Tag 16: „fast“ Prozessroutine

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Tag 16: „fast“ Prozessroutine

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Seit meinem ersten Tag beim Loveparade-Prozess in Düsseldorf sind jetzt schon einige Wochen vergangen.  Vielleicht habe ich nach meiner Ankunft auch deshalb das Gefühl, dass alle, denen ich im Gerichtsgebäude begegne, so routiniert wirken. Die Prozessbeteiligten finden am 16. Tag ihre Wege, keine Probleme bei den Einlasskontrollen ins Gebäude und den Gerichtssaal. Der Ablauf funktioniert reibungslos.

Der Gerichtssprecher bestätigt meinen Eindruck: „Jetzt kann man merken, dass sich alles eingespielt hat.“ Inhaltlich stelle ich mich auf einen eher zähen Tag ein. Es geht heute um den ersten Teil der toxikologischen Gutachten: Ergebnisse der Blutuntersuchungen der 21 Todesopfer und die Frage, ob und falls ja, was sie kurz vor ihrem Tod an Substanzen konsumiert haben. Alkohol, Cannabis, Ecstasy? Heute geht’s ausschließlich um den Inhalt der Berichte – die Opfer darin kategorisiert und durchnummeriert. Prozessroutine eben.

Alkohol und Drogen im Blut nachgewiesen

Der Gutachter sitzt in der ersten Reihe direkt vor dem Richterpodium. Er hat seine Unterlagen vor sich liegen, alles ist vorbereitet. Der Ablauf für die nächsten Prozess-Stunden sieht so aus: Der Gutachter liest die Zusammenfassung eines Berichts vor, die detaillierte Ausführung kommt dann vom vorsitzenden Richter Plein.

Das erste untersuchte Todesopfer um das es geht, war laut Gutachten stark alkoholisiert. Bei einem weiteren wurden Amphetamine nachgewiesen. Bei anderen wurde dagegen nichts gefunden. Richter Plein liest die Berichte in hohem Tempo und mit monotoner Stimme. Es fallen immer wieder Begriffe wie „Leichenöffnung, Herzblutprobe, Derivatisierung und UV-Spektrometrie“. Da fällt es manchmal schwer, ihm zu folgen. Vor allem, weil sich neben all den Fachbegriffen immer wieder die Bilder der Handy-Aufnahmen aus der Massenpanik in mein Gedächtnis schleichen. Es ist dann eben doch nur fast Prozessroutine hier auf dem Messegelände in Düsseldorf eingekehrt.

„Mosaiksteinchen unter Vielen“

Welche Bedeutung die Gutachten am Ende für den Prozess haben werden, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Es ging heute um die reinen Fakten. Und auch ein Gerichtssprecher macht nach dem Prozesstag noch einmal klar: “Die toxikologischen Gutachten sind ein Mosaiksteinchen unter Vielen“. Sie sind erst wieder am Mittwoch Thema beim Loveparade-Prozess. Morgen geht es mit den Zeugenaussagen weiter.

 

Über den Autor

1982 im Ruhrgebiet geboren. Nach dem Volontariat ging es für knapp drei Jahre nach Berlin. Dort unter anderem Nachrichtenredakteur beim rbb. Seit 2017 wieder zu Hause im Ruhrgebiet, beim WDR.

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