Überraschung! Ein Sicherheitsexperte für die CDU

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Überraschung! Ein Sicherheitsexperte für die CDU

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Ach nee, dachte sich wohl mancher Journalist an diesem Mittwochmorgen, den kenn ick doch! Da saß er, braungebrannt wie immer, der allgegenwärtige Wolfgang Bosbach: Quoten-König der Talk- und Rateshows, passionierter Karnevalsjeck, langjähriger CDU-Bundespolitiker – nicht zuletzt wegen seiner oft deftigen, rheinischen Art unbestritten einer der Beliebtesten.

Und nun stolz präsentiert von CDU-Landeschef Armin Laschet als neuer Sicherheitsexperte der CDU. Dabei hatte Bosbach erst kürzlich seinen endgültigen Rückzug aus der Bundespolitik verkündet. Die CDU stehe nicht mehr für seine Überzeugungen. Doch als Überraschungsgast soll er es jetzt richten. Mit einer sechsköpfigen Kommission soll Bosbach einen „politischen Kassensturz der Sicherheitsarchitektur in NRW“ vornehmen, erklärt Laschet.

„Gedanken machen“

Stichworte fallen: Cybercrime, Salafismus und Terrorgefahr, und immer wieder Wohnungseinbruchskriminalität: „Warum sind andere Länder da so viel erfolgreicher als NRW?“, fragt Laschet. Die Antwort ist einfach: Weil kein anderes Land mit so vielen Autobahnen, dichter Besiedelung und Bevölkerung eine so günstige Infrastruktur für Wohnungseinbrüche bietet – was die Bekämpfung ungleich schwieriger macht. Doch das Thema zieht.
„Losgelöst“ von praktischen Anweisungen soll sich die Sicherheitskommission „Gedanken machen“ über neue Rechtsgrundlagen, „ganz eng“ an der zukünftigen Regierung, erzählt Laschet. Und bleibt weiter nebulös: Auf jeden Fall sei das Ganze auf „mehr als nur einige Wochen“ angelegt, am besten so lange, „bis die zukünftigen Forderungen zur Inneren Sicherheit umgesetzt werden“ können.

Bosbach: Kein politisches Amt mehr!

Bosbach will Wohnungseinbrecher dingfest machen und erzählt von seinem „ersten Leben als Supermarktleiter“: Dort habe man Ladendiebe direkt gestellt – „100 Prozent Aufklärungsquote!“. Helfen könne, so sein Credo, nur „Erziehung zur Gewaltlosigkeit und Toleranz“. Wie – das bleibt offen. Aber nein, Innenminister werde er keinesfalls, versichert Bosbach dann entschieden – kein politisches Amt mehr!

Das gab’s doch schon mal …

Das Ganze weckt Erinnerungen an die letzte Landtagswahl in NRW, 2012: Damals war es der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Friedrich Merz, der kurz vor knapp überrraschend aus der Kiste kam. Auch er hatte bereits dem Politikbetrieb – und indirekt auch seiner CDU – abgeschworen, auch er sollte nun eine Kommission zusammenstellen, die einen möglichen NRW-Ministerpräsidenten Norbert Röttgen (CDU) zur Industriepolitik beraten könnte.

Düsseldorf, 23.03.2012. Norbert Röttgen, (l) und sein Parteifreund Friedrich Merz (r)
Wahlkampf 2012: Norbert Röttgen und „Kommissionsleiter“ Friedrich Merz

Die Formeln dazu klangen auch damals eher unscharf: „Wie schaffen wir es, die Zahl der Arbeitsplätze zu erhalten? Wie schaffen wir es, in größeren Zusammenhängen zu denken?“ Und nein, Landesminister in NRW werde er keinesfalls, hatte Merz damals ebenfalls kühl vermeldet. Wohl in weiser Voraussicht: Nach der Landtagswahl 2012 emigrierte die CDU in die Opposition.

Klingt das alles nach einem Plan? Eher nach hektischem Aktionismus in turbulenten Wahlkampfzeiten, da den Altparteien der Boden unter den Füßen wackelt. Mit einem Joker namens Bosbach.

Über den Autor

Kickstart als WDR-Radioautorin: Eine mitternächtliche Radioreportage über heimliche Partys im Freibad. Das war direkt nach dem Abitur. Später Architekturstudium. Doch politische Themen lockten mehr. Also wieder Radio – für WDR, Deutschlandfunk. Aufbau der taz-Redaktion in NRW. Beiträge für „Monitor“. Leidenschaft: Wühlen, aufdecken, erzählen.

1 Kommentar

  1. Dorothea Karin am

    Da kann man Herrn Laschet nur gratulieren.
    Ich wünsche mir von Herrn Laschet für NRW eine CDU geführte Politik die auch die Soziale Gerechtigkeit der Bürger in NRW berücksichtigt die gerade mal am Existenzminimum leben müssen.
    Vorschlag
    Ausreichende Rente aufgrund langjähriger Anstellung und trotz Brutto Jahreseinkommen unter 30.000 €
    Für alle ein (bezahlbares)NRW Ticket was die Beförderung des gesamten Verkehrsnetz in NRW betrifft.
    Ein gerechteres Gesundheitswesen
    Viel Erfolg Herr Laschet und Kraft für ihr Durchsetzungsvermögen.
    LG Doris Böning

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