Messerscharfe Analyse: „Der Privatsekretär“, der neue Roman der argentinischen Schriftstellerin Claudia Pineiro

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Messerscharfe Analyse: „Der Privatsekretär“, der neue Roman der argentinischen Schriftstellerin Claudia Pineiro

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In ihrem Roman “Der Privatsekretär“ seziert die argentinische Schriftstellerin Claudia Pineiro die Mechanismen einer politischen Bewegung – grandios inszeniert als literarischer Thriller.

Im Zentrum des Geschehens steht die Partei “Pragma“, gegründet von dem Bauunternehmer Fernando Revira, der durch Finanz- und Immobilienspekulationen zum Multimillionär geworden ist. Ein Typ mit Charisma – und einer, der einen Plan hat: Rovira möchte erst Gouverneur werden, dann Präsident des ganzen Landes. Den Weg dahin wird er sich ebnen, keine Frage, koste es, was es wolle; es ist nur eine Frage der Zeit, bis Rovira sein Ziel erreichen wird.

Allerdings gibt es unterwegs einige schmerzhafte Hürden und Hindernisse, die selbst den Besten zum Stolpern bringen könnten. Zum Beispiel – die Kinderfrage, deren Lösung sich kompliziert gestaltet. Und eines ist merkwürdig, von außen gesehen zumindest: Wie besessen agiert und plädiert Rovira dafür, die Provinz Buenos Aires, deren Gouverneur er vor dem Schritt zur Präsidentschaft werden will, in zwei Provinzen zu teilen. Gelingt das nicht, ist er, so glaubt der Populist, zum Scheitern verurteilt. Die Frage ist: Warum ist es so wichtig, dass die Provinz geteilt wird? Die Antwort ist überraschend – und sie hat, so viel kann man verraten, mehr mit dunkler Magie zu tun als mit handfesten politischen Erwägungen.

„Der Privatsekretär“ ist eine Milieustudie einer neuen Variante der politischen Klasse, die bei weitem nicht bloß in Argentinien an die Schaltzentralen des Regierens strebt – Populisten, die unter dem Deckmäntelchen „Bürgerbewegung“ weniger für irgendwelche Bürger, denn für die eigenen Interessen operieren, eiskalte Strategen einer durch und durch “gemachten Politik“, der der Machterwerb zum Selbstzweck wird, und zwar mit allen Mitteln. Der Blick liegt dabei insbesondere auf den unguten und schon strukturell korrupten Verquickungen von Ökonomie und Politik – insofern ist „Der Privatsekretär“ ein Roman zur Zeit, denn das ist ja im Moment in vielen Ländern ein gravierendes Thema, bis hin zu den Vereinigten Staaten. Ein weiterer Aspekt: Die Verbindung von Magie und Politik, nicht bloß in Argentinien – erstaunlich, was die Autorin da alles an Fakten und Informationen zusammengetragen und geschickt dramatisiert hat.

Claudia Pineiro erzählt von alledem sehr gekonnt mit den Mitteln des Politthrillers, dessen Strukturen sie aus dem Effeff versiert beherrscht, der aber letztlich immer nur den Rahmen darstellt für eine Analyse politischer Prozesse, die gnadenlos ins Schwarze trifft. Ein starker Roman – mit einer subversiv originellen Schlusswendung, die auf eine Weise sogar Hoffnung für die Zukunft macht.

Claudia Pineiro: Der Privatsekretär. Unsionsverlag, 2018. Aus dem Spanischen von Peter Kultzen. 320 Seiten. ISBN 978-3293005341. Euro 22,–

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