Bäume (und mehr)

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Bäume (und mehr)

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Riesige Stelen sind allerorten auf der Welt „gelandet“; oben reichen sie bis in die Wolken, unten haben sie Wurzel-ähnliche Verankerungen. Zehn Jahre ist das her, in der Story, die Warren Ellis (Text) und Jason Howard (Zeichnungen) in „Trees“ entfalten. Außerirdisches Leben? Nichts ist passiert, die „Bäume“ stehen einfach da, ohne sichtbare Aktivitäten. In ihren Schatten ereignet sich allerdings alles Mögliche. Abgesehen von der Zerstörung, die sie angerichtet haben, üben die Gebilde einen unerklärlichen Druck auf die Menschen, die in ihren Gefilden leben. Eine Macht ist da – aber auch ein Machtvakuum, in dem Dinge gedeihen können. Die „Bäume“ als Metaphern für die Frage, was den Menschen ausmacht? Spektakuläre Illustrationen, und das dystopische Setting, das „Bäume“ entwirft, ist ein Abenteuer. Der erste von drei Bänden, mal schauen, wohin die Story sich entwickeln wird. Denn in einer Forschungsstation in der Artkis, ebenfalls „mit Baum“, werden plötzlich Aktivitäten gemessen. Es geht los – nur was genau geht da eigentlich los? („Trees“, Band 1: Feinde. Cross Cult, Euro 25,–)

Eine Naturreservat, irgendwo im Nirgendwo in Schweden. Hier forscht Professor Frawley, in einer kleinen Station, aus der Welt der Wissenschaften mehr oder minder ausgestoßen, seinen Lehrstuhl hat er längst verloren. Warum? Frawley vertritt die These, dass Bäume auf eine noch unerklärliche Weise „handeln“ – und dass sie auf nicht minder rätselhaften Wegen miteinander kommunizieren, möglicherweise sogar über tausende Kilometer hinweg. Frawley ist außerdem überzeugt, dass Bäume ein komplettes Weltwissen in ihrer DNA spreichern, das aber vor dem Menschen verbergen. Im Naturschutzgebiet versucht der Professor, Belege für seine Thesen zu finden, zusammen mit drei jungen MitarbeiterInnen; einer davon ein ziemlich engagierter Klimaaktivist. Er ist es, der merkwürdige Aktivitäten und Phänomene rund um die Bäume im Reservat feststellt – und Anzeichen für einen ungeheuerlichen Gedanken: Kann es sein, dass die Natur sich zu wehren beginnt? Dass sie mobil macht gegen den Menschen, der die Zeichen nicht zu lesen weiß? Zep ist das Pseudonym des Schweizer Comiczeichners Philippe Chappuis, der im französischen Sprachraum ein berühmter Künstler ist. Sein Szenario ist, wenn man so will, ein düster-melancholischer Kommentar zur Klimadiskussion; es gibt, so viel kann man verraten, aber auch einen Kern der Hoffnung, das allerdings ganz schön radikal gedacht. Interessant: „The End“ ist von den Büchern des Eifeler Försters und Bestsellerautors Peter Wohlleben inspiriert – auch ne interessante, ungewöhnliche Weise von Kulturaustausch … (The End, Verlag schreiber & leser, Euro 19,80)

Manchmal wundere ich mich, wie solch kleine Verlage wie „Cross Cult“ oder „schreiber & leser“ das schaffen, solche Projekte zu wuppen, exzellent gemachte und ausgestattete Werke, „Kunst-Bücher“ ja im Prinzip, und das für 20, 25 Euro – bewundernswert. Auch deshalb noch der Hinweis auf ein schon etwas älteres Comic für Erwachsene, das „schreiber & leser“ freundlicherweise mitgeschickt hat: Bei „Paris 2119“ stammt das Szenario von Zep, gezeichnet hat der Künstler Dominique Bertail – noch ein ausgesprochen packendes und spannendes Zukunftsszenario, das einerseits der Frage nachspürt, wohin die Entwicklung sozial gehen könnte und andererseits einigen der Chancen und Risiken der Digitalisierung. Speziell geht´s hier um den alten Traum, körperlos zu reisen, also in einer Sekunde von einem Punkt der Welt zu irgendeinem beliebig anderen wechseln zu können. Eine Vision, wie gesagt, die allerdings ihren Preis haben könnte – und darum kreist ausgesprochen gewitzt die Grundidee dieser Story. Abgesehen davon: Fantastische Illustrationen, hier ebenfalls: ein dickes Abenteuer. Und die Bäume – sie spielen auch hier schon eine Rolle, das scheint Zep umzutreiben schon seit Jahren. (Paris 2119. Verlag schreiber & leser, Euro 19,80)

 

 

 

 

 

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