Lindner bleibt in der FDP unangefochten

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Lindner bleibt in der FDP unangefochten

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Für die FDP ist das Ergebnis der sächsischen Landtagswahl bitter. Sie ist nicht mehr im Landtag, und die letzte Regierungsbeteiligung ist futsch. Obendrein sind die Aussichten für die Wahlen in Brandenburg und Thüringen nicht besser. Es könnte gut sein, dass die Liberalen in zwei Wochen nur noch in sechs Landesparlamenten vertreten sind. Rückenwind für den von Bundes- und NRW-Landeschef Christian Lindner geplanten Wiederaufbau der Partei sieht definitiv anders aus.

Marathonlauf bis 2017

Überraschend ist das Ergebnis aus Sachsen jedoch nicht. Schon vor Monaten, als Lindner sein zugegeben schwieriges Amt als Chef der Liberalen übernommen hat, hatte er betont, dass die nächste Zeit kein Sprint, sondern ein Marathonlauf sein werde. Ein Marathon mit dem Ziel, 2017 wieder in den Bundestag einzuziehen. Auf dieser Strecke rechnen die Liberalen selbst erst bei der anstehenden Wahl zum Hamburger Senat im kommenden Jahr wieder mit leichtem Rückenwind. Wenn es ganz schlecht läuft eventuell auch erst 2016 – wenn die Menschen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ihr Kreuzchen machen.

Für die FDP ist die Krise nach der gestrigen Wahlschlappe im Grunde nicht wesentlich größer oder kleiner, als sie es vorher war. Zumal die sächsischen Liberalen mit ihrem Landeschef Holger Zastrow während des Wahlkampfs darum bemüht waren, bloß keine allzu große Nähe zur Bundes-FDP erkennen zu lassen. Sachsen ist nicht Berlin – deutlicher geht es wohl kaum. Lindner als Hoffnungsträger und Wiederbelebungsbeauftragter kann für die jüngste Wahlniederlage also nicht in Haftung genommen werden.

Ein nicht ganz spannungsfreies Verhältnis

Seine Position bleibt unangefochten. Vielleicht durch die sächsische Wahlniederlage ja sogar noch mehr. Denn ein selbstbewusster Wahlsieger Holger Zastrow hätte sicherlich auch deutliche Marken beim bundespolitischen Kurs der Partei setzen wollen. Wer weiß, vielleicht atmet ja jetzt der ein oder andere auch auf, denn das Verhältnis Lindners zu Zastrow gilt als nicht ganz spannungsfrei.

Lindner ist und bleibt der Hoffnungsträger einer Partei in einer nach wie vor schwierigen Situation. Da ist zum einen die AfD, die zwar nicht hauptsächlich, aber dennoch spürbar Stimmen von den Liberalen gezogen hat. Und sich vermutlich im Parteiengefüge weiter etablieren wird. Da bleibt das Problem der öffentlichen Wahrnehmung – die bundespolitische Bühne fehlt, auf der die neuen Liberalen ihre Inhalte wirksam präsentieren könnten. Umso stärker wird der Bundesvorsitzende Lindner die landespolitische Bühne in Nordrhein-Westfalen nutzen müssen. Es wird wohl die ein oder andere Landtagsdebatte eher mit Blick in Richtung Berlin als mit Blick auf Nordrhein-Westfalen geführt werden. Was bleibt dem Bundes-, Landes- und Fraktionschef Lindner auch anderes übrig?

Doch das eigentliche Problem Lindners ist die Frage, wie die Basis weiter motiviert werden kann. Bleiben die Erfolge zu lange aus, könnte die Basis beim liberalen Marathon irgendwann die Lust verlieren.

Über den Autor

Jetzt also: Düsseldorf. Seit Anfang 2013 berichte ich für den WDR Hörfunk über landespolitische Themen. Vor allem, wenn sie mit Justiz-, Innenpolitik oder der FDP zu tun haben. Landtag, Ministerien, die Vertretungen von Interessengruppen - liegt schon alles nahe beieinander. Näher jedenfalls als in Berlin, wo ich fünf Jahre lang für den WDR über bundespolitische Themen berichtet habe. Ob Posse oder pflichtbewusste Politik - das zu unterscheiden und darüber zu berichten, macht es immer wieder spannend.

3 Kommentare

  1. Der sächsische FDP-Chef Zastrow beklagt das Wahlergebnis und versteht es nicht. Man hätte doch alles gemacht, was machbar ist. NEIN!!! Die sächsische FDP unter Zastrow hat eben nicht alles gemacht, was machbar ist. Sie hat sich anderen Koalitionsmöglichkeiten außer der mit den sogenannten christlichen Parteien verweigert (Zastrow nach der verlorenen Bundestagswahl 2013), für ihn sind Sozialdemokraten, Grüne und Linke alles Sozialisten. Ist das liberal? NEIN: Herr Zastrow ist Befürworter eines liberal-konservativen Kurses in der FDP. Die anderen Parteien, auch die CDU/CSU, rennen einem linksgrünen Zeitgeist hinterher. Soziale Marktwirtschaft, Leistung und Eigenverantwortung sind zu verteidigen. Das sind genau die rein auf Marktwirtschaft ausgerichteten Paradigmen, an denen die FDP gescheitert ist. Herr Lindner will ja wieder ein liberales Spektrum in der FDP (?), was aus den Freiburger Thesen von Flach, Maihofer und Scheel begründet ist. Es soll allen!!! Menschen zu Gute kommen.

  2. Der wahre Liberale am

    Es wird nun immer deutlicher, was eigentlich schon bei dem Verrat von Helmut Schmidt klar war: die FDP ist nicht liberal – allenfalls labil.
    Diese Partei braucht wirklich keiner – gut, dass sie verschwindet!

  3. DER war gut=CDU und”Soziale Marktwirtschaft” pruuust ROFL & ein Lindner als Pleitier in der FDP der passt schon.Was das “Liberal”betrifft da kann ich nur dem “Wahren Liberalen”zustimmen:”FDP ist nicht liberal – allenfalls labil.”

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