Familiengeschichte/n – von Khuê Phạm, Alois Hotschnig und Stella Leder

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Familiengeschichte/n – von Khuê Phạm, Alois Hotschnig und Stella Leder

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Für die deutschsprachige Literatur ist die Migration sowas wie ein Sechser im Lotto, das war hier ja schon öfter Thema: Die Welt weitet sich; neue Stimmen, die auch was zu sagen haben; und natürlich die oft sehr spannenden Migrationsgeschichten. Ein gutes Beispiel dafür ist auch „Wo auch immer ihr seid“ (btb, Euro 22,–), der Debütroman der „Zeit“-Journalistin Khuê Phạm, die in Deutschland, den USA und natürlich in Vietnam der Geschichte ihrer Familie nachspürt und dabei – nach etwas bemühtem Start – eine zunehmend packende Zeit-Geschichte mit Sogwirkung und vielen Aha-Erlebnissen erzählt. Beeindruckend. Es gibt ja schon sehr viele autofiktionale Familienromane „mit Migrationshintergrund“ in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur – schön, dass jetzt die auch vietnamesisch-deutsche Variante mit im Angebot ist.

Noch eine tolle Entdeckung – ist der Roman „Der Silberfuchs meiner Mutter“ (Kiepenhauer & Witsch, Euro 20,–) von Alois Hotschnig, der da zwar nicht die eigene Familien- bzw. Lebensgeschichte fiktionalisiert hat, sondern die des österreichischen Schauspielers Heinz Fitz, das aber im Auftrag von Fitz, mit größtmöglicher Freiheit. Und auch diese Geschichte hat es wirklich in sich: Seine Mutter stammte aus Kirkenes in Nordnorwegen, der österreichische Vater war Teil der Wehrmachtssoldaten, die dort Anfang im Zweiten Weltkrieg stationiert waren. Heißt: In Norwegen war sie fortan die „Nazi-Hure“, in Österreicher später die „Norweger-Hure“. Was auch damit zu tun hatte, dass sie ihren Sohn zwar – Stichwort „Lebensborn“ – in Österreich zur Welt brachte, der Vater sein Kind aber nie anerkannte. Hinzu kommt ein großes Geheimnis, um das der Roman kreist, auch mit sprachlichen Mitteln übrigens: Warum hat sie den Sohn in den ersten Jahren seines Lebens auf einem Bauernhof bei Fremden untergebracht und sich erst nach dem Ende der NS-Zeit selbst um ihn gekümmert? Auch die Antwort darauf ist ein Teil des NS-Schreckens, zugleich bedeutet sie paradoxerweise für den Sohn, also für Heinz Fitz, als Erkenntnis ein helles Licht.

Das alles heute zwischen 14 und 15 Uhr auch im Gespräch on Air bei „Cosmo“. Und wo wir schon bei autobiographisch inspirierten Familiengeschichten sind, noch ein Blick auf Stella Leders Debüt „Meine Mutter, der Mann im Garten und die Rechten“ (Ullstein, Euro 22,–). Eine etwas ausführlicherer Text zum dem Buch findet sich HIER.

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