Kanada: Bücher über die “First Nations”

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Kanada: Bücher über die “First Nations”

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Kanada wäre Gastland der Frankfurter Buchmesse gewesen – mit einem prallen Angebot an Veröffentlichungen und Veranstaltungen. Letzteres musste wegen Corona auf´s kommende Jahr verschoben werden, die geplanten Bücher erscheinen großteils trotzdem. Ein wichtiges Thema in der kanadischen Literatur, die jetzt auch auf Deutsch verfügbar ist: Geschichte und Gegenwart der “First Nations”, der indigenen Bevölkerung.

Der Roman “Volkswagen Blues” von Jacques Poulin (Hanser Verlag, übersetzt von Jan Schönherr, Euro 23,–) geht per Road Novel auf Spurensuche: Ein an allem und vor allem an sich selbst zweifelnder Schriftsteller macht sich in einem klapprigen VW-Bus auf die Suche nach seinem Bruder, zu dem er seit Jahren keinen Kontakt hatte. Unterwegs liest er “Heuschrecke” auf, eine junge Frau, die einen kleinen Kater bei sich hat, sie ist halb indigen. Sie hat keine Ahnung, wer sie wirklich ist – und ist sich trotzdem ganz sicher mit seich selbst. Gemeinsam nehmen die beiden den Weg in Richtung USA, den die europäischen Siedler eingeschlagen hatten, den Oregon Trail; so entsteht hinreichend Gelegenheit, aus der Vergangenheit gleichermaßen zu erzählen, wie die Gegenwart im Hinblick auf´s indigene Nordamerika zu durchforsten. “Volkswagen Blues” ist ein moderner Klassiker der kanadischen Literatur, im Original erschienen in den 1980er Jahren, leicht und entspannt erzählt – eine spannende zeitgeschichtliche Erkundung und eine anrührende Freundschaftsgeschichte.

Apropos Klassiker: Die kanadische Naturmalerin Emily Carr, die von 1879 bis 1945 lebte, ist weltberühmt, zumindest sind es ihre Bilder – die nicht bloß Landschaften etc. zeigen, sondern häufig auch Bilder aus dem Leben der “Indianer”, mit einem Faible insbesondere für Totempfähle. Schon als 15jährige war Emily Carr Ende des 19. Jahrhunderts auf Spurensuche in den Siedlungen der Ureinwohner, sie verbrachte zeitlebens viel Zeit dort, lebte auch immer wieder mal vorübergehend in teils sehr entlegenen Dörfern, sehr ungewöhnlich für eine Frau in dieser Zeit. Was kaum bekannt ist: Emily Carr hat darüber auch geschrieben. Schullektüre in Kanada, auf Deutsch aber bislang nicht verfügbar. Das ändert sich mit dem sehr schön gemachten Band “Klee Wyck – die, die lacht. Reportagen von Emily Carr” (Verlag das kulturelle Gedächtnis, übersetzt Marion Hertle, Euro 20,–). Dieses Buch ist eine Entdeckung – auch wegen seiner Publikationsgeschichte, die das kundige Vorwort von Kathryn Bridge erläutert: Schullektüre – klar. Das aber in einer zensierten Form, über Jahrzehnte, weil die Verantwortlichen die beißende Kritik am Umgang mit der indigenen Bevölkerung geschliffen hatten. Erst vor einigen Jahren fiel das eben jener Kathryn Bridge auf, die anregte, zum Originaltext zurückzukehren, der auch der deutschen Ausgabe zugrunde liegt.

Wer sich “etwas” genauer über Vergangenheit und Gegenwart der “First Nations” informieren möchte, für den ist “Unter dem Nordlicht. Indianer aus Kanada erzählen von ihrem Land” (Galiani Berlin, Euro 26,–) genau die richtige Lektüre. Der Schweizer Manuel Menrath ist Historiker, allerdings keiner, der bloß auf Akten und Archive setzt, im Gegenteil – er reist und er redet dabei mit den Menschen, über deren Geschichte er forscht – und genau das passiert in diesem prallvollen, hoch interessanten Buch eben mit den kanadischen First Nations. Eine Lektüre, in deren Welten man versinken kann.

Hier außerdem ein paar aktuelle Kriminalromane – mit dabei zwei sehr gute Bücher über die Geschichte und Gegenwart der indigenen Bevölkerung Nordamerikas, aus Kanada der tolle Roman “Taqawan” von Éric Plamondon

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