Tag 96: Und nun?

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Tag 96: Und nun?

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Die Befragung des sogenannten Float-Managers der Loveparade 2010 geht weiter. Der Zeuge soll auf Papier aufmalen, wie die Strecken der Floats – also der Techno-Umzugswagen – bei den Paraden in Berlin, Essen und Dortmund aussahen. Zudem wird er nach vielen Personen und ihren Aufgabenbereichen bei der Loveparade in Duisburg befragt.

Die Fragen werden jetzt immer detaillierter, die Antworten des Zeugen immer einsilbiger. „Daran habe ich keine konkrete Erinnerung“, sagt er oft. Dann darf er gehen.

(Wie) geht es weiter?

Am 16. Januar steht im Strafprozess ein wichtiger, vielleicht entscheidender Termin an: das Rechtsgespräch. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit beraten dann Gericht, Verteidiger, Nebenklage-Anwälte und Staatsanwaltschaft darüber, ob und wie es mit dem Verfahren weiter geht. Es schwirren viele Gerüchte herum: Einstellung des Prozesses, Teil-Einstellung – vieles erscheint möglich. Fakt ist, dass bereits weitere Zeugen bis zum April 2019 vorgeladen wurden.

Wie schwierig es werden dürfte, beim Rechtsgespräch eine Verständigung aller Prozess-Beteiligten zu erzielen, zeigt sich bereits heute bei den Beratungen über die Formalitäten.

Der Vorsitzende Richter Mario Plein schlägt vor, dass der Sprecher des Landgerichts Duisburg bei dem Rechtsgespräch dabei sein solle. Plein will ihn dabei haben, damit das Gericht nach dem Gespräch gegenüber den Medien Auskünfte erteilen kann – zumal ja ohnehin Inhalte des Rechtsgesprächs nach außen dringen dürften. Einzelne Verteidiger und Nebenklage-Anwälte sind aber gegen Pleins Vorschlag. Nur der Richter selbst dürfe in der Sitzung am 17. Januar (Beginn 13 Uhr) die Öffentlichkeit über das Rechtsgespräch informieren, so ihre Meinung. Der Sprecher muss also draußen bleiben.

Streitthema Geld

Die Laune des Richters wird nicht besser beim nächsten Thema. Es geht ums Geld. Als Pflichtbeistand bezahlte Nebenklage-Anwälte bangen um ihr Honorar, da das Rechtsgespräch am 16. Januar ja kein offizieller Verhandlungstermin ist. Die Juristen kündigen an, dem Rechtsgespräch fernzubleiben, wenn sie kein Anwaltshonorar bekommen.

Richter Plein äußert seinen Unmut: „Sie erwarten von mir, sich Gedanken zu machen, ob Sie vergütet werden oder sowat.“ Ein „ziemlich unschönes Thema“ sei das. Nach längerer Diskussion sagt er zu, das Gericht versuche, eine Lösung zu finden.

Etwas sarkastisch sagt Plein am Ende, nun seien ja alle in Stimmung für das Rechtsgespräch: „Das kann ja nur sehr fruchtvoll werden.“

Über den Autor

Jahrgang 1974. Geboren im westlichen Münsterland. Ich berichte seit 2002 über Politik und News aus Nordrhein-Westfalen. Bis 2007 für die taz, danach knapp fünf Jahre als Korrespondent der Nachrichtenagentur ddp/dapd. Seit 2012 arbeite ich für den WDR.

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