Tag 37: Der Lopavent-Anwalt

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Tag 37: Der Lopavent-Anwalt

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Oft nennt der Zeuge die Lopavent-Mitarbeiter beim Vornamen. Auch der Chef heißt bei ihm mal Rainer. Der Zeuge, das ist heute ein Rechtsanwalt. Der Mann, der die Firma Lopavent bei der Loveparade juristisch beraten hat. Einige Wochen nach der Katastrophe – Ende August 2010 – habe er dieses Engagement beendet, sagt er. Danach habe er sich nicht mehr weiter mit der Loveparade beschäftigt, „um Abstand zu gewinnen“.

Man musste Kompromisse machen

„Man musste Kompromisse machen, was die Streckenführung angeht“, erinnert sich der 45-Jährige an die Planungsphase. In Duisburg sei relativ schnell klar gewesen, „dass der einzige Ort, an dem die Loveparade stattfinden kann, das Aurelis-Gelände am Hauptbahnhof ist.“

Der Vorsitzende Richter Mario Plein will wissen, wer auf Seiten von Lopavent in den Entscheidungsprozess eingebunden war. Der Zeuge nennt die Namen zweier Angeklagter. Mit Lopavent-Chef Schaller habe er über die konkrete Planung der Veranstaltung nicht geredet.

Plein lässt eine Mail eines Angeklagten Lopavent-Mitarbeiters verlesen, deren Inhalt weniger von Belang ist als die Signatur darunter: „Creative Director / Executive Director“. Für den Zeugen kein Hinweis auf Verantwortung im juristischen Sinne: „Man muss ja was auf die Visitenkarte drucken.“ 

Ehrliches Interesse nur beim Ordnungsdezernenten

Beteiligte der Stadt hätten versucht, sich aus der Verantwortung herauszuziehen, sagt der Zeuge. Das Bauamt habe in seiner Wahrnehmung formelle Hürden stellen wollen, die der Veranstalter nicht erfüllen konnte. In mehreren Mails wird deutlich, wie vehement der Rechtsanwalt – im Namen der Firma Lopavent – seinen Forderungen im Genehmigungsverfahren Nachdruck verliehen hat. Klar: Ein Scheitern hätte kein gutes Licht auf das Unternehmen geworfen.

Der Zeuge habe den Eindruck gehabt, „als ob die Stadt sich davon verabschiedet hat, konstruktiv an der Lösung mitzuwirken.“ Einzig der Ordnungsdezernent habe ein „ehrliches Interesse“ an der Loveparade gezeigt. Im Gegensatz zur Bauamtsleiterin, die es „begrüßt hätte, wenn sie keine Genehmigung hätte erteilen müssen.“

Wollte Lopavent eine „Sonderbehandlung“?

Die Stadt habe sich – anders als zuvor Dortmund und Essen – an Vereinbarungen nicht halten wollen, beklagt der Zeuge. Der Vorsitzende Richter formuliert eine persönliche Vermutung: Lopavent habe von der Stadt eine Sonderbehandlung erwartet. 

Am Ende des Tages haben die Prozessbeteiligten dutzende Mails gelesen. Vieles bleibt rätselhaft. Eines wird allerdings deutlich: Die Planung der Loveparade war ein zähes Ringen.

Über den Autor

Geboren 1985 in Rees am Niederrhein. Studium in Bochum (Germanistik und Geschichte). Seit 2012 als Journalist in Duisburg. Onliner bei der WDR Lokalzeit aus Duisburg sowie Radiomacher (u.a. WDR5 und Deutschlandfunk Nova).

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