hat. Egal, ob Jagdgesetz, Haushaltsdebatte oder Funkloch-Affäre. Nachzulesen - unter anderem - bei WDR.de.

3 Comments

  1. Rainer Kellers am

    Lieber Herr Walter, Ihre Kritik kann ich nicht teilen. Anders als sie schreiben, besteht der Text nicht aus Ungewissheiten. Dass es in der Versammlung um Laschet gegangen ist, ist gesichert. Unsere Recherchen haben zudem ergeben, dass der “Vermerk” von der Tendenz durchaus authentisch ist. Auch einzelne Zitate wurden bestätigt. Jeder Genannte hatte Gelegenheit, Stellung zu nehmen. Es sind keine Tatsachenbehauptungen enthalten.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Rainer Kellers

  2. Ich denke, wenn Politiker in vielen Nebentätigkeiten beschäftigt werden, dann müssen sie sich zwangsläufig heillos verzetteln. Genug ist genug.

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