Neues aus Japan

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Neues aus Japan

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Hideo Yokoyamas Polizeiroman “64” war im letzten Jahr DER Überraschungserfolg in Sachen internationaler Krimi. Jetzt legt der Atrium Verlag mit “2” zwei Erzählungen nach, die tatsächlich aber so was wie Vorstudien sind zum Opus Magnum sind: Auch hier wird Krimi über den Blick auf bürokratische Strukturen innerhalb der Behörde erzählt – in “Zeit der Schatten” geht´s um die Versetzungspolitik, in “Schwarze Linien” um die Rolle von Frauen im Apparat. Erstaunlich, wie Hideo Yokoyama mit seinem ganz speziellen Ansatz einerseits “Krimi” filtriert und andererseits einen pars-pro-toto-Blick auf die Gesellschaft liefert – und angenehm, dass diese beiden Erzählungen nicht ganz so ermüdend ausfürlich sind. Im Gegenteil. Also: Ein guter Einstieg in die Yokoyama-Welten, wem´s gefällt, der kann sich ja dann noch “64” vornehmen. Und wer “64” mochte, der wird auch hiermit sein Vergnügen haben. (Atrium Verlag, das Buch kostet 16 Euro – das von Jodie Ahlborn und Heikko Deutschman gut eingelesene Hörbuch 15,99. Übersetzung: Sabine Roth.)

Der Mensch und die Natur, das ist ja ein ganz großes Thema in der zeitgenössischen Literatur. Stichwort: Climate Fiction, Nature Writing etc. Ein Teil des Ganzen: Die gute alte “Zurück zur Natur?”-Frage. Natsu Miyashita liefert mit “Der Spielplatz der Götter. Eine Familie zieht aufs Land” die japanische Variante – und die, wenn man so will, radikale Umsetzung eines Versuchs in der Hinsicht: Zusammen mit der Familie ist die Schriftstellerin und Publizistin ein Jahr in ein entlegenes Dorf WEITAB VON ALLEM gezogen. Ihre Erfahrungen hat sie in Kolumnen veröffentlicht – das Buch versammelt diese Texte als Ganzes in einer Art aufgehübschter Version. Spannend zu lesen eben als die japanische Variante der Frage des Verhältnisses Mensch/Natur in unseren Zeiten – aber auch, weil die ganze Zeit ein netter Spannungsbogen über der Geschichte liegt: Wird die Erzählerin mit ihrer Familie in die Zivilisation zurückkehren? Oder finden sie wider Erwarten so viel Ver- und Gebundenheit in den Bergen, am Spielplatz der Götter, dass sich die Frage am Ende gar nicht mehr stellt? (Cass Verlag, Euro 20, übersetzt von Katja Busson.)

Schon etwas länger auf dem Markt, seit Jahresanfang nämlich – aber bei der Gelegenheit noch als kleiner Tipp nebenbei in Sachen Literatur aus Japan: “Die zehn Lieben” von Hiromi Kawakami. Ein “Roman” (sagt der Verlag), der sich aus zehn Erzählungen zusammen setzt. Zehn Frauen, die mit einem Herrn namens Nishino zu tun hatten, seine zehn Lieben also, erzählen von ihren Begnungen mit ihm; insgesamt ergibt sich das Portrait dieses besonderen Liebhabers, zugleich auch eine Variation und Reflexion zur Frage, was die Liebe ausmachen könnte. Wer´s leicht, aber trotzdem mit Tiefe mag, der wird mit diesem Buch sein Vergnügen haben; Hiromi Kawakami leuchtet das Thema wunderbar spielerisch und luftig sehr variantenreich aus. (Hanser Verlag, Euro 20, übersetzt von Ursula Gräfe und Kimiko Nakayama-Ziegler.)

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