Tag 112: Zäune aufstellen ist (k)ein Computerspiel

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Tag 112: Zäune aufstellen ist (k)ein Computerspiel

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Es ist der zweite Tag, an dem ein Zeuge aussagt, der für den Aufbau der Zäune auf dem Gelände der Loveparade und an der Rampe zuständig gewesen ist. Er soll dem hier angeklagten, technischen Leiter von Lopavent, unterstellt gewesen sein und nach dessen Anweisungen Pläne erarbeitet haben. Gemeinsam mit einem Team habe er zwei Wochen vor der Veranstaltung damit begonnen Absperrungen auf dem Gelände zu errichten.

Bedeutung der Zäune

Die Besucherführung und die Einzäunung des Veranstaltungsgeländes sind für die Aufklärung der Katastrophe von Bedeutung. Ist bei der Planung der Zäune die Sicherheit der Besucher ausreichend berücksichtigt worden? Wer hat die Zäune geplant? Sind die Pläne auch genau so umgesetzt worden? Wer hat die Ausführung überprüft? Das sind die Kernfragen, die meiner Meinung nach in dieser Zeugenvernehmung geklärt werden sollten. Die Antworten sind ernüchternd.

Die Planung der Zäune

Der Richter beginnt die Vernehmung, indem er die Qualifikation des Zeugen erfragt. Der 43-jährige habe schon vorher bei der Ruhr 2010 eine ähnliche Aufgabe übernommen.  Eine Ausbildung im Bereich Veranstaltungstechnik oder langjährige Erfahrung kann er nicht vorweisen. Die Pläne für die Zäune auf dem Loveparade-Gelände und der Rampe habe er mit einem Computerprogramm erstellt. Da habe er erst Zaunelemente gesetzt. Dann seien Ausgänge, Notausgänge etc. dazugekommen. Das habe sich dynamisch entwickelt.  Und eigentlich habe er das Programm auch gar nicht selbst bedient, weil er das nicht könne. Das habe ein Student für ihn gemacht. Der Richter bemerkt während der Befragung „Das ist ja kein Computerspiel“ und will genauer wissen, woher der Zeuge das Know-how für seinen Job genommen habe. Eine konkrete Antwort gibt es darauf nicht.

Endabnahme der Zäune

Der Zeuge hat die Zäune nicht nur geplant, sondern auch beim Aufbau mit angepackt. In der Hierarchie stand er als Teamleiter über den anderen Arbeitern und sollte diese auch überprüfen. Das tat er letztlich, laut eigener Aussage, doch nicht. Die Frage „Warum?“ drängt sich förmlich auf. Eine richtige Antwort gibt der 43-jährige darauf nicht.

Einblicke in die Arbeit von Lopavent

Bei mir bleibt heute der Eindruck zurück, dass der Zeuge mit der ihm übertragenen Aufgabe überfordert war. Auf der Anklagebank sitzt jedoch derjenige, der ihm diese Aufgabe übertragen hat. In den kommenden Prozesstagen sind weitere ehemalige Mitarbeiter von Lopavent geladen. Nachdem wir in den ersten 100 Prozesstagen viel über die städtische und polizeiliche Planung erfahren haben, geht es nun überwiegend um die Seite des Veranstalters.

Über den Autor

in Duisburg geboren. Nach einem Volontariat bei einem TV-Sender ging es weiter als freie Videojournalistin für verschiedene TV Sender und internationale Online-Plattformen. Seit 2016 im WDR Studio Duisburg zuhause.

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