Theo Waigels Tagebuch und die WestLB

https://blog.wdr.de/landtagsblog/theo_waigels_tagebuch/

Theo Waigels Tagebuch und die WestLB

Kommentare zum Artikel: 0

Im Untersuchungsausschuss des Landtags zum Untergang der WestLB war mal wieder ein prominenter Zeuge zu Gast. Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel, mittlerweile 76 Jahre alt, stellte sich am Mittwoch den Fragen der Abgeordneten. Wie bei den Zeugen-Auftritten von Gerhard Schröder (SPD), Helmut Linssen (CDU), Peer Steinbrück (SPD) und Wolfgang Clement (Ex-SPD) lautete am Ende das dünne Fazit: “Außer Spesen (fast) nichts gewesen.” Der Ausschuss scheint sich vor lauter Promis verzettelt zu haben. Wobei die alten Hasen die aktiven Abgeordneten oftmals noch älter aussehen lassen.

Theo Waigel/Rechte: dpa

Der Ex-CSU-Chef sagte zu den Umständen eines Deals aus dem Jahr 1989 aus. Damals hatte der Bund für über zwei Milliarden D-Mark den staatseigenen Stahlkonzern Salzgitter an die WestLB-Tochter Preussag verkauft. Im Kern lautete Waigels Botschaft: Alles sauber gelaufen damals. Seine Beamten hätten das Geschäft seriös vorbereitet, der Milliarden-Erlös sei nachhaltig in eine Umwelt-Stiftung investiert worden. Nicht gerade eine Enthüllung.

Ein SPD-Abgeordneter bedankte sich bei Waigel, da er Vorwürfe ausgeräumt habe, beim Preussag/Salzgitter-Verkauf sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen. Daraufhin scherzte Waigel, dies werde er sich am Abend in sein Tagebuch eintragen. Allzu oft sei er von der SPD ja nicht gelobt worden in seiner Karriere. Sogar die Grünen fanden anerkennende Worte für Waigel. Was der CSU-Oldie wiederum ebenfalls in seinem Tagebuch vermerken wollte.

Außer jovial-spöttischen Randbemerkungen – Waigel gab mit altersweisem Humor zu Protokoll, ihm sei nie die WestLB-Flugbereitschaft angeboten worden; und da er kein Jäger sei, habe ihn Bankboss Friedel Neuber auch nicht zur Jagd gebeten – kam nichts mehr. Am Schluss sorgte Waigel noch für Lacher, als er trotz der angespannten Haushaltslage in NRW um die Auslage seiner Taxikosten bat. Gerhard Schröder hatte dem armen NRW bei seinem Auftritt die Erstattung der Reisekosten erlassen. Und dann war der heute als Anwalt arbeitende Ex-Politiker wieder weg. Nicht ohne noch zu frotzeln, dies sei der beste Untersuchungsausschuss gewesen, in dem er je zu Gast war. Es dürfte nicht die letzte ironische Promi-Aussage im WestLB-Ausschuss mit sparsamem Nachrichtenwert gewesen sein.

Über den Autor

Jahrgang 1974. Geboren im westlichen Münsterland. Ich berichte seit 2002 über Politik und News aus Nordrhein-Westfalen. Bis 2007 für die taz, danach knapp fünf Jahre als Korrespondent der Nachrichtenagentur ddp/dapd. Seit 2012 arbeite ich für den WDR.

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Rechenaufgabe: 15 ⁄ 5 =


Top