Begleitlektüre aus Ägypten: „Vertigo“ von Ahmed Mourad

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Begleitlektüre aus Ägypten: „Vertigo“ von Ahmed Mourad

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In guten Kinos läuft seit dem 5.10. ein exzellenter Polizeithriller von dem ägyptisch-schwedischen Regisseur Tarik Saleh: „Die Nile Hilton Affäre“, basierend auf einem wahren Fall, angesiedelt in Kairo 2011, zur Zeit des „arabischen Frühlings“. Absolut sehenswert, und wer nach dem Kino noch nicht genug davon hat, dem sei der Roman „Vertigo“ von Ahmed Mourad empfohlen, der auf eine ganz ähnliche Weise den Nerv der Zeit trifft. „Vertigo“ ist 2007 in Ägypten erschienen, 2016 auf Deutsch – hier also aus gegebenem Anlaß nochmal die „Cosmo“-Empfehlung aus dem März des vergangenen Jahres:

Ahmed Mourad: Vertigo

Apropos Politkrimi, oder gar Politthriller: Absolut lesenswert ist auch der Roman “Vertigo” (Lenos, Euro 22) von Ahmed Mourad, geboren 1978. Achmad Kamal, sein Protagonist, der seinen Lebensunterhalt mit dem Fotografieren von Society-Schnappschüssen verdient, beobachtet in der Luxusbar “Vertigo”, wie Killer zwei Geschäftsleute und diverse Unbeteiligte niedermetzeln.
Mit dabei: Der Barpianist, Achmads bester Freund. Das macht die Sache persönlich. Als der Zeuge die Aufnahmen, die er heimlich gemacht hat, in der Öffentlichkeit lancieren will, wird er schnell vom Jäger zum Gejagten. Und seine Feinde haben Mittel, denn sie arbeiten für den Staat. Aber Achmad ist alles andere als ein Dummkopf…
In Ägypten erschien “Vertigo” 2007, das Buch war ein Mega-Erfolg, wurde auch als Fernsehserie umgesetzt. Autor Ahmed Mourad, geboren 1978, ist selbst Fotograf, er arbeitete unter anderem für den ehemaligen Staatschef Hosni Mubarak. Eine spannende Konstellation, Mourad weiß garantiert einiges, was er andeuten, aber nicht klar aussprechen kann, und entsprechend ist “Vertigo” auch ein ungewöhnlicher Politthriller:
Sehr flächig und verschachtelt; voller Milieu und Gesellschaft; doppelbödig in dem Sinne, dass Kritik am System zwar immer nur mitschwingt bzw. in der Luft liegt, das aber erstaunlich radikal, im Hirn der Leser geht die Saat auf.
Packend ist “Vertigo” insofern entsprechend ebenfalls in doppeltem Sinne: Als Thriller wie auch als Blick durchs Schlüsselloch in ein Land, in dem der viel zitierte politische Frühling längst wieder fast vergessene Vergangenheit ist.

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