Kutschatys erster Auftritt

https://blog.wdr.de/landtagsblog/kutschatys-erster-auftritt/

Kutschatys erster Auftritt

Kommentare zum Artikel: 0

Thomas Kutschaty, der neue SPD-Fraktionschef, wurde Rebell genannt. Warum, ist mir nie klar gewesen. Sicher, der Essener hat sich einen Bart stehen lassen, sich gegen die GroKo ausgesprochen und dem Partei-Proporz die Stirn geboten. Aber ein Rebell?

Sieben Jahre lang konnte man im Landtag besichtigen, wie ein stets korrekter Minister Kutschaty jede Klippe im klippenreichen Justizressort umschifft hat. Skandale sind aus seiner Zeit nicht überliefert. Berüchtigt war er hingegen dafür, im Rechtsausschuss mit monotoner Stimme seitenlang aus Regierungsvorlagen vorzulesen – und jeden Kritiker damit einzuschläfern.

Wie macht er sich als Oppositionsführer?

Die große Frage würde also sein: Wie macht sich ein wenig rebellischer Rebell als Oppositionsführer? Lange musste man nicht auf die Antwort warten. Denn schon am Tag nach seiner Wahl zum Fraktionschef musste Kutschaty am Mittwoch (25.04.2018) ran.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) informierte den Landtag über die geplante Ruhrkonferenz. Kutschaty erwiderte. Als Essener eine dankbare Aufgabe. Zumal ihm Laschet mit einer wenig inspirierenden Rede eine gute Vorlage bot.

Funke sprang nicht über

Und Kutschaty? Blieb sich treu. Er las seine Rede weitgehend monoton vom Blatt ab. Das klingt jetzt schlimmer, als es war. Die Rede war eigentlich unterhaltsam, kritisch genug und mit genügend schlagzeilentauglichen Metaphern bestückt. Es war auch eine gute Abwechslung zum immer gleichen Norbert-Römer-Sound der letzten Jahre. Nur: Es fehlte das Emotionale.

Ein guter Gradmesser dafür war der Applaus aus der eigenen Fraktion. Sie haben sich ja Mühe gegeben bei der Jungfernrede ihres neuen Chefs. Auch der unterlegene Kandidat Marc Herter kam gerade noch rechtzeitig an seinen Platz. Aber der Funke sprang nicht über.

Sie müssen wohl noch üben, die SPD-Fraktion und ihr neuer Chef.

 

Über den Autor

Online-Reporter sind im Düsseldorfer Politik-Betrieb immer noch eine Seltenheit. Das hat sich seit 2011, als ich in Düsseldorf angefangen habe, nicht verändert. Ich schreibe, blogge und twittere über alles, was mit Landespolitik zu tun hat. Egal, ob Jagdgesetz, Haushaltsdebatte oder Funkloch-Affäre. Nachzulesen - unter anderem - bei WDR.de.

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage: *

Top