Aus Frankreich

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Aus Frankreich

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Autofiktionales Schreiben – aus dem eigenen Leben zu erzählen und daran gesellschaftliche Themen festzumachen, ist immer noch und immer wieder ein großes Thema in der Literatur, international, weltweit. Ungekrönte Königin dieser Art zu schreiben ist die französische Schriftstellerin Annie Ernaux, geboren 1940; sie bezeichnet sich auch als Ethnologin ihrer selbst. Entscheidend für ihre Entwicklung war der Tod des Vaters und ihre Auseinandersetzung mit diesem Lebens-Ereignis, nachzulesen in dem Roman “Der Platz”, der in den 1980er Jahren erschien. Jetzt ist die Hörspielversion des Hessischen Rundfunks auch als Hörbuch veröffentlicht worden: Ein Paradebeispiel dafür, wie beeindruckend die Kunst des Hörspiels sowieso schon große Literatur nochmals zusätzlich veredeln kann, wenn die richtigen Leute die richtigen Ideen haben und diese auch umzusetzen vermögen, in diesem Fall Regisseur Erik Altorfer und Schauspielerin Stephanie Eidt. (Der Audio Verlag, 2020, Euro 14,–)

klein – aber OHO! Zwei schmale Romane aus Frankreich, die große Welten bergen: Nicolas Mathieu erzählt in “Rose Royal” (Hanser Berlin, übersetzt von Lena Müller und André Hansen, Euro 18,–) von Rose, einer schönen Frau im besten Alter, die sich vom Leben und von den Männern nicht mehr viel verspricht, sich aber trotzdem nochmals aus ihrer Eckkneipe herauslocken und auf ein Liebes-Versprechen einlässt – eine Liebesgeschichte also, die nach Höhen und Tiefen bloß fatal enden kann, die Frage ist nur: Wie? Und welche Rolle spielt dabei die Pistole, die sich Rose angeschafft hat, vorsichtshalber? Diese gerade mal 95 Seiten lange Geschichte trifft sowas von auf den Punkt – und eröffnet doch jede Menge Resonanzräume, sehr klasse das. * Und in Julia Decks schmalen Roman “Privateigentum” (Wagenbach Verlag, übersetzt von Antje Peter, Euro 18,–) geht es um das Leben und am-Leben-scheitern einiger Paare und Familien, die sich in einer blitzsauberen, neuen Ökosiedlung vor den Toren von Paris eingekauft haben, wo – Schein und Sein – nicht wie erwünscht das gute Leben folgt, sondern die Alltagshölle mit allen möglichen Geheimnissen und Verwerfungen, die allen Vorstadtsiedlungen inne wohnt, zumindest in Literatur und Film. Noch so ein Roman, der Persönliches und Gesellschaftliches gekonnt zusammen mischt, unerbittlich und zugleich doch mit einer zarten Prise schwarzen Humors.

2 Kommentare

  1. Hallo Herr Noller,

    ich habe gerade eben zu spät eingeschaltet. Sie haben von einem Buch, einer Trilogie, erzählt, die auch auf Netflix laufen soll.
    Würden Sie mir nocheinmal mitteilen um welches Buch es sich handelt.

    Vielen Dank
    Nadia Braun

    • Ja, klar, gerne: Es handelt sich um die Trisolaris-Trilogie von Cixin Liu. Das sind die Romane “Die drei Sonnen”, “Der dunkle Wald” und “Jenseits der Zeit” ….

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