Tag 36: Alles anders als geplant

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Tag 36: Alles anders als geplant

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Es sollte eine Belohnung werden: 2010 sind die Zeugin und ihre Freundin 21 Jahre alt. Sie studieren Modedesign an der „Politecnico di Milano“. Gemeinsam pauken sie in Mailand für ein Uni-Projekt, sagt die heute 29-Jährige. Da habe eine der beiden die Idee: Einmal im Leben die Loveparade besuchen.

Für eine der jungen Italienerinnen endet diese Reise nach Duisburg mit dem Tod. Die andere sitzt heute im Zeugenstand und schildert gefasst den Ablauf des 24. Juli 2010. Eine Dolmetscherin übersetzt.

Die Zeugin erzählt, wo sie langgelaufen seien. Wo sie sich im Tunnel befanden. Wie sie sich aus den Augen verloren und wie sie schließlich vom Tod ihrer Freundin erfahren habe.

Nach den Schilderungen der Zeugin beginnt der vorsitzende Richter die Befragung. Doch diese wird auf Anregung der Anwälte verkürzt. Es gibt keine weiteren Fragen an die junge Frau.

Geschäftsführer: ja oder nein?

Es geht weiter mit Erklärungen zur Zeugenaussage von Rainer Schaller. Die Staatsanwaltschaft äußert weiterhin keine Zweifel daran, dass der hier angeklagte ehemalige Lopavent-Mitarbeiter hauptverantwortlich für die Planung und Durchführung gewesen sein soll und nicht Rainer Schaller.

Seine Verteidigerin sieht die Verantwortung jedoch klar bei Schaller und nicht bei ihrem Mandanten. Offiziell und faktisch sei Schaller bis heute der Geschäftsführer der Lopavent. Zudem würden ihrer Ausführung nach E-Mails fehlen, die Schallers Rolle bei der Planung der Loveparade 2010 belegen könnten. Laut der Verteidigerin seien entscheidende Mails von Behörden nicht sichergestellt worden.

Erklärungen zur Entfluchtungsanalyse

Ein Thema steht heute noch auf der Agenda: die Entfluchtungsanalyse. Im Zusammenhang damit wird aus den Reihen der Verteidigung die Rolle der Polizei kritisiert. Diese habe die Vorgaben nicht eingehalten. Nicht alle Rettungswege seien freigehalten worden. Zum Beispiel hätten Fahrzeuge das Veranstaltungsgelände umfahren müssen und sich nicht auf der Karl-Lehr-Straße befinden dürfen. Dem sei die Polizei nicht nachgekommen.

Wer sollte die Entfluchtungsanalyse prüfen?

Die Verteidigung führt an: Bei der Prüfung der Entfluchtungsanalyse habe sich die Duisburger Baubehörde auf das Gutachten des Strömungsforschers Michael Schreckenberg verlassen. Die Behörde habe ihn als Experten hinzugezogen und sich auf seine Einschätzung verlassen. Da sie selbst über keinen geeigneten Sachverständigen verfügt habe, sei dies das korrekte Vorgehen gewesen.

Die italienische Zeugin und Nebenklägerin ist am Ende der Verhandlungstages nicht mehr anwesend. Es ist nachvollziehbar, denke ich. Sie und ihre Freundin hatten einen guten Plan. Einen Tag Shoppen in Düsseldorf, am nächsten Tanzen in Duisburg und danach Sightseeing in Amsterdam. Leider kam alles anders als geplant.

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