Tag 181: Ausgucker und Digitale Bleistifte

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Tag 181: Ausgucker und Digitale Bleistifte

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Der erste Zeuge an diesem Prozesstag ist ein 29-jähriger Installateur aus dem Kölner Umland. An den Security-Job bei der Loveparade 2010 ist er über einen Kollegen bei der freiwilligen Feuerwehr gekommen. Er stand auf einem Beobachtungsposten oberhalb der Rampe. Von diesem “Ausguck”, an dem auch eine Überwachungskamera installiert war, konnte er sowohl das Partygelände um sich herum, als auch den Unglücksort unterhalb überblicken.

Kommunikation

Zur Ausstattung des Zeugen gehörte ein Funkgerät. Darüber habe er frühzeitig seine Einsatzzentrale über die Polizeikette an der Rampe benachrichtigt. Man habe ihm geantwortet, dass sich das schon wieder auflösen werde. Doch wie wir heute wissen und wie sich auch auf den vorgeführten Videoaufzeichnungen erkennen lässt, passierte das Gegenteil. Über Funk habe man ihm gesagt, dass die Informationen weitergeleitet werden.

“Die Leute wurden immer aggressiver”

“Je voller der Bereich wurde, desto aggressiver wurden die Leute”, sagt der Zeuge. Er sei mit Steinen und einer vollen Wasserflasche beworfen worden. “Die Menschen haben gerufen, dass wir aufmachen sollen.” sagt er. Seine Funkmeldungen halfen nicht, sagt er. Die Rampe füllte sich weiter.  Immer wieder sei es zu wellenartigen Bewegungen in der Menge gekommen. Als einige Menschen über die Lichtmasten und den Container heraufkletterten, habe er auch mitgeholfen sie hochzuziehen. Die Einzelheiten der Katastrophe und die Schilderung der Verletzten werden bei der Befragung ausgespart. Irgendwann habe ein Polizist ihm, ein Messer hochgeworfen und aufgetragen Banner abzuschneiden. Damit wurden die Toten abgedeckt, erzählt der Zeuge. Bis nach Mitternacht habe er gearbeitet und sei dann mit seinen Kollegen nach Hause gefahren.

Der Digitale Bleistift

Der zweite Zeuge ist heute aus Berlin angereist. Es handelt sich um einen 34-jährigen Mann, der 2010 im Rahmen eines studentischen Nebenjobs an der Erstellung von Plänen und Karten für die Firma Lopavent mitgewirkt hat. Als es vor etwa einem Jahr im Prozess um die Planung des Geländes und der Zäune ging, spielte die Funktion dieses Zeugen bereits eine Rolle. Es verwunderte mich damals, dass ein Student angeheuert werden musste, um ein spezielles Computerprogramm zu bedienen. Der Zeuge studierte damals an der Uni Bochum Architektur und ist heute in der Immobilienentwicklung. Damals sei er der “Digitale Bleistift” gewesen. Er habe über einen Zeitraum von sechs Wochen hinweg Veränderungen Änderungen des Geländes, Zäune, Notausgänge, Bühnen etc. in den digitalen Plan eingetragen. Seine Aussage trägt nicht dazu bei, dass ich heute mehr Einsichten gewinne. An konkrete Gespräche, Termine oder Konflikte bei der Planung kann der Zeuge sich heute nicht mehr erinnern.

Morgen geht es weiter mit zwei Security-Mitarbeitern.

Über den Autor

1979 in Duisburg geboren. Nach einem Volontariat bei einem TV-Sender ging es weiter als freie Videojournalistin für verschiedene TV Sender und internationale Online-Plattformen. Seit 2016 im WDR Studio Duisburg zuhause.

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