Das Beste von der lit.Cologne: „Cosmo liest“-Sondersendung am Ostermontag abends

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Das Beste von der lit.Cologne: „Cosmo liest“-Sondersendung am Ostermontag abends

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Vier Stunden Lesungsmitschnitte aus den aktuellen Romanen von: Sasha Salzmann, Szczepan Twardoch, Antonin Varenne und Virginie Despentes. Zu hören bei „Cosmo“ am 2. April zwischen 20 und 24 Uhr.

Immer wieder ein Vergnügen: Die Events, Diskussionen und Lesungen, die das Kölner Literaturfestival Jahr für Jahr im März auf die Beine stellt, ein literatur-logistisches Großunternehmen, das seinesgleichen sucht. Respekt! Zum 18. Mal fand die lit.Cologne 2018 schon statt; seit ungefähr 15 Jahren ist „Cosmo“ mit dabei: Viele Jahre lang – noch zu Zeiten des alten Labels „Funkhaus Europa – haben wir uns auf Krimis konzentriert; insgesamt um die 50 Lesungen aufgezeichnet und ausgestrahlt. Als das nicht langweilig, aber doch etwas redundant wurde, entschieden wir, nicht mehr ausschließlich auf´s Genre zu setzen, sondern möglichst die vier, fünf Lesungen „abzugreifen“, die uns besonders interessant schienen. Egal, ob Krimi – oder nicht.

Und in diesem Jahr haben wir erstmals eine Veranstaltung gemeinsam mit der lit.Cologne präsentiert – die Lesung mit Sasha Marianna Salzmann aus ihrem Roman „Außer sich“, mit dem sie im letzten Jahr einen der begehrten Shortlist-Plätze beim Deutschen Buchpreis errang. Etwas überraschend, weil es sich um einen Debütroman handelt, der da direkt zu den besten Sechs des Jahres gezählt wurde – aber keineswegs unverdient, denn „Außer sich“ kann was, wie man so sagt: Sehr geschickt und listig kreuzt Sasha Salzmann in ihrem Debüt eine russisch-deutsch-jüdische Familiengeschichte über 100 Jahre mit der Story einer Erzählerin, die im politisch erschütterten Istanbul der Vorputschzeit nicht bloß nach ihrer Identität, sondern vor allem ihren verschwundenen Zwillingsbruder sucht – von dem man allerdings nicht so genau weiß, ob er tatsächlich existiert oder bloß eine Spiegelung ihrer selbst ist. Klingt kompliziert, ist es auch, macht aber nix, weil eben listig und geschickt inszeniert und süffig, mit Leidenschaft erzählt. Und wenn die Autorin selbst liest, mit ihrer auf zarte Weise erstaunlich präsenten Stimme, dann versteht man nochmal besser, worum genau es ihr ging mit ihrem Roman, da hatte die Lesung das eine oder andere Aha-Erlebnis zu bieten. Sagen wir so: Sasha Marianna Salzmann ist auf jeden Fall eine der interessantesten Stimmen der zeitgenössischen Literatur aus Deutschland, in mehrfacher Weise.

Dass die AutorInnen selbst lesen, ist bei der lit.Cologne eher die Ausnahme – bei den vielen internationalen Gästen übernehmen prominente Schauspieler oder gute Sprecher der örtlichen Bühnen den deutschen Part. Optimal ist es natürlich, wenn prominente Schauspieler, die auch noch gute Sprecher sind, lesen – und das war bei den Veranstaltungen, die wir in diesem Jahr aufgezeichnet haben, durchgehend der Fall: Peter Lohmeyer gab „Äquator“, dem neuen Western/Abenteuerroman von Antonin Varenne auf kongeniale Weise eine (ziemlich passend versoffen klingende) Stimme. Ulrich Matthes hatte spürbar Vergnügen damit, die Welten von Virginie Despentes „Vernon Subutex“ mit allen möglichen Facetten von Leben am Abgrund zu auszuirrlichtern. Und Peter Kurth war genau der Richtige, um in grummelndem Moll die Tiefenschichten zu ermessen, die Szczepan Twardoch mit seinem grandiosen Roman „Der Boxer“ in der polnisch-jüdischen Geschichte antriggert. Tatsächlich war in diesem lit.Cologne-Jahr bei uns erstmals gar kein ausgewiesener Krimi dabei – aber doch drei Romane, die allesamt irgendwie auch mit den Mitteln des Genres operieren, eben ohne Krimi zu sein: Ein spektakulärer, zeitgeschichtlicher Exkurs aus Polen, der auch ein Gangsterroman ist – ein Gesellschaftspanorama der Pariser Indieszene, das exaltierte Züge des Noir trägt – und ein historischer US-Abenteuerroman französischer Herkunft, der Erzählmuster des Krimis (fast) ebenso sehr bedient wie die des Western. Klingt kompliziert? Ist es nicht. Sondern: Eine ziemlich bunte, ziemlich spannende, ziemlich vergnügliche Mischung.

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