Aktuelle Bestseller

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Aktuelle Bestseller

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Viel Bewegung in den letzten Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste, ein Top 3-Neueinsteiger jagt den nächsten. Ganz oben auf der 1 hat sich allerdings erstmal Juli Zeh mit ihrem neuen Roman “Über Menschen” festgesetzt. Eine junge Berlinerin zieht Corona/Lockdown-bedingt aufs Land nach Brandenburg, ihr Nachbar stellt sich mit den Worten vor, er sei der Dorf-Nazi. Was sich dann ereignet – eine recht angekitschte Freundschaftsgeschichte – ist einerseits ein literarischer Feldversuch in Sachen “Gesellschaftliche Gräben überwinden” und andererseits eine eher verklemmte Auseinandersetzung mit der Frage, was die Corona-Maßnahmen für die Freiheit im (links)liberalen Sinn bedeuten, wobei Juli Zeh den entscheidenden Dilemmata letztlich ausweicht – ein zwar interessanter Versuch, der aber große Schwächen hat, leider auch sprachlich. * Der stärkste öffentliche Auftritt in diesem Jahr bislang war sicher der der jungen afroamerikanischen Lyrikerin Amanda Gormann bei der Amtseinführung von Joe Biden, ihr Gedicht “The Hill We Climb/Den Hügel hinauf” (Hoffmann und Campe, Euro 10,–) ist jetzt auch auf Deutsch zu haben – und direkt auf dem zweiten Platz in die Bestsellerliste eingestiegen. Ungewöhnlich (oder auch nicht, im Jahr 1 nach dem Tod von George Floyd): Gleich drei aktuelle Bücher von schwarzen Schriftstellerinnen finden sich im Moment in den Top 20 der Spiegel-Bestsellerliste. Neben Amanda Gormann ist das noch der Roman “Mädchen, Frau etc.” von Bernadine Evaristo (Tropen Verlag, Euro 25,–) sowie “Adas Raum” von Sharon Dodua Otoo (S. Fischer, Euro 22,–), die in Berlin lebt – mehr dazu demnächst an dieser Stelle. * Was tun, um sich nicht mit all dem 2020/2021er-Wahnsinn beschäftigen zu müssen? Na, eine Zeitreise machen, zurück in die 80er zum Beispiel. Wie Benedict Wells das in seinem neuen Roman “Hard Land” (Diogenes, Euro 24,–) macht, der in Missouri, USA angesiedelt ist – und mit folgendem ersten Satz in Gang kommt: “In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb.” Ein Sommer also, eine Coming of Age-Geschichte, viel Kino mit dabei, Freundschaft, Liebe – aber auch Drama, Tragik, Schmerz, Verlust. Anfangs wirkt das Setting etwas kulissenhaft, aber das gibt sich schnell, Benedict Wells weiß zu (ver)zaubern mit seiner Geschichte einiger ungleicher Jugendlicher – und der Art, wie er die Klaviatur der genannten Gefühle bespielt. Beeindruckend, und seinem tollen ersten Satz wird dieser Roman in Gänze gerecht – womöglich wird das der Sommerroman dieses Jahres.

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