Follow the Money: Immobilien und Verbrechen

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Follow the Money: Immobilien und Verbrechen

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Wer profitiert? Den Geldflüssen zu folgen, ist ein probates Mittel für Ermittler und Ermittlerinnen, insbesondere wenn die sonstige Beweis-, Spuren- und Indizienlage nicht viel ergibt. Wer sich also nun auf die Spuren des Profits macht, der landet nicht selten im Immobiliensektor, denn da gibt´s – abgesehen von den Mietern – bekanntlich jede Menge Profiteure. Abgesehen von den Möglichkeiten, dieses oder jenes Geld zu platzieren. Was andererseits nahe legt, dass die Distanz von Immobilien und Verbrechen so groß nicht sein kann.
Eine Gemengelage, der im Moment auffällig viele deutschsprachige Genreromane nachspüren: Susanne Saygin zum Beispiel, in „Crash“ (Heyne, Euro 12,99), ihrem zweiten Roman, reflektiert sie die Möglichkeiten einer politischen „Veruntreuung“ von Schwarzgeld aus dem Baugeschäft für rechtspopulistische Zwecke. Ein – sehr – detailfreudiger Wirtschaftskrimi, der den Anspruch hat, eine zerrissene, gebeutelte Krisen-Gesellschaft zu durchleuchten, und auf die Gefahren hinzuweisen, die dieser, unserer Gesellschaft möglicherweise drohen; Handlungsorte sind vor allem Köln und Berlin.
Weiter nach Hamburg, da handeln die Geschichten von Altmeister Frank Göhre, der sich in seinem neuen Roman „Die Stadt, das Geld und der Tod“ (Culturbooks, Euro 15,–) dem Zusammenhang von „Clan“-Kriminalität, Regionalpolitik, Bürgertum und Verbrechen widmet; wie immer in der ihm eigenen Weise: Eine bestechende Montage aus Skizzen, Episoden und Eindrücken, souverän komponiert, schnell erzählt und scharf montiert; ein Genreroman, der konsequent aufs Wesentliche konzentriert ist.
Und wo wir uns schon in hochpreisigen Mietmetropolen bewegen, die ja auch auf eine Weise dem Profit folgen: Die Münchener Variante der Geschichte erzählt Tanja Weber in ihrem neuen Roman „Betongold“ (Hoffmann und Campe, Euro 20,–): Sie ermittelt mit ihrem Helden, einem pensionierten Mordermittler, den Tod eines (verkrachten) Immobilienkönigs, dessen Leiche in einer seiner Baugruben aufgefunden wurde, das ist die gegenwärtige Ebene; zugleich spiegelt sie rückblickend die Stadtentwicklung in der Freundschaftsgeschichte dieser Männer, einer Dritter ist auch noch mit im Team. Was ist der Preis, wenn man sich dazu entscheidet, dem Profit zu folgen – das unter anderem ist hier die Frage. Die Zukunft jedenfalls gehört einer jungen Frau, deren Mutter der Dritte aus dem Bund Haiti mitgebracht hatte: Sie kann weggehen aus der in Profit erstarrten Metropole und erst einmal woanders ihr Glück suchen …

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