Tag 59: Gestörte Kommunikation

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Tag 59: Gestörte Kommunikation

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Am Ende des heutigen Tages bedankt sich der Richter wie bei jedem Zeugen auch bei diesem für seine Aussage. Ich habe auch zu danken. Endlich ein Zeuge, bei dem es nicht immer wieder heißt, dafür sei er nicht zuständig, oder er könne sich nicht erinnern. Dennoch bleiben wichtige Fragen offen. Immerhin hilft die Aussage des Polizeistabsleiters mir dabei die kommenden Zeugen von der Polizei einzuordnen.

An einige neue Begriffe muss man sich in diesen Verhandlungstagen gewöhnen. Die Ausführungen des Zeugen sind polizeitechnisch und nüchtern. Er nennt die Beamten bei ihren Zuständigkeiten und nicht bei ihren Namen, was auch von der Verteidigung kritisch angemerkt wird.

Die Abschnittsleiter

Die Polizei hat bei der Planung der Loveparade ihren Einsatzbereich in neun Abschnitte unterteilt und diese Abschnitte Beamten zugewiesen. Diese Abschnittsleiter sollten mit den jeweils zuständigen Mitarbeitern des Veranstalters kooperieren und dem Stab Mitteilungen machen. Im Bereich des Tunnels ist dieser Informationsfluss zur Zeit des Unglücks unterbrochen worden. Der Zeuge erläutert, dass der Abschnittsleiter gemeinsam mit dem Crowd Manager, der von der Veranstalterfirma im Tunnel platziert wurde, um die Besucherströme zu koordinieren, zusammengearbeitet hat. Wer, wann, weshalb entschieden habe, die Menschenmenge mit Polizeiketten zu trennen, könne der Zeuge nicht beantworten, weil ihm das nicht zugetragen wurde, so sagt er.

Die Verbinder

Die Kommunikation ist für mich hier das Thema schlechthin. Und so sehr ich mir den Kopf zerbreche. Meine Gedanken werden nicht in diesen Blogeintrag passen. Fakt ist: Die Polizei, die Feuerwehr und der Veranstalter hatten jeweils ihre voneinander getrennten Funkverbindungen. Die Informationen sollten über Beamte, die der Zeuge als Verbinder bezeichnet und die an Mitarbeiter des Veranstalters gekoppelt waren, weitergegeben werden. Diese Infos sollten dann an die übergeordneten Ebenen weitergeleitet werden. Soweit der Plan.

Wie sich auch in den heute abgespielten Telefonkonferenzen zwischen den Leitern der Polizei, Feuerwehr, des Ordnungsamtes, des Veranstalters und der Bundespolizei herausstellt, sind die Teilnehmer teilweise ahnungslos über die Katastrophe im Tunnel. Nach dem Abspielen dieser Audiodateien vom Unlgückstag neigt sich auch der Prozesstag dem Ende. Morgen wird die Staatsanwaltschaft die Befragung übernehmen.

Über den Autor

1979 in Duisburg geboren. Nach einem Volontariat bei einem TV-Sender ging es weiter als freie Videojournalistin für verschiedene TV Sender und internationale Online-Plattformen. Seit 2016 im WDR Studio Duisburg zuhause.

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