Tag 120: „hätte“ und „wenn“

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Tag 120: „hätte“ und „wenn“

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Heute geht es weiter mit dem Polizisten, der zwar an der Vorbereitung beteiligt war, den Einsatztag selbst allerdings zu großen Teilen im Kreißsaal verbracht hat. Das Gericht hat seine Fragen an den Zeugen bereits gestellt. Heute geht es mit den anderen Verfahrensbeteiligten weiter. 

Viele seiner Antworten beginnen mit „hätte“ und „wenn“. Wenn er schon am Mittag im Einsatz gewesen wäre, hätte er die Vereinzelungsanlagen schließen lassen, sagt der Zeuge. Seinen Einsatz, das wissen wir inzwischen, hat er aber erst begonnen, als das Unglück schon geschehen war.

„Stadtspitze wollte die Loveparade“

Die Fragen zur Vorbereitung beantwortet der Zeuge geduldig und ausführlich. Zweifel an der Sicherheit seien nicht durchgedrungen, weder zu den Verantwortlichen für das Kulturhauptstadtjahr Ruhr 2010, noch zum damaligen Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland:„Da gab’s keine Zweifel für mich daran, dass der wollte, dass die Loveparade stattfindet“, sagt der Zeuge. 

Die Feuerwehr beschreibt er als „sehr unsichtbar, um das mal vorsichtig auszudrücken.“ Er erklärt, dass „die Probleme, die wir beschrieben haben, subjektiv so bei der Feuerwehr nicht angekommen sind.“ Normalerweise würden Feuerwehr und Polizei eng zusammenarbeiten. Bei den Loveparade-Planungen sei das nicht der Fall gewesen.

„Aufgehört, mir Gedanken zu machen“

„Ich hab aber irgendwann aufgehört, mir Gedanken darüber zu machen, wie ich das Gelände jetzt finde“, sagt der Zeuge. Er habe dann begonnen, den Einsatz vorzubereiten. Das in Vorbereitungstreffen erarbeitete Konzept der Polizei hält er für richtig: „Mein Eindruck war, das war alles vernünftig und seriös vorbereitet worden.“

Man könne jetzt fragen, warum er nicht selbst die ganze Zeit im Einsatz gewesen sei, sagt der Polizist ungefragt. Er beginnt, sich zu rechtfertigen: „Man bekommt aber nicht so häufig im Leben Kinder“. 

„Da kommt mir ein bisschen die Galle hoch“

Ein Verteidiger will wissen, warum er nicht stärker kontrolliert habe, ob Absprachen auch eingehalten werden. Der Zeuge antwortet genervt: „Da kommt mir die Galle ein bisschen hoch.“ Man müsse auch mal vertrauen können.

Am Nachmittag ist alles gesagt. Die Verfahrensbeteiligten haben keine Fragen mehr, der  Zeuge ist vorerst entlassen. Morgen wird es spannend: Dann ist ein Lopavent-Mitarbeiter als Zeuge geladen, der bis Februar noch auf der Anklagebank saß.

Über den Autor

Geboren 1985 in Rees am Niederrhein. Studium in Bochum (Germanistik und Geschichte). Seit 2012 als Journalist in Duisburg. Onliner bei der WDR Lokalzeit aus Duisburg sowie Radiomacher (u.a. WDR5 und Deutschlandfunk Nova).

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