Politisch neutrale Zone im Landtag

https://blog.wdr.de/landtagsblog/politisch_neutrale_zone_im_lan/

Politisch neutrale Zone im Landtag

Kommentare zum Artikel: 2

Die Frisierstube im Landtag liegt auf dem Weg. Sie spart Zeit, oft ist Luft für einen Termin zwischendurch – und: sie garantiert den perfekten Schnitt. Zwischen den goldgeputzten Wänden im 80er Jahre Souterrain-Salon treffe ich Abgeordnete, weiblich und männlich, Minister, Ex-Kollegen, Ex-Ministergattinnen aber auch zufriedene Kunden von außerhalb des Landtags.

Frisierstube im Landtag, Rechte: WDR/Flamm

Chefin ist die 65-jährige Brigitte Pehlke. Sie weiß vieles und schweigt über das meiste. Diskretion ist Geschäftsphilosophie. Genauso die Leitlinie: “Im Laden sind alle Kunden nett.” Vor allem aber gilt für die Frisierstube im Landtag: Sie ist politisch neutrale Zone. Bitte keine hitzigen Debatten, wenn Wählerkunden auf Politiker treffen. Eine Frisierstube ist kein Plenarsaal!

Die Chefin hat in 35 Jahren Hunderten von Politikern die Haare geschnitten und gelegt. Und Ministerpräsidenten den Kopf gewaschen, wie Heinz Kühn etwa – er trug die Haare in den 70ern modisch länger. Und Jürgen Rüttgers – regelmäßig im Vier-Wochen-Takt. Peer Steinbrück kam als Finanzminister – die Wirbel mussten gleichmäßig geschnitten werden. Hannelore Kraft ließ sich in ihrer Zeit als SPD-Oppositionschefin die Haare machen. Johannes Rau und Wolfgang Clement dagegen hatten ihren eigenen Friseur. Für zeitlich eingespannte Regierungs-Chefs und -Chefinnen gilt wohl: Je enger der Terminplan, desto lieber bestellt man den eigenen Friseur.

 Brigitte Pehlke in der Frisierstube, Rechte: WDR/Flamm

Der Besuch der Frisierstube im Landtag bedeutet Entspannung. Pehlke kennt den stressigen Politik-Alltag, zu dem oft das Wochenende gehört. Sie bietet eine halbe Stunde Wellness oder mehr. Und einen Haarschnitt nach dem Motto: Weiter aussehen wie bisher, und am besten so, dass niemand den frischen Schnitt bemerkt.

Begonnen hat Pehlke im Wirtschaftsministerium – viele Ministerien leisteten sich seinerzeit einen Hausfriseur. Dann ging’s ins Kellergewölbe des alten Landtags am Schwanenspiegel. Hier von einem Salon zu reden, ergab keinen Sinn. Pehlke erfand die “Frisierstube”, die in den 80ern nicht nur als Begriff mit in den neuen Landtag am Rhein wanderte.

Der Weg zur Frisierstube, Rechte: WDR/Flamm

Neue Regierungschefs kamen und gingen – aber Brigitte Pehlke blieb. Ab März will die 65-Jährige kürzer treten. Ihre langjährige Kollegin wird die Frisierstube übernehmen. Ich bleibe der alten Chefin treu – donnerstags und freitags wird sie da sein. In der Frisierstube.

About Author

Mittlerweile darf ich mit Armin Laschet den sechsten Ministerpräsidenten erleben. Das ermöglicht Überblick und Vergleiche. Seit Johannes Rau konnte ich alle Regierungschefs- und Chefinnen aus der Nähe beobachten: Wolfgang Clement, Peer Steinbrück, Jürgen Rüttgers und Hannelore Kraft. Ein Kommen und Gehen. Als Korrespondent für Landespolitik nah dran zu sein ist spannend. In der Landeshauptstadt läuft Politik auf Tuchfühlung. Und es gibt Blicke in die Kulisse, auch dahin, wo die vermeintlich Mächtigen schwächeln oder doch nur mit Wasser kochen. Aufstieg und Fall liegen manchmal dicht beieinander. Zuständig bin ich für die Schul- und Familienpolitik, für Arbeit, Gesundheit und Soziales und die Grünen als Partei.

2 Comments

  1. Wow die Frisirstube macht echt was her, wir sollten der Dame Brigitte Pehlke auch mal einen Besuch abstatten und uns von Ihrer Haarkunst überzeugen lassen. 🙂

  2. Sollte ich mal meinem Verlobten zeigen, er würde sich sicherlich mal über einen ordentlichen Haarschnitt erfreuen, da er so unzufrieden mit seiner letzten Friseurin war. 😀

Leave A Reply

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Rechenaufgabe: 20 × 7 =


Top