Tag 137: Zwei Zeugen und ein Statement

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Tag 137: Zwei Zeugen und ein Statement

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„Ich helfe gerne.“ Das hat der Zeuge bereits gestern mehrmals betont. Und tatsächlich hat sich der vom Loveparade-Veranstalter als Verkehrsplaner engagierte Betriebswirtschaftler auch auf den zweiten Tag seiner Vernehmung intensiv vorbereitet. Immer wieder wühlt er sich durch eine Sammlung aus Zetteln, auf denen er sich Orte und Zeiten notiert hat: „Schaue ich gerne nach, wenn Ihnen das wichtig ist“.

Die Fragen der Verteidiger – ein schwer greifbares Themen-Sammelsurium – beantwortet er bemerkenswert geduldig. Zwar liefert dieser Vormittag keine inhaltlichen Quantensprünge, doch der Vorsitzende Richter bedankt sich am Ende ausdrücklich „auch für die erkennbare Mühe, die Sie sich gemacht haben.“

Verteidigerin kritisiert Ermittlungsbehörden

Es folgt ein engagiertes Statement einer Verteidigerin: Sie kenne wichtige Dokumente, die im Prozess keine Rolle spielten. „Das ist skandalös und das geht so nicht.“ Ihre Kritik richtet sich gegen die Ermittlungsbehörden.

Der Vorsitzende Richter reagiert entschieden: „Dass irgendwas verheimlicht wird oder nicht zugänglich ist, das stimmt einfach nicht.“ Es ist wieder einer dieser – aus Beobachtersicht – erfrischenden Momente, in denen die Prozessroutine durchbrochen wird.

Kameras „im Laufe der Geschehnisse ausgefallen“

Der nächste Zeuge ist ein heute 39-jähriger Ingenieur. Während seines Studiums habe er in der Sicherheitsbranche gearbeitet. Er sei erst zwei Tage vor der Loveparade nach Duisburg gekommen, um sich das Gelände und seinen Arbeitsplatz im Hoist-Hochhaus anzusehen. In die Planung der Loveparade sei er nicht involviert gewesen.

Am Veranstaltungstag habe seine Aufgabe darin bestanden, Funksprüche anzunehmen und anhand der Überwachungsbilder „einmal pro Stunde eine Kalkulation über den Füllgrad des Veranstaltungsgeländes zu erstellen.“

Einige Kameras seien „im Laufe der Geschehnisse ausgefallen“ erinnert sich der Zeuge. Auch erinnert er sich an eine Polizeikette und „dass es voll war, auf der Rampe“. Vieles weiß der Zeuge aber nicht mehr. Wer will ihm das verübeln, neun Jahre später?

Über den Autor

Geboren 1985 in Rees am Niederrhein. Studium in Bochum (Germanistik und Geschichte). Seit 2012 als Journalist in Duisburg. Onliner bei der WDR Lokalzeit aus Duisburg sowie Radiomacher (u.a. WDR5 und Deutschlandfunk Nova).

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