Neu aus Ghana und Südafrika

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Neu aus Ghana und Südafrika

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Hm, doch eher Jugendliteratur? Könnte man denken, wenn man gerade die ersten Seiten des Romans “Aluta” von Adwoe Badoe (Peter Hammer Verlag, Euro 24) liest: Sehr einfach und klar und gerade geschrieben – und ganz nahe dran an einer jungen Frau, Charlotte, die die Geschichte für ein paar Wochen durch ihr Leben im Ghana der 1980er Jahre begleitet. Charlotte, gerade 18 geworden, ist aus Accra weg zum Studieren nach Kumasi gezogen; anfangs genießt sie das Leben und die Freiheit jenseits des Elternhauses, später wird sie in die politischen Kämpfe verwickelt, die das Land zu der Zeit erschüttern – und sie muss schließlich einen hohen Preis dafür bezahlen, dass sie sich verwickeln hat lassen.

Adwoa Badoe, Ärztin und Pädagogin, lebt in Kanada, stammt aber aus Ghana; man darf annehmen, dass vieles von dem, was sie in ihren Roman “Aluta” gepackt hat, autobiographisch fundiert ist. Der Roman erzählt einerseits die Zeitgeschichte Ghanas, andererseits hat seine Story auch eine universelle Bedeutungebene zum Kontext Studentenproteste und (männliche) Machtstrukturen. Thematisch interessant und ausgefuchst dramatisiert das, sehr gut geschrieben – und sicher “mehr als Jugendliteratur”, wenn man das so sagen darf: Ein ausgesprochen spannender ghanaischer Bildungsroman für LeserInnen allen Alters. Und: Eine Geschichte, die sehr zu Herzen geht, mir zumindest. (Übersetzt von Miriam Mandelkow)

Weiter nach Kapstadt, Südafrika, mitten hinein in die Gegenwart – und in eine ganz andere Geschichte, die auf andere Weise ebenfalls aus dem Leben junger Menschen erzählt: Nathi, Mittzwanziger, hat AIDS, zusammen mit Ruan und Cecilia, die er von der Drogen-Selbsthilfegruppe her kennt, lässt er sich durch die Stadt treiben. Die Drei verscherbeln Nathis Medikamente, um an Geld zu kommen; sie tun alles, um möglichst große Anteile ihrer Zeit breit zu sein, geben sich mit allem möglichen Zeugs die Dröhnung, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt sind, Geld dafür zu beschaffen, und ansonsten hängen sie halt zusammen ab. Nathi trägt ein Trauma mit sich rum, er glaubt, für den Tod seines jüngeren Bruders verantwortlich zu sein, deshalb hat er sich von der Familie entfernt, hat nur noch Cecilia und Ruan und sich selbst mit dem Sog, der ihn immer weiter abwärts zieht. Dann geraten die Dinge ins Rollen, sein Onkel meldet sich – und den Dreien zusammen bietet ein mysteriöser Fremder das ganze Große Geschäft an, das sie aus allem rausholen könnte, vielleicht…

“positiv” (Verlag Das Wunderhorn, Euro 24,80) ist das Debüt des südafrikanischen Schriftstellers Masande Ntshanga, geboren 1986, einer, dem man nachsagt, eines der großen Talente des an guten AutorInnen nicht eben armen Landes zu sein. Stimmt, auf jeden Fall ist Musike drin in dieser Geschichte, allerdings nun nichts Eingängiges zum Mitsummen, eher dunkle Beats und reichlich Töne in Moll: Ein rauher, sperriger Blick aufs Jungsein in Kapstadt, ein Blick in Sphären, in denen es so hell nun eben auch nicht ist. “positiv” ist merklich ein Debüt, in mancherlei Hinsicht nicht zu Ende gedacht, trotzdem ist der Beat dieses Romans ein Versprechen – Masande Ntshanga ist einer, vom dem garantiert noch so manches kommen wird, wir sind gespannt. (Übersetzt von Maria Hummitzsch.)

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