Omar Shahid Hamit: Verrat

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Omar Shahid Hamit: Verrat

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Ein Kalter Krieg in Südasien und viele prekäre Geheimnisse: Omar Shahid Hamid erzählt eindrücklich vom Dauerkonflikt der Atommächte Pakistan und Indien – mit den Mitteln der Spionageromans.

Die Story beginnt im Iran, nahe der pakistanischen Grenze wird ein Mann entführt. Diese Mann, ein Inder, war undercover im Einsatz für den Geheimdienst, er wird über die Grenze nach Pakistan gebracht. Das ist vor allem deshalb ein Problem, weil der Mann letztlich nur ein Mittler war – und damit ein möglicher Weg: Der indische Geheimdienst hat einen hochkarätigen Informanten in der pakistanischen Regierung, dessen Identität um jeden Preis geheim bleiben muss. Ein Maulwurf also, aus pakistanischer Sicht – dessen Identität um jeden Preis aufgedeckt werden muss.

Und so nehmen die weiteren Geschehnisse ihren Lauf: Die Inder brauchen einen ganz besonders raffinierten Plan, um ihren Hochkaräter zu retten; die Pakistanis dürfen keinesfalls weniger ausgebufft agieren, wollen sie den Verräter zu finden. Wer nur könnte das wohl sein? Im Prinzip sind alle unter Verdacht, bis hin zum sowieso korrupten Premierminister samt seiner Günstlinge. Aber Landesverrat? Das ist dann doch eine andere Nummer, als sich hier und da ein paar Millionen auf Kosten der Allgemeinheit in die Taschen zu schieben.

„Verrat“ ist ein hervorragend konstruierter, souverän erzählter Spionageroman, der nicht mit Reminiszenen an die Klassiker des Genres geizt, dabei doch zugleich auch prallvoll ist mit aktuellen Bezügen zu den komplexen politischen Verhältnissen in Pakistan. Omar Shahid Hamid, der im Brotberuf selbst für die Terrorabwehr arbeitet, weiß, wovon er erzählt, und er hat die Mittel das, was er zu erzählen hat, auch entsprechend umzusetzen: Mit einem breiten Tableau an Konflikten und Charakteren – und zugleich einer Fokussierung auf zwei Hauptfiguren, deren (tragische) Geschichte das große Ganze trägt und zugleich Komplexität reduziert. Das ist sehr spannend, sehr gut gemacht!

Und ist ein Friedensprozess denkbar zwischen Pakistan und Indien? Das wäre schön, scheint das Buch im Namen seines Autors zu antworten, dessen Haltung deutlich mitschwingt; auch als Hoffnung, die kurz aufflattert. Ist aber natürlich völlig illusorisch, Omar Shahid Hamid, der Schriftsteller, ist ja nicht naiv: So lange so gierige Menschen so gut profitieren können, wird dieser Kalte Krieg in Südasien nicht enden können, darauf läuft dieser „Verrat“ letztlich hinaus.

(Omar Shahid Hamid: Verrat. Übersetzt von Almuth Degener. Draupadi Verlag, 2021. 330 Seiten. 19,80 Euro.)

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