Tag 158: Der Ex-Angeklagte aus dem Bauamt

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Tag 158: Der Ex-Angeklagte aus dem Bauamt

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Tag drei der Zeugenaussage des Ex-Angeklagten und Mitarbeiters des Bauamtes. Heute haben Nebenkläger und Verteidiger das Fragerecht. In der Regel sind diese Prozesstage schnell zu Ende. Heute nicht. Es melden sich überraschend viele Anwälte zu Wort. Doch die Antworten des Zeugen sind sehr kurz.

Die Zäune

Zunächst geht es um die Zäune an der Rampe. Es wird ein Überwachungsvideo gezeigt, das den oberen Rampenbereich zeigt. Darauf kann man die Menschenmengen auf der Rampe und darüber zwei Reihen von Zäunen erkennen. Das Video zeigt, wie Menschen beide Zaunreihen durchbrechen und auf das Gelände klettern. Der Zeuge wird gefragt, ob er sich im Vorfeld Gedanken gemacht habe, was passieren könne, wenn Zäune umgeworfen werden. “Nein”, sagt der 57-Jährige. Mehr nicht. Vieles von dem, was er sagt, klingt für mich fragmentarisch. Ein weiteres Beispiel: „Vereinzelungsanlagen haben da zu sein. Wie sie auszusehen haben, steht nicht im Gesetz. Wir müssen prüfen, ob sie vorhanden sind. Sie waren vorhanden“, sagt der Beamte. Er kommt an keiner Stelle der Befragung in einen längeren Erklärmodus. Seine Sätze sind kurz und präzise. Auf die Frage, ob er glaube, dass er die Katastrophe hätte verhindern  können, wenn er am Tag der Veranstaltung das Gelände geprüft hätte, sagt er: “Nein.”

Pläne

Den zweiten Teil des Prozesstages verbringen wir gefühlt völlig damit, den Ausführungen eines Verteidigers zuzuhören. Die Einleitung zu seinen Fragen ist so ausführlich, dass auf der Nebenklagebank Protest laut wird. Inhaltlich geht es um Pläne des Veranstaltungsgeländes, die zu verschiedenen Zeiten angefertigt wurden. Daran lässt sich erkennen, was laut Plan im Laufe der Zeit und der Veranstaltung umgestaltet worden ist. Inwiefern diese Pläne auch umgesetzt worden sind, wird teils über Fotografien verglichen. Es ist ein zäher Teil der Verhandlung.

Stau auf der A59

Auf dem Rückweg vom Loveparade-Prozess fahre ich wie immer über die A59. Stau bis zur Ausfahrt ins Zentrum. Rechts von der Strecke sehe ich das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs. Es ist völlig zugewachsen und die große Ruine ist immer noch nicht abgerissen, sie steht unverändert da. Ich bin gebürtige Duisburgerin und solange ich mich erinnern kann, ist jedes Bauprojekt auf diesem Areal gescheitert. Ein Einkaufszentrum, das Multicasa heißen sollte, moderne Wohn- und Bürogebäude wie sie der Star-Architekt Sir Norman Foster entworfen hatte, Pläne für ein Möbelhaus und auch ein Outlet-Center sind gescheitert. Wie hier im Sommer 2010 eine kostenlose Party für Hunderttausende Menschen veranstaltet wurde? Das verstehe ich bis heute nicht.

Über den Autor

1979 in Duisburg geboren. Nach einem Volontariat bei einem TV-Sender ging es weiter als freie Videojournalistin für verschiedene TV Sender und internationale Online-Plattformen. Seit 2016 im WDR Studio Duisburg zuhause.

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