Von Bösewichten in Fußball und Sport

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Von Bösewichten in Fußball und Sport

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Ein Liebling der traditionellen Medien wird Christian Lindner wohl nicht mehr. Der FDP-Vorsitzende hat hier ein großes Problem – und das ist seine Parteizugehörigkeit. Die Liberalen niederzumachen, hat Tradition im deutschen Journalismus – spätestens seit Hans-Dietrich Genscher 1982 die sozialliberale Koalition in Bonn aufkündigte. Und so ist es für mich kein Zufall, dass die meisten Artikel über die neue obligatorische Offenlegung von Nebeneinkünften der nordrhein-westfälischen Landtagsabgeordneten an erster Stelle die gut 25.000 Euro nannten, die Christian Lindner im ersten Quartal des Jahres für Vorträge kassiert hat.

Obwohl nichts Unrechtes dabei ist, schwingt in der Berichterstattung stets so ein Unterton mit – nach dem Motto. Klar, FDP-Politiker macht sich die Tasche voll. Haben wir doch immer schon gewusst.

Ist der Ruf erst ruiniert, kommt mir da in den Sinn. Lindner büßt heute noch für die Fehler, die seine Vorgänger in der FDP gemacht haben. Erinnern Sie sich noch an die Namen: Rösler, Niebel, Brüderle…oder auch Möllemann? Dass Lindner sich auf den Weg gemacht hat, die Liberalen von Grund auf zu erneuern, wird oft ignoriert.

Neuer Fokus auf liberale Kernthemen mit den Schwerpunkten Bildung und Bürgerrechte? – Unglaubwürdig! Wahlerfolge in Hamburg und Bremen? – Reiner Zufall, im Wesentlichen den hübschen Spitzenkandidatinnen zu verdanken! Neuer moderner Auftritt der FDP? – Klar, die Form geht über Inhalte!

Mir ist das zu einfach. Keine Analyse, kein gründliches Draufschauen – die Welt ist so, wie ich sie sehe, und sie bleibt auch so. Es ödet mich an, wenn einfach von vornherein klar ist, wer gut ist und wer böse.

Wieso kommt mir hier gerade der SC Paderborn in den Sinn? Weil es dort – in einem ganz anderen Bereich als der Politik – genau anders herum läuft. Der westfälische Fußballklub ist ein Liebling der Medien, fast alle drücken ihm die Daumen, dass es doch noch klappt mit dem Klassenerhalt in der Bundesliga. Das Bild vom sympathischen Kleinverein, der den bösen reichen Großklubs die Stirn bietet, ist tief verwurzelt. Und genauso falsch wie das Image der FDP als kaltherzige Kapitalistenpartei.

Der SC Paderborn wird regiert von einem Präsidenten Wilfried Finke. Der Möbelunternehmer sagt von sich selbst, er führe den Klub nach Gutsherrenart. Er allein hat den Verein mit zweistelligen Millionenbeträgen nach oben geführt. Ohne ihn, sagt Bentley-Fahrer Finke, gäbe es den Klub wahrscheinlich gar nicht mehr. Dagegen ist ja nichts zu sagen, aber letztlich ist der SC Paderborn so nichts anderes als die SG Hoffenheim mit SAP-Gründer Dietmar Hopp. Der aber gilt als der böse Fußballmillionär – also sozusagen der Christian Lindner der Bundesliga…

Über den Autor

Drei Jahre als Korrespondent in Düsseldorf und jetzt schon meine zweite Landtagswahl. So hatte ich mir das nicht gedacht, als ich 2009 von WDR 2 in Köln in die Landeshauptstadt gewechselt bin. Aber spannend ist es schon. Wahlkampf, Koalitionsverhandlungen, dann das Experiment Minderheitsregierung, jetzt also wieder Wahlkampf. Und wir als Journalisten immer mittendrin. Das ist das Schöne an der Landespolitik, man bekommt vieles hautnah mit. Meine Schwerpunktthemen sind Haushalt und Finanzen, die Hochschulpolitik, und bei den Parteien FDP und Linke. Und wenn es mal keine Politik ist, hält mich die Familie auf Trab. Drei Kinder machen mindestens so viel Trubel wie fünf Parteien.

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