Tag 174: Zäune und Vorsperren

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Tag 174: Zäune und Vorsperren

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Der Prozesstag ist heute inhaltlich zweigeteilt. Zu Beginn erfahren wir von einem ehemaligen Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, wie es dazu kam, dass er die Zäune am Westeingang des Tunnels öffnete und viele Besucher unkontrolliert hineinströmen konnten. Nach diesem Zeugen werden Videoaufnahmen der Polizei vorgeführt, auf denen man die Vorsperren auf der Düsseldorfer Straße erkennen kann.

Wer war der Polizist?

Der 58-jährige Oberhausener ist 2010 als Sicherheitsmann für eine Firma tätig gewesen, die mit rund 30 Leuten an den Eingängen postiert war. Sein ehemaliger Chef hat vor zwei Wochen ausgesagt.

Der 58-jährige hat bereits bei der Polizei ausgesagt, dass er derjenige war, der die Zäune neben den Einlassanlagen aufgeschraubt hat. Somit sind, wie auf der Überwachungskamera erkennbar, viele Menschen unkontrolliert in den Tunnel gelaufen. Ein Polizeibeamter, dessen Identität bis heute nicht geklärt werden konnte,  habe dem Zeugen einen Maulschlüssel durch den Zaun gereicht und ihn aufgefordert sie zu öffnen.

Die Befragung des Zeugen ist kurz. Der Oberhausener ist bemüht alle Fragen zu beantworten. Er sei nach der Loveparade-Katastrophe zu einer Vernehmung bei der Polizei gegangen. Da hätte eine Anwältin der Firma Lopavent dabeigesessen. “Danach war man alleine.” Um die seelische Aufarbeitung habe er sich privat kümmern müssen.

Polizeivideos

Im zweiten Teil des Prozesstags werden Videos vorgeführt. Es sind Aufnahmen, die verschiedene Polizisten an den Vorsperren auf der Düsseldorfer Straße gemacht haben. Sie wirken so, als seien sie mit einer Helmkamera gedreht worden. Als Zuschauerin fühle ich mich mitten im Geschehen. Die Aufnahmen sind teilweise mit einem Timecode ausgestattet. Im Gegensatz zu fest installierten Überwachungsbildern, wirken sie auf mich eher subjektiv. Diese Aufnahmen werden wohl, wie es heute anklang, im Gutachten des Sachverständigen Professor Gerlach eine Rolle spielen.

Vorsperren

Die erste Vorsperre wird laut Timecode etwa um 14:30 Uhr durch Polizeieinsatzwagen errichtet. Es gibt einen kurzen Tumult. Eine Lautsprecherdurchsage ist zu hören. Die Straße werde gesperrt, da es sonst zu einer Massenpanik kommen könne. Die Menschen wirken noch recht entspannt.

Je später es wird, desto mehr Menschen sieht man auf den Aufnahmen. Unzählige Köpfe, die stillstehen. Dann sieht man Personen, die springen, klettern, sich irgendwie, irgendwo durchquetschen. Absperrungen, die überlaufen und dann wieder von Beamten unter Kontrolle gebracht werden. Teilweise wirken die Bilder chaotisch und doch scheint die Polizei die Lage im Griff zu haben. Ein klares Gesamtbild entsteht dabei nicht. Um etwa 17:30 Uhr hört man wieder Lautsprecherdurchsagen. Die Veranstaltung sei abgebrochen worden. Die Menschen werden aufgefordert zurück zum Bahnhof zu gehen. Doch es dauert Stunden bis sich die Masse auflöst. Um drei Uhr morgens hört man, wie der Polizist hinter der Kamera sagt, dass der Einsatz und diese Aufnahmen jetzt beendet seien. Die Anwälte im Saal kündigen an, sich in den kommenden Prozesstagen zu den Aufnahmen äußern zu wollen. Morgen wird die Verhandlung fortgesetzt.

Über den Autor

1979 in Duisburg geboren. Nach einem Volontariat bei einem TV-Sender ging es weiter als freie Videojournalistin für verschiedene TV Sender und internationale Online-Plattformen. Seit 2016 im WDR Studio Duisburg zuhause.

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