Tag 34: Adolf Sauerland – Mittelpunkt trotz Abwesenheit

https://blog.wdr.de/loveparade-prozess/tag-34-adolf-sauerland-mittelpunkt-trotz-abwesenheit/

Tag 34: Adolf Sauerland – Mittelpunkt trotz Abwesenheit

Kommentare zum Artikel: 0

Der Ex-Oberbürgermeister Adolf Sauerland ist nicht angeklagt. Er ist heute nicht einmal anwesend. Dennoch sind er und insbesondere seine Aussage wieder Kernpunkte des Prozesstages. Denn heute äußern sich die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger zu Sauerlands Ausführungen.

Die Anwälte sind in ihrem Element – hatten sie doch drei Wochen Zeit all ihr juristisches Können in die Formulierung dieser Stellungnahmen zu stecken. So raucht mir bald der Kopf. Denn ich versuche bei dem Vorlese-Tempo, das mich an ein Formel 1 Rennen erinnert, noch etwas von ihrem „Juristendeutsch“ zu verstehen.

Juristische Feinheiten des Verwaltungsrechts

Laut Staatsanwaltschaft sei es nicht nachzuvollziehen, dass Sauerland keine Fehler bei den städtischen Mitarbeitern sehe. Das Sicherheitskonzept habe von der Bauaufsicht geprüft werden müssen.

Genau dieses Argument sorgt auf der anderen Seite des Saals seitens der Verteidiger für Widerspruch. Mit zahlreichen Paragraphen schmücken insbesondere die Anwälte der Mitarbeiter der städtischen Baubehörde ihre Statements. Ein Sicherheitskonzept sei keine Bauvorlage und müsse demnach nicht vom Bauamt geprüft werden.

Ich frage mich: Von wem dann? Doch bevor ich diesem Gedanken zu Ende folgen kann, geht es mit Vollgas weiter.

Wenn Adolf Sauerland belastet wird, werden die Angeklagten dann entlastet?

Von kommunal- und dienstrechtlicher Verantwortung ist die Rede. In diesem Sinne seien der Oberbürgermeister und der Rechtsdezernent, den er damals als Projektkoordinator eingesetzt hatte verantwortlich, sagt einer der Verteidiger. Aber für mich persönlich ist diese Aussage äußerst unbefriedigend. Denn würde das nicht bedeuten, dass die Staatsanwaltschaft es versäumt hat, die beiden anzuklagen?

Nein denke ich, du gehst der Verteidigungsstrategie auf den Leim. Denn hier scheint jeder mit dem Finger auf einen anderen zu zeigen, vornehmlich auf jemanden, der nicht angeklagt ist.

Selbst wenn es zutrifft, dass die Staatsanwaltschaft versäumt haben sollte den Ex-OB und seinen Projektkoordinator anzuklagen, spricht das nicht automatisch diejenigen frei, die heute hier vor Gericht stehen. Doch das ist nur meine persönliche Meinung.

Im Anschluss an die Erklärungen der Anwälte werden die Einsatzpläne der Polizei und andere Schriftstücke, wie ein Gesprächsprotokoll verlesen. Eine Formalie – denn der Inhalt der Schriftstücke ist allen bekannt. Stundenlang sitzen wir also da und hören zu.

Während Richter Mario Plein ein beeindruckendes Lesetempo erreicht, plagen mich die Kopfschmerzen. Ich bin längst an die Grenzen meiner Aufnahmekapazität gekommen.

Morgen geht es weiter mit den Aussagen zweier Nebenklägerinnen.

Über den Autor

Top