Wie eine zugespitzte Überschrift einen Kurssprung auslöste

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Wie eine zugespitzte Überschrift einen Kurssprung auslöste

Kommentare zum Artikel: 1

Manchmal reibt man sich die Augen, über die Wirkung vermeintlich harmloser Worte. Ein wunderschönes Beispiel gab es gestern zu bestaunen. Da gibt CDU-Parteichef Armin Laschet der WAZ ein Interview, sagt einen mehr oder weniger unüberlegten Satz über den Energieriesen RWE, die Zeitung spitzt den Satz ein wenig zu – und einen Tag später schießt der Aktienkurs von RWE steil nach oben.

Staatshilfen für RWE?

Aber der Reihe nach. In dem Interview ging es nur an einer Stelle um RWE. Auf die Frage, ob die Politik gegensteuern müsse, wenn viele Kommunen unter der Schieflage von RWE leiden, antwortete Laschet: “Es gibt aus meiner Sicht eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, gemeinsam mit dem Unternehmen die Bewältigung der Vergangenheitslasten (…) zu organisieren.” Was bedeutet dieser Satz? Das ist nicht ganz eindeutig. Die WAZ jedenfalls macht daraus die Überschrift, Laschet fordere Staatshilfen für RWE.

Eine Nachricht macht die Runde

Das ist eine ziemlich weit reichende Interpretation. Aber es ist eine starke Nachricht. Und sie macht schnell die Runde. Das Handelsblatt, der Kölner Stadtanzeiger, der WDR – alle nehmen das Thema auf. Die Rheinische Post spricht davon, dass Laschet den Energieriesen mit “sozialistischen Mitteln” retten wolle. Dann fühlt sich auch noch Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) berufen, dem Ansinnen eine barsche Abfuhr zu erteilen. Kurzum: Einen Tag lang diskutiert halb NRW über Staatshilfen für RWE. Und an der Börse schießt der gebeutelte Aktionkurs des Unternehmens um fast sechs Prozent nach oben.

Das Problem ist nur: Laschet hat nie von Staatshilfen gesprochen. Was genau er gemeint hat mit “gesamtgesellschaftlicher Verantwortung”, weiß wohl nur er selbst. Erklären will sich Laschet nicht. Sein Sprecher hat einen Tag lang viel damit zu tun, die Aufregung zu beruhigen und die Geschichte klein zu reden. Am Ende ist es der klassische Sturm im Wasserglas, wie der Stadtanzeiger richtig bemerkt. Ein Stürmchen, das gleichwohl nachdenklich macht.

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Online-Reporter sind im Düsseldorfer Politik-Betrieb immer noch eine Seltenheit. Das hat sich seit 2011, als ich in Düsseldorf angefangen habe, nicht verändert. Ich schreibe, blogge und twittere über alles, was mit Landespolitik zu tun hat. Egal, ob Jagdgesetz, Haushaltsdebatte oder Funkloch-Affäre. Nachzulesen - unter anderem - bei WDR.de.

1 Comment

  1. So geht also eine Zeitung, die als seriös gelten will, mit Zitaten aus Interviews um? Und andere namhafte Medien sind sich nicht zu schade, dies ungeprüft weiter zu verbreiten?
    Hier sollten sich die beteiligten Journalisten schleunigst selbstkritisch an die eigene Nase fassen und nicht über Herrn Laschet herziehen, der sich sicherlich wenig konkret, aber berechtigt so ausgedrückt hat!!! Oder war das eigentliche Ziel der Meldung eine bewußte Kursmanipulation an der Börse? Sollte vielleicht die Börsenaufsicht ermitteln?

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